HolzTeam Esser fertigt Holzverpackungen mit Menschen mit und ohne Behinderung

Indener Integrationsunternehmen erweitert Belegschaft und Produktion
Von Redaktion [18.02.2010, 16.23 Uhr]

LVR-Sozialdezernentin Martina Hoffmann-Badache nimmt die neue Palettenfertigungsanlage bei HolzTeam Esser im Beisein von NRW-Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann (links) und Inhaber Thomas Esser symbolisch in Betrieb.

LVR-Sozialdezernentin Martina Hoffmann-Badache nimmt die neue Palettenfertigungsanlage bei HolzTeam Esser im Beisein von NRW-Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann (links) und Inhaber Thomas Esser symbolisch in Betrieb.

Keine zwei Jahre nach seiner Gründung erweitert die junge Firma HolzTeam Esser aus Inden-Pier nun die Produktion von Holzverpackungen aller Art und stockt auch die Belegschaft auf. Das Land Nordrhein-Westfalen und der Landschaftsverband Rheinland (LVR) fördern die Schaffung von vier zusätzlichen Arbeitsplätzen für schwerbehinderte Menschen mit einem Zuschuss zu den Investitionen von insgesamt 80.000 Euro.

Die Förderung erfolgt jeweils zur Hälfte aus Mitteln des Landesprogramms "Integration unternehmen!" und aus LVR-Mitteln. Zudem erhält das als Integrationsprojekt anerkannte Unternehmen regelmäßige Personalkostenzuschüsse durch den LVR für insgesamt zehn Beschäftigte mit Handicap in Höhe von rund 35.000 Euro pro Jahr. ??In einer ehemaligen Sargfabrik im Gewerbegebiet in Inden-Pier arbeiten bei HolzTeam Esser heute insgesamt 16 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Fabrikation von Kisten, Paletten, Gestellen und Sonderverpackungen aus Holz.

Acht davon sind Männer mit Schwerbehinderung; zwei Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap werden derzeit noch besetzt. Mit dem Investitions-Zuschuss von Land und LVR schaffte Inhaber Thomas Esser eine Palettenfertigungsanlage an. Die Maschine, die rund 200 Paletten pro Stunde produziert, wurde jetzt bei einem Betriebsbesuch von NRW-Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann und der LVR-Sozialdezernentin Martina Hoffmann-Badache offiziell in Betrieb genommen.

Gegründet wurde HolzTeam Esser 2008 von dem Schreinermeister mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung Thomas Esser. Er war zuvor viele Jahre in einer Werkstatt für behinderte Menschen tätig, zuletzt als Betriebsleiter. Der LVR hatte das Unternehmen im August 2008 als Integrationsunternehmen anerkannt; aus Mitteln des Landesprogramms "Integration unternehmen" hatte HolzTeam Esser bereits zu diesem Zeitpunkt eine Förderung von 120 000 Euro erhalten für die Schaffung von sechs Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung.

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Zwei Mitarbeiter von HolzTeam Esser bei der Arbeit an der neuen Palettenfertigungsanlage. Das Unternehmen ist das erste Integrationsunternehmen im Kreis Düren. ?(Foto:s LVR, M. Krause)

Zwei Mitarbeiter von HolzTeam Esser bei der Arbeit an der neuen Palettenfertigungsanlage. Das Unternehmen ist das erste Integrationsunternehmen im Kreis Düren. ?(Foto:s LVR, M. Krause)

Dass er in seinem eigenen Unternehmen Menschen mit Behinderung integrieren wollte, war für Esser von Anfang an klar: "Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung als Betriebsleiter einer Werkstatt wusste ich, wie leistungsfähig Menschen mit Behinderung sein können und war von Anfang an zuversichtlich, dass wir auch wirtschaftlich erfolgreich sein können." Weil die Gründung mit der beginnenden Wirtschaftskrise zusammen fiel, war der Start "äußerst schwierig", so Esser: "Aber durch die hohe Motivation und den Einsatzwillen aller Beschäftigten konnte das Unternehmen bestehen und nun sogar erweitert werden. Wir freuen uns, dass wir allen Skeptikern jetzt beweisen können, dass sich soziales Engagement und betriebswirtschaftlicher Erfolg vereinbaren lassen."??

"Thomas Esser und seine Mannschaft zeigen, dass auch in schwierigen Zeiten wirtschaftlicher Erfolg möglich ist, wenn die Geschäftsidee stimmt und das Team gute Arbeit leistet; und sie zeigen, dass gerade integrative Teams von Menschen mit und ohne Behinderung oft besonders gute und nachhaltige Arbeitsergebnisse bringen", freute sich die LVR-Sozialdezernentin Martina Hoffmann-Badache. Integrationsunternehmen seien ganz normale, wirtschaftlich selbstständige Unternehmen, die sich auf dem Markt behaupten müssen, erläuterte sie. Mit der finanziellen Unterstützung durch den LVR würde der besondere Aufwand ausgeglichen, der mit der Beschäftigung eines hohen Anteils schwerbehinderter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - bei HolzTeam von bis zu 60 Prozent - verbunden sei.

Eine solche Förderung stünde aber grundsätzlich allen Arbeitgebern offen, die Menschen mit Handicap einstellen, betonte Hoffmann-Badache: "Nachahmung ist ausdrücklich erwünscht!"??Einer von denen, die bei HolzTeam Esser einen Arbeitsplatz gefunden haben, ist Adem Akca. Er ist in Düren geboren und besuchte dort eine Förderschule für geistige Entwicklung, die er 1997 mit einem Abschluss verließ. Nach seiner letzten Tätigkeit als Hilfsarbeiter war er zwei Jahre arbeitslos. Seit dem 01.12. 2009 hat er nun eine feste Stelle bei Holzteam Esser. Adem Akca arbeitet im Bereich der Palettenmontage. Der 31-Jährige ist glücklich, endlich Arbeit gefunden zu haben: "Ich arbeite sehr gerne hier. Die Arbeit mit dem Holz macht Spaß und mit den Kollegen verstehe ich mich gut." Der neue Job ist gut fürs Selbstbewusstsein: Adem Akca fühlt sich gebraucht und anerkannt. ?

Mit HolzTeam Esser geht im Kreis Düren das erste Integrationsunternehmen an den Start. Rheinlandweit arbeiten in den 61 Integrationsunternehmen derzeit insgesamt knapp 1.600 Menschen; knapp die Hälfte von ihnen sind Frauen und Männer mit einer Schwerbehinderung. Als schwerbehindert werden Menschen bezeichnet, die einen amtlich anerkannten Grad der Behinderung von 50 oder mehr haben.??Das Land NRW und die beiden Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) haben Mitte 2008 das Programm "Integration unternehmen!" aufgelegt, mit dessen Hilfe innerhalb von drei Jahren landesweit 1.000 neue Arbeitsplätze für Menschen mit schwerer Behinderung in Integrationsunternehmen geschaffen werden sollen.

Zur Förderung dieser und anderer Unternehmen verwendet der LVR Mittel aus der Ausgleichsabgabe, die von den Unternehmen gezahlt werden muss, die keine oder zuwenig Menschen mit Behinderung beschäftigen. Unternehmen mit 20 oder mehr Beschäftigten sind gesetzlich verpflichtet, fünf Prozent der Arbeitsplätze mit Menschen mit Behinderung zu besetzen. Wer dieser Verpflichtung nicht nachkommt zahlt eine Ausgleichsabgabe.


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