Jahresvollversammlung der IHK

Aachen: Wirtschaft "Stark für den Aufschwung"
Von Redaktion [10.03.2010, 14.43 Uhr]

Vor rund 450 Gästen im Krönungssaal des Aachener Rathauses stellte IHK-Präsident Bert Wirtz positive Aspekte zur Wirtschaftslage in der Region heraus. Unter dem Motto: "Stark sein für den Aufschwung" forderte er von der Politik, jetzt die Weichen dafür zu stellen. Dazu zählte er die Sanierung der öffentlichen Haushalte, die Vereinfachung des Steuersystems und die Erleichterung der Unternehmensnachfolge.

Dazu solle die Erbschaftsteuer auf Firmenvermögen vereinfacht werden. Sie sei noch immer zu kompliziert und zu bürokratisch. Es gelte alles zu tun, um eine einfache Überleitung der Betriebe auf die junge Generation zu ermöglichen. Gestützt auf die jüngste Konjunkturumfrage der Kammer, fasste Wirtz die Hauptbotschaft so zusammen: "Die Mehrheit der Unternehmen zwischen Erkelenz und Euskirchen rechnet wieder mit besseren Geschäften." Er hielt ein Wirtschaftswachstum von mehr als zwei Prozent für möglich.

Vor allem der Mittelstand habe das Instrument der Kurzarbeit genutzt und größere Entlassungen vermieden. "Das wird sich jetzt auszahlen, wenn die Fachkräfte im Aufschwung wieder gebraucht werden," so Wirtz.

Die Initiative des Bundesfinanzministers, die Abschaffung der Gewerbesteuer zu prüfen, sei ein Schritt in die richtige Richtung. Es gehe darum, den Kommunen endlich eine weniger schwankungsanfällige Steuerbasis zu geben. Die Unternehmen ihrerseits würden von einer Steuer entlastet, die in Verlustzeiten zum Teil aus der Substanz gezahlt werden muss.

Wirtz sei sich bewusst, dass den Städten und Gemeinden zwischen Wegberg und Weilerswist die Einnahmen aus der Gewerbesteuer massiv weggebrochen seien. "Die Finanzmisere ist aber zum Teil auch hausgemacht. Viele Tätigkeitsbereiche der Kommunen gehören auf den Prüfstand," so Wirtz weiter. Die Kammer selbst senkte im Interesse ihrer Mitglieder trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation ihren Umlagesatz noch einmal - ein bewusstes Signal in der Krise. In den vergangenen Jahren erzielte
Überschüsse würden jetzt an die Wirtschaft zurückgegeben, so Wirtz.

Aktiv bei Kreditversorgung und im Außenhandel

Die Umfragewerte zeigten noch keine allgemeine Kreditklemme, da insbesondere die Sparkassen sowie die Genossenschaftsbanken ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stellten.

Schwieriger könne die Kreditversorgung jedoch im Herbst werden. Wirtz vertraut jedoch auf die Vernunft der Banken. "Die Unternehmen in dieser Region ˆ vor allem denke ich an den Mittelstand ˆ sind wettbewerbsfähig und solide aufgestellt und verdienen es, dass sie auch in schwierigeren Zeiten unterstützt werden."

Die Kammer unterstütze Unternehmen weiterhin auch bei der Erschließung neuer Auslandsmärkte. "Für den Herbst ist die Reise einer Aachener Delegation in die chinesische Partnerstadt Ningbo geplant. Dabei geht es auch darum, chinesische Unternehmen für die Wirtschaftsregion Aachen zu interessieren."

Das World Trade Center Heerlen-Aachen auf der niederländischen Seite der Grenze trage erheblich zur Entwicklung des grenzüberschreitenden Gewerbegebietes Avantis bei. Über 300 Arbeitsplätze seien hier inzwischen entstanden.

