Fotoausstellung zum Thema „Demenz“

Linnich: Das eigene Glück in Frage stellen
Von Dorothée Schenk [30.03.2010, 09.41 Uhr]

Die verantwortlichen Initiatoren der Ausstellung „Glücklich trotz Demenz?“: Petra Bogert und Hans-Josef Jansen

Die verantwortlichen Initiatoren der Ausstellung „Glücklich trotz Demenz?“: Petra Bogert und Hans-Josef Jansen

Ein Spinnennetz spannt seine feinen Fäden über einen belaubten Zweig. Ein poetisches Bild zum Text: „Ich brauche soviel Schutz wie nötig, aber auch so viel Freiheit wie möglich.“ Eine von rund 20 Fotografien, die unterstützt durch anregende Worte Gefühle und Lebensumstände von Demenzkranken versinnbildlicht. „Glücklich trotz Demenz?“ heißt die Foto-Wanderausstellung, die bis 15. April im St. Gereon Haus, Mahrstraße 67, in Linnich gezeigt wird.

Berührend ist die Verbindung der beiden Ausdrucksformen, die erahnen lassen, wie die Welt von Menschen aussieht, die zwischen Vergessen und Erinnern, Realität und Vergangenheit leben. Menschen, die nach einem langem Leben versuchen ihr „Ich“ nicht zu verlieren und das Wichtigste: Ihre Würde. „Die Bilder laden zum Eintauchen ein, das ist besser als darüber zu reden“, erklärt Petra Bogert, Ideengeberin des Gemeinschaftsprojektes des Carolus-Seniorenzentrums in Übach-Palenberg und Fotoclub Hückelhoven. Die Leiterin des Sozialen Dienstes wollte zum Weltalzheimertag im September 2009 zum Nachdenken auffordern: „Wäre ich glücklich, wenn ich Demenz hätte?“ Der Betrachter der Bilder erhält darauf keine Antwort, muss sich vielmehr selbst in Frage stellen. Gerade darum haben Petra Bogert und ihr Team die Wortbeiträge in der Ich-Perspektive verfasst.

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Anregung zum Gespräch: Die Ausstellung „Glücklich trotz Demenz?“ im Linnicher St. Gereon Haus.

Anregung zum Gespräch: Die Ausstellung „Glücklich trotz Demenz?“ im Linnicher St. Gereon Haus.

Dabei ist die Ausstellung durchaus nicht verkopft: Das Fotografenteam Steffi Nobis, Bärbel Topnik und Hans-Josef Jansen hat die Dementen und ihre Pflegenden im täglichen Leben begleitet. So sind Bilder von Besuchen im Café entstanden, beim Ausflug in einen Pferdestall aber auch in der täglichen Berührung, Gesprächen oder beim Kegeln. Eindrucksvoll fügen sich die künstlerischen Fotografien, die zum Teil dem persönlichen Fundus der Fotografen entstammen, zum Teil ausdrücklich zu den Themen entstanden sind, zu einem Gesamtbild.

Vervollständigt wurde es bei der Ausstellungseröffnung durch einen Vortrag von Nicola Jacobi, die in sehr anschaulicher und anrührender Art und Weise über ihre Arbeit mit Demenzkranken in der Tagespflege berichtete und, wie wichtig und sinngebend es ist, wenn Menschen füreinander da sind. Fakten ergänzte Gerd Palm, stellvertretender Geschäftsführer des Hausherrn St. Gereon Altenhilfe. Demzufolge wird Demenz künftig eine Normalität im Alter sein, der sich jeder einzelne stellen muss – als Betroffener oder als Angehöriger. Gleichzeitig die erschütternde Erkenntnis: Einen Umkehrprozess gibt es nicht. Palm stellte dar, wie wichtig es ist, trotz des Krankheitsbildes, das den nahestehenden Menschen oft fast zu einem Unbekannten werden lässt, dass die Person immer im Vordergrund steht. „Sonst wird der Mensch zum Objekt“, betonte Palm. (SuS)


Info:
Die St. Gereon Altenhilfe informierte zur Ausstellung über ihr neues Angebot, den häuslichen Betreuungsdienst für Demenzkranke. Geschulte ehrenamtliche und freiwillige Betreuer besuchen und begleiten die betroffenen alten Menschen und bieten damit pflegenden Angehörigen Entlastung und Unterstützung.
Gesucht werden auch noch Menschen, die als Betreuer oder Betreuerin das Team verstärken wollen.
Verantwortliche Ansprechpartner sind Doris Eidams und Agnes Dümmler in der Tagespflege St. Gereon Haus, Mahrstraße 67, in Linnich. Telefonische Kontaktaufnahme ist möglich unter 02462-981 500.


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