Konzeption und Planung vor der Entscheidung für die Sekundarschule
Stadtelternschaft Jülich fordert: Keine Experimente mit Kindern
Von Red [18.11.2011, 18.11 Uhr]
Die Stadt Jülich will die Einführung der Sekundarschule in nur neun Monaten umsetzen. Die politischen Vertreter werden hierzu am Montag, 21. Januar, um 18 Uhr, im Neuen Rathauses die Weichen stellen müssen. Es ist die letzte Sitzung in diesem Jahr und der Antrag an die Bezirksregierung Köln als Schulaufsicht muss bis 23. Dezember vorliegen.
Die Stadtelternschaft Jülich wirft die Frage auf: Auf welcher Grundlage die Ausschuss-Mitglieder über die Zukunft der Bildungslandschaft in Jülich entscheiden wollen. Es gibt kein pädagogisches Konzept. Lediglich ein erstes Treffen hat er hierzu laut Sitzungsvorlage am 9. November stattgefunden. Es gibt keine Klärung verwaltungsrelevanter Details über Schulspitze und Folgen für die Lehrerschaft. Geschweige denn liegt die – noch im November vorgesehene – Abfrage des Elternwillens vor.
Am Freitag, 18. November, waren nur Eltern der 3. und 4. Klassen der Grundschulen als Entscheidungsträger zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, die in der Sitzungsvorlage für den Schulausschuss „notwendig“ genannt wird. Eine Beteiligung oder Diskussion zum Thema ist offenbar nicht erwünscht, lediglich eine Information gewollt. Bewusst werden mit der Einladung der Zielgruppe alle anderen Betroffene von der Information ausgeschlossen.
Was ist mit Kindern, die in der Folgejahren eine Klasse wiederholen müssen und dann in eine neue Schulform wechseln müssten? Oder werden sie dann „durchgeschleppt“, weil „Sitzenbleiben“ unmöglich ist? Auch alle nachfolgenden i-Dotz-Generationen werden von den jetzt anstehenden Entscheidungen betroffen sein. „Wichtig ist eine breit gestreute Werbung für die neue Schule“ steht in derselben Sitzungsvorlage. „Schule“ ist keine Ware, die per Werbung anzupreisen ist, sondern steht für einen Wert, die Bildung von Kindern.
Die Verwaltung plant die Entscheidung im Eilverfahren, die nach dem „Turbo-Abi“ G8, Offener Ganztagsgrundschule und Flexibler Schuleingangsphase für die Betroffenen – Lehrer wie Schüler – zum Chaos führen wird und letztlich zu Lasten der Kinder geht.
Soll aber die Sekundarschule die beste Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem werden und Real- und Hauptschule als etablierte Einrichtungen ablösen, ist Umsicht und Planung vonnöten. Das Zeitkorsett ist aber, so kritisiert die Stadtelternschaft Jülich, derart knapp geschnürt, dass für eine pädagogische und praktische Entwicklung dieses völlig neuartigen Schulsystems keine Zeit bleibt – und Eltern damit jeder Entscheidungsgrundlage beraubt sind.
Zwei Monate vom ersten Gespräch bis zur Entscheidung über die Bildungslandschaft in Jülich sind zu wenig. Neun Monate zur Entwicklung eines neuen pädagogischen Konzepts ebenfalls.
Es gibt keine Notwendigkeit, nicht die Chance einer einjährigen Planungsphase und Konzeptentwicklung zu nutzen, um Fehler, wie sie in der Vergangenheit begangen wurden, nicht zu wiederholen. Die Stadtelternschaft Jülich regt an, dass Eltern am Montag in der Schulausschuss-Sitzung die Chance nutzen sollten, durch ihre Anwesenheit ein umsichtiges Vorgehen einzufordern: Eine Verschiebung der Entscheidung in das Folgejahr 2013/14.
Zur Erinnerung:
• G8 (Abitur in 12 Schuljahren)
…fehlte in der Startphase das entsprechende Arbeitsmaterial: Schulbücher waren noch nicht gedruckt.
… lebt immer noch mit dem Curriculum G9; der Lehrplan, ist immer noch nicht entschlackt. Die Folge ist nicht nur eine übliche 40-Stunden-Woche für Schüler – im günstigsten Fall bei 34 Unterrichtsstunden und rund einer angenommenen Stunde Hausaufgaben, nicht eingerechnet Referate und Vorbereitung auf Klassenarbeiten. Beklagt wird das nicht nur von Schülern und Lehrern, sondern auch etwa von Vereinen und Musik-Instituten/-Schulen, deren Mitglieder bzw. Schüler für kreative Freizeitgestaltung keine Zeit mehr haben.
…ist auch bei den Entscheidungsträgern im NRW Landtag offenbar so umstritten, dass Schulen 2010 die Rückkehr zu G9 angeboten wurde.
• Bei der Offenen Ganztagsgrundschule
…wurde den Eltern 2005 versprochen, dass sich Fachleute um ihre Kinder kümmern würden, eine Zusammenarbeit mit Psychologen, Sporttrainern und Musiklehrern avisiert, die Förderung der schwachen wie leistungsstarker Schüler. Die Realität sieht bis heute ganz anders aus.
• Die flexible Schuleingangsphase, FLEX (Zusammenlegung der ersten und zweiten Klassen)
…wurde halbherzig eingeführt, Lehrer mit den neuen Anforderungen ebenso überfordert, wie die Kinder. Die Folge: Vielerorts wurde die „Flex“ wieder zurückgenommen. Es wurde den Schulen die Rückkehr zum „herkömmlichen“ Klassenverfahren freigestellt. Am Beispiel Welldorfer Grundschule und Promenadenschule lässt sich gut ablesen, wie mit und ohne Planung
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