Engagiert in der Ausbildung und Energiepolitik

Ein ganz entscheidender Standortvorteil für die Wirtschaft ist und bleibt eine hervorragende Ausbildung. Anders als die OECD ist die Kammer der Auffassung, dass gute Ausbildung nicht nur in Hochschulen erfolgt. Wirtz: "Deshalb halten wir auch nichts von einer deutlichen Anhebung der Akademikerquote. Schließlich haben rund 80 Prozent der Deutschen eine Hochschul- oder eine duale Ausbildung durchlaufen. Damit liegen wir in Europa vorn."

Mit Blick auf die Kernenergie sagte Wirtz: "Sie wird eine unverzichtbare Überbrückungstechnologie bleiben. Wir werden also um eine Lösung der Endlagerproblematik nicht umhin kommen."
Zudem erwähnte er, dass die Kammer zusammen mit Partnern in einer regionalen Internetplattform die Kompetenz im Bezirk bündelt.

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Standortfaktor Nummer eins: Verkehrsinfrastruktur

"Schon heute spüren wir die Grenzen", so Wirtz. Er zitierte die IHK-Prognose, derzufolge der Güterverkehr im Rheinland noch bis 2025 um zwei Drittel zunehmen werde. "Die Straße wird die Hauptlast tragen müssen. Unsere Lage im Hinterland der großen Seehäfen Rotterdam und Antwerpen ist die Ursache dafür, dass der LKW-Transitverkehr und der Schienengüterverkehr spürbar zulegen werden." Umso wichtiger sei es, notwendige Maßnahmen ins Visier zu nehmen: 80 Bauprojekte für die Straße und 30 für die Schiene listet das Verkehrsleitbild der Kammer auf.

Wenig Verständnis zeigte der IHK-Präsident dafür, "dass sich die Stadt Aachen gegen den Bau der B 258n ausgesprochen hat. Diese Straße würde den Nordraum enger anbinden und die oberzentrale Funktion der Stadt Aachen stärken.

Er sprach sich im Namen der Kammer gegen Fahrverbote aus: "Sie würden besondere Hürden für die belgischen und niederländischen Kunden errichten und dem Aachener Einzelhandel massiv schaden." Experten schätzen den Umsatzrückgang bei Einrichtung einer Umweltzone auf 85 Millionen Euro. "Wer will das verantworten," fragte Wirtz, "umso mehr, da inzwischen klar ist, dass Fahrverbote kaum zur Verbesserung der Luftqualität führen. Dazu sind der Einfluss des Wetters und der Topografie einfach zu groß."
Wirtschaftsförderung aus einem Guss

"Neue Unternehmen bringen neue Arbeitplätze," so Wirtz weiter. Es entstünden deutlich mehr Unternehmen im Bereich der StädteRegion Aachen als in den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg. "Im Sinne einer ausgewogenen Regionalentwicklung brauchen wir viel mehr Gründungen in den ländlichen Räumen, weil so auch Pendlerströme vermieden werden," forderte Wirtz.

Ziel sei es, die Zahl der Gründungen zu verdoppeln. Dafür sei es wichtig, neue Zielgruppen zu erschließen, "etwa Menschen mit Migrationshintergrund, sowie Jungunternehmer an Schulen und Hochschulen."

Mit dem neuen RWTH-Campus werde der Grundstein für eine noch stärkere Einbindung der Hochschulen in die Wirtschaft gelegt. "Diesen Weg müssen wir konsequent fortsetzen," so Wirtz.

Die Region müsse sich auch räumlich breiter aufstellen und solle nicht nur nach Westen sehen. Innerhalb des Landes Nordrhein-Westfalen formiere sich zunehmend auch das Rheinland im Wettbewerb der Standorte. "Deshalb arbeiten wir auch in der IHK-Initiative Rheinland mit den Kammern Bonn, Düsseldorf, Köln und Krefeld zusammen." Die Region Aachen bringe dabei die Internationalität und die Technologie in diesen Kooperationsverbund ein.


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