SPD Fraktion vor Ort

Bildungspolitik in Düren in der Diskussion
Von tee [16.02.2009, 21.16 Uhr]

Karl Schultheis (v.l.) moderierte die Veranstaltung "Fraktion vor Ort" mit der schulpolitischen Sprecherin Ute Schäfer auf Einladung von Liesel Koschorek (MdL)

Karl Schultheis (v.l.) moderierte die Veranstaltung "Fraktion vor Ort" mit der schulpolitischen Sprecherin Ute Schäfer auf Einladung von Liesel Koschorek (MdL)

50 Millionen Euro kosten die rund 60.000 Sitzenbleiber das Land Nordrhein-Westfalen. Neun „Absteigern“ steht ein „Aufsteiger“ gegenüber. Die Schülerzahlen – so die Prognose – sinken bis 2016 um 20 Prozent, im Bereich Sekundarstufe 1 sogar um 23 Prozent. Das seien Herausforderungen, meinte die Dürener Landtagsabgeordnete Liesel Koschorek (SPD) und lud zum Thema Bildungspolitik zur „Fraktion vor Ort“.

Als kompetente Rednerin und Mitdiskutantin hatte sich die Politikerin die bildungspolitische Sprecherin und ehemalige Schulministerin des Landes, Ute Schäfer, zur Seite geholt. Es ist Wahlkampf, das steht fest und daraus machten die Damen schon während der Einladung keinen Hehl: „Die SPD erhofft sich von der Diskussion Impulse für ihre Kampagne Beste Bildung für alle", hieß es da. Bedauerlicherweise ging der Vortragsanteil zu Lasten des Austauschs, da Ute Schäfer zur festgesetzten Zeit die Rückreise nach Hause antreten musste. Dennoch gab es interessante Anregungen durch die Ex-Ministerin und Beiträge aus dem Publikum.

Die SPD-Seite, so schilderte es Ute Schäfer, tritt im Falle einer Wahl zur politischen Entscheidungsmacht dafür an, dass soziale Herkunft nicht mehr entscheidend für Bildungserfolge sein soll. „Mit 9 bis 10 Jahren wird die Bildungskarriere zementiert“, formulierte es die Fachfrau markig. Fatal vor allem für Migrantenkinder, die hauptsächlich Haupt- und Realschulen besuchen. „Gesamtschule“ heißt das magische Wort, wo Kinder mit Hauptschulempfehlung Abitur machen können. Die Durchlässigkeit im Bildungssystem funktioniere lediglich von oben nach unten, bekritelte Schäfer. Frühkindliche Förderung stellt sie als ein erstrebenswertes Ziel dar, das vor allem durch kostenfreies Ganztages-Angebot zum Erfolg führen soll – Bildung kostenfrei bis zum Studium heißt die Wahlaussage. Ebenso wie bei der Offenen Ganztagsgrundschule solle im Kindertagesstätten-Bereich ein Professionen-Mix den Erfolg bringen.

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Wie mehr Männer für den Grundschuldienst verpflichtet werden  könnten, wollte dieser Zuhörer wissen.

Wie mehr Männer für den Grundschuldienst verpflichtet werden könnten, wollte dieser Zuhörer wissen.

Schuldig blieb die Politikerin allerdings die Erklärung, wie dies finanzielle und logistisch zu stemmen sein soll. Schließlich bleibt in der Offenen Ganztagsgrundschule die Umsetzung hinter dem geforderten Konzept weit zurück – ein vor allem finanzielles Problem. Die Frage, wie auch mehr männliche Pädagogen dazu gebracht werden sollen, in Grundschulen zu unterrichten, und im Allgemeinen der Lehrermangel durch Anreize behoben werden kann, blieb letzlich ebenso unbeantwortet. Kritisch hinterfragt wurde von einem Parteigänger, wie denn künftig die Ziele der Partei erreicht werden sollten, wenn sie bereits vor dem Machtwechsel mit gleichem Programm in NRW angetreten wurde, ohne dass es sichtbar zum Erfolg geführt habe. Ute Schäfer entgegnete, dass man auf gutem Weg gewesen sei, ihn nicht abschließen konnte und hoffe, hierzu erneut eine Chance zu bekommen.

Völlig ungewohnte sozialpolitische Töne schlug Ute Schäfer ebenso an: Nicht nur Förderung, auch Anstrengung gehört zum Forderungskanon der Politikerin. Es könnten nicht nur Ansprüche und Erwartungen an das Bildungssystem gestellt werden, Leistungen gehörten ebenso dazu. Zweite Überraschung: Die Selbstverantwortung von Schulen. Über eine Budgetierung statt zentraler Zuteilung könne erreicht werden, dass Schulen ihre Gelder dort verwenden würden, wo sie es am nötigsten hätten. Ein Abiturient berichtete zu diesem Thema, dass in seiner Schule zwar überall Flachbildschirme installiert worden wären, aber die notwendige Sanierung der Toiletten weiter ausstünde. Infrage gestellt wurde aus dem Auditorium auch der Sinn von Kopfnoten. „Sie geben den Lehrern damit ein großes Machtinstrument in die Hände“, formulierte ein Oberstufenschüler. Gerade bei der Suche nach Ausbildungsplätzen wären die Kopfnoten von Bedeutung und ein Lehrer könnte gegebenenfalls bei Antipathien die Chance auf eine Lehrstelle verderben.

Ausgiebig diskutiert wurde die Integration der zweiten und dritten Generation von Migranten. Die Meinungen gingen auseinander, inwieweit es gelingt, oder sich die einzelnen Nationalitäten in eigenen Gruppen zusammenschließen.


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