Indens „Kampf um jedes Kind“ beginnt
Von Fr, 18. Nov. 2011 Jülicher Zeitung / Lokales / Sei [18.11.2011, 17.38 Uhr]
Fr, 18. Nov. 2011 Jülicher Zeitung / Lokales / Seite 13 Von Antonius Wolters
Inden. Die Auftritte von Jürgen Rudig, Leiter der Gemeinschaftshauptschule Inden, bei der jüngsten Sitzung des Indener Schulausschusses trugen phasenweise schizophrene Züge: Zunächst legte der engagierte Pädagoge in seinem jüngsten Tätigkeitsbericht die Erfolgsbilanz seiner Bildungseinrichtung vor, deren absehbare Abwicklung im nächsten Tagesordnungspunkt Thema war. Gipfel der Bewusstseinsspaltung: Rudig gehört neben der didaktischen Leitung der Gesamtschule Langerwehe und Vertretern der Indener Grundschule zu den Experten, die das didaktische Konzept für die geplante Sekundarschule erarbeiten, die „seine“ Hauptschule ablösen soll.
Die Frage von Hella Rehfisch (Bündnisgrüne), wie er denn den Eltern auf der Infoveranstaltung der Gemeinde zur Sekundarschule den Unterschied zur Hauptschule erläutern wolle, wehrte Rudig denn auch rasch ab: Die Grundkonzeption der Sekundarschule sei überall im Internet nachzulesen. Auf Nachfrage gewährte er immerhin einen Einblick in die Gemütslage des Lehrerkollegiums. Dem sei klar, dass sich die Situation ändern werde. Die Entwicklung werde entspannt und neugierig verfolgt. Mit dem Ergebnis werde das Kollegium professionell umgehen.
Bürgermeister Ulrich Schuster stellte im Ausschuss den Fahrplan in Sachen Sekundarschule vor, der bis zur Antragstellung Ende des Jahres zu bewältigen ist. Heute ist dem gemeindlichen Mitteilungsblatt ein Flyer beigelegt, der die Bürgerschaft und insbesondere betroffene Eltern über die neue Schulform informiert. Am kommenden Montag werden in den dritten und vierten Klassen der Grundschule Fragebogen verteilt, um den Elternwillen zur Gründung einer Sekundarschule abzufragen. Ergänzend dazu ist für Donnerstag, 24. November, eine Infoveranstaltung für die Eltern geplant, die um 20 Uhr in der Aula der Gemeinschaftsgrundschule Inden/Altdorf an der Geuenicher Straße beginnt. Zu dieser Veranstaltung sind ausdrücklich auch die Eltern auswärtiger Kinder willkommen, die damit liebäugeln, künftig das neue Indener Schulangebot zu nutzen.
Die Fragebögen, auf denen die Eltern ihre Entscheidung kundtun, werden in der Grundschule spätestens am 28. November eingesammelt und anschließend in der Gemeindeverwaltung ausgewertet.
Bis zum 7. Dezember wird in der Hauptschule Inden eine Schulkonferenz anberaumt, bei der die Schließung der Hauptschule beschlossen werden soll, sofern die Errichtung der Sekundarschule zustande kommt. Am 7. Dezember tagt in jedem Fall der Schulausschuss, der den Empfehlungsbeschluss zur Errichtung der Sekundarschule und die auslaufende Auflösung der Hauptschule fassen würde, die vom Gemeinderat auf der Sitzung am 14. Dezember offiziell auf den Weg gebracht würde, bevor die Gemeindeverwaltung der Bezirksregierung in Köln die Antragstellung übermittelt.
Doch nicht nur Eltern und Schulen sind mit dem Projekt „Sekundarschule Inden“ befasst. Wie Bürgermeister Schuster weiter berichtete, werden auch die umliegenden Schulträger beteiligt. Sie sind angeschrieben worden. „Positive Antworten gibt es aus Langerwehe und Düren“, informierte der Bürgermeister. Das große Problem der kleinen Gemeinde Inden: Für eine eigenständige Sekundarschule, die auch gewollt ist, werden mindestens 75 Anmeldungen benötigt. Da es aus dem Gemeindegebiet höchstens 60 gibt, sind Anmeldungen aus Nachbarkommunen nicht nur willkommen, sondern auch notwendig. Das Dilemma: Werbung ist indes außerhalb der Gemeindegrenzen nicht erlaubt.
So greift die Gemeinde in Abstimmung mit der Bezirksregierung zu einem Hilfskonstrukt, wonach die Nachbarkommunen eine Erklärung abgeben, dass sie sich nicht gegen eine entsprechende Schulwahl von Eltern stellen. „Ich habe die positive Erwartung, dass diese Erklärungen eintreffen werden“, hat Ulrich Schuster entsprechende Gespräche mit seinen Kollegen geführt.
Notwendig im laufenden Klärungsprozess ist auch die Zustimmung der Kommunalaufsicht, denn wenn in Inden Schülerinnen und Schüler über den gemeindlichen Bedarf hinaus unterrichtet werden, wäre das streng genommen eine freiwillige Leistung, die in Düren genehmigt werden müsste, da die Gemeinde einen Nothaushalt fährt. „Wir gehen davon aus, dass die Genehmigung erfolgt“, ist der Bürgermeister auch hier zuversichtlich.
Durch die Gründung einer Sekundarschule würde sich schließlich gegenüber der bestehenden Hauptschule nur wenig ändern: es wären keine baulichen Veränderungen notwendig, und auch die Betreuung auswärtiger Schüler ist in der Hauptschule längst Realität: von den mehr als 300 Schülern kommt nur etwa ein Drittel aus dem Gemeindegebiet, die übrigen pendeln aus den umliegenden Kommunen ein. Somit beginne jetzt „der Kampf um jedes Kind“.
Der Fahrplan auf dem Weg zur Gründung einer Sekundarschule Inden
18. November: Ein Flyer im Mitteilungsblatt der Gemeinde informiert Eltern und Bürger über die geplante Gründung der Sekundarschule.
21. November: In den 3. und 4. Klassen der Grundschulen werden Fragebögen zur Ermittlung des Elternwillens verteilt.
24. November: Elterninformation zur Sekundarschule um 20 Uhr in der Aula der GGS Inden/Altdorf, Geuenicher Straße.
28./29. November: Auswertung der Fragebögen durch die Gemeindeverwaltung.
bis 7. Dezember: Schulkonferenz der GHS Inden mit Beschluss zur Schließung, sofern die Sekundarschule zustande kommt.
7. Dezember: Der Schulausschuss fasst Empfehlungsbeschluss zur Errichtung einer Sekundarschule und Auflösung der Hauptschule.
14. Dezember: Gemeinderat beschließt Antrag zur Errichtung der Sekundarschule und Auflösung der Hauptschule.
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