Die Lizenz zum Lachen: Karneval in NRW
Von Redaktion [18.02.2009, 06.48 Uhr]

"Do bes de platt" - was so viel heißt wie "Jetzt bist du sprachlos" - so lautet das diesjährige Motto des Düsseldorfer Karnevals. Dieses Gefühl wird sich bei manch einem Außenstehenden auch an anderen Orten in Nordrhein-Westfalen einstellen, angesichts des Ausnahmezustandes, der an den närrischen Tagen hier gilt. Da fliegen die Beine der Funkemariechen, da übernehmen Wäscherinnen die Macht im Rathaus oder rennen Männer in Pumps über die Prachtstraße. Der Tourismus NRW e.V. gibt ein paar Tipps für den ganz normalen Wahnsinn an den tollen Tagen.

Düsseldorf gehört zu den deutschen Karnevalshochburgen, allein in der Landeshauptstadt finden zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch über 300 Karnevalssitzungen und Kostümbälle statt, säumen eine Million Zuschauer die Straßen beim Rosenmontagszug. Dabei machen die Jecken noch nicht mal vor dem Prachtboulevard, der altehrwürdigen Königsalleehalt, halt - etwa beim Tuntenlauf am 21. Februar 2009, dem schrägsten Spektakel im Düsseldorfer Karneval. Hier gewinnt, wer sich die höchsten Absätze unterschnallt, ins schrillste Kostüm wirft, dabei der fixeste Junge ist und überhaupt die schrägste Performance abliefert. Im Stadtteil Niederkassel dagegen treten die Jecken beim traditionsreichen Tonnenrennen mit der Schubkarre an (www.karneval-in-duesseldorf.de, www.duesseldorf-tourismus.de).

Köln ist ein Gefühl - das gilt besonders an Karneval. Straßen, Plätze und Kneipen platzen aus allen Nähten und überall wird gefeiert. Wer da nicht den Überblick verlieren will, der schaut sich den Trubel etwa beim Rosenmontagszug am besten von der Tribüne an. Bei KölnTourismus können sich Karnevalsfans für 185 Euro pro Person einen überdachten VIP-Tribünen-Platz inklusive Speisen und Getränke im Cateringzelt sichern. Oder ein "Kölle Alaaf Paket" für 11,11 Euro buchen, das eine Welcome Card, einen "Kamelle-Büggel" (frei übersetzt Bonbonbeutel), und eine Pappnase enthält. Die passende Übernachtung gibt es ab 75 Euro pro Person im Einzelzimmer. Auch in Köln schlüpfen übrigens Männer an Karneval in Frauenkleider. So wird die "holde Jungfrau" als Teil des berühmten Dreigestirns auch heute noch von einem Mann dargestellt, der allerdings, um der Lieblichkeit keinen Abbruch zu tun, keinen Bart tragen darf (Tel.:0221/22130400, www.koelntourismus.de).

Dafür haben die Männer in allen Karnevalshochburgen an Weiberfastnacht nichts zu lachen - und nichts zu sagen. Sie büßen Macht und Krawatten ein und erhalten dafür im besten Fall ein "Bützje" (Küsschen). Diese Tradition, die mittlerweile in vielen Städten und Gemeinde im Rheinland und in Westfalen gepflegt wird, hat ihren Ursprung in Bonn: 1824 schlossen sich die Beueler Wäscherinnen zusammen, um eine Teilnahme am bislang rein männlichen Karneval zu erfechten. Noch heute ist die Stürmung des Rathauses durch die Wäscheprinzessin nicht nur der Startschuss für den Straßenkarneval, sondern eine der Hauptattraktionen in Bonn. Wer die "jecken Wiever", die zahlreichen Züge oder den Kneipenkarneval hautnah erleben und ausgiebig mitfeiern möchte, kann über die Tourismus & Congress GmbH Region Bonn ein Pauschalangebot buchen. Ein Arrangement mit einer Übernachtung inklusive Frühstück sowie einer Bonn Regio WelcomeCard gibt es ab 51 Euro pro Person, zwei Übernachtungen ab 96 Euro (Tel.: 0228/910-410, www.bonn-region.de).

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Der närrische Nachwuchs kommt in Aachen auf seine Kosten: 1938 gab es den ersten Kinderkarnevalszug in der Kaiserstadt, 1951 den ersten Kinderprinzen, der in Aachen Märchenprinz genannt wird. Noch heute ist der Karnevalssonntag mit dem Kinderkarnevalszug ein Highlight im Aachener Karneval. Die zahlreichen Kindergruppen der Karnevalsvereine und Kindergruppen der Kindergärten und Schulen schmeißen mit lautem Alaaf ihre Kamelle unter das närrische Volk (www.aak-aachen.de).

Doch auch die Westfalen, die im Allgemeinen nicht gerade als überschwängliche Frohnaturen gelten, verstehen sich an den närrischen Tagen außergewöhnlich gut auf das Feiern, besonders im Münsterland. So können auch die Rosenmontagszüge in Münster, Werne und Beckum mit Zahntausenden von Besuchern aufwarten. Nicht nur närrisch, sondern auch schlau: Wer Rosenmontag zweimal feiern möchte, muss nach Gescher fahren, denn dort findet der jährliche Karnevalsumzug mit rund 100 Fuß- und Wagengruppen zwei Wochen vor Rosenmontag statt, in diesem Jahr also am 9. Februar. Mit der Vorverlegung des Zuges umgingen die Gescheraner im 19. Jahrhundert den Versuch der Geistlichkeit, mit einem vierzigstündigen Gebet an Rosenmontag und ein Festverbot gegen das "unchristliche Karnevalstreiben" vorzugehen(www.karneval-gescher.de). Im Sauerland etwa lockt der Karnevalsumzug der Körbecker

Karnevalsgesellschaft am Veilchendienstag, 24. Februar 2009, in Möhnesee Besucher aus der ganzen Region an (www.moehnesee.de, www.baerenlaier.de). Und das nicht gerade als Karnevalshochburg bekannte Unna am Rande des Ruhrgebiets hält seit Jahren einen besonderen Rekord: Hier zieht ein rüstiger Rentner seit 52 Jahren immer an Weiberfastnacht mit Bollerwagen und eigenem Motto durch die Stadt und bildet so den kleinsten Karnevalszug der Welt.

Und am Aschermittwoch ist alles vorbei: Dann wird in Köln der Nubbel verbrannt, in Düsseldorf der Hoppeditz und in Recklinghausen oder Borken der Bacchus begraben.


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