Stück in 39 Szenen

"Verbrennungen" im Dürener Haus der Stadt
Von Redaktion [19.02.2009, 07.45 Uhr]

Selten hat ein neues Stück in den vergangenen Jahren so aufgewühlt wie Verbrennungen. Die (Familien-) Geschichte entwickelt sich in ihrer Wucht wie die großen griechischen Tragödien, ist dabei aber hochgradig aktuell. „Es gibