Jülicher Zeitung, Samstag, 27. 2. 2010, Titelseite

Gesamtschulen lehnen 14 000 ab
Von Jülicher Zeitung, Samstag, 27. 2. 2010, Titelseite [28.02.2010, 15.57 Uhr]

Jülicher Zeitung, Samstag, 27. 2. 2010, Titelseite Jeder dritte Anwärter findet keinen Platz. Gewerkschaften und Verbände fordern Umsetzung des Elternwillens. Kritik an Empfehlungspraxis am Ende der 4. Klasse. Sozialstatus der Familie spielt eine Rolle.

Düsseldorf. 14 000 Schüler haben in diesem Jahr keinen Platz an einer Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen gefunden. Eltern- und Schulleitervereinigungen warfen der Landesregierung gestern vor, „den Elternwillen mit Füßen zu treten“ und Neugründungen von Gesamtschulen zu blockieren. Nach Angaben der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule bemühen sich derzeit landesweit mehr als 30 Initiativen um Neugründungen. In den meisten Fällen müsse der Elternwille gerichtlich durchgesetzt werden.?

In diesem Jahr ist jeder vierte Viertklässler an einer Gesamtschule angemeldet worden. Von den 43 000 Anwärtern musste jedoch jeder dritte aus Platzmangel abgewiesen werden. Der Landestrend spiegelt sich auch in unserer Region wider. Genaue Zahlen gibt es zwar noch nicht, aber hunderte Abweisungen stehen schon fest.??

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Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, der Lehrerverband Bildung und Erziehung und die Opposition im Landtag forderten die schwarz-gelbe Koalition auf, ihre Gesamtschul-Blockade zu überwinden und den Elternwillen umzusetzen.??

Das Ministerium wies die Vorwürfe zurück. Seit dem Schuljahr 2005/06 seien in NRW sechs neue Gesamtschulen genehmigt worden, zum kommenden Schuljahr seien es vier weitere.??Die Gesamtschulverbände kritisierten auch die Fragwürdigkeit der Lehrer-Empfehlungen am En­de der 4. Klasse. Es gebe eine nicht nachvollziehbare Spannbreite. Mit einem Noten-Durchschnitt zwischen 2,7 bis 2,8 in den Kernfächern gebe es für manche Schüler eine Gymnasialempfehlung, für andere eine Realschulprognose und eine weitere Gruppe werde an die Hauptschulen verwiesen. Die Noten allein gäben offenbar nicht den Ausschlag. Auch der Sozialstatus der Familie spiele eine Rolle. (dpa)

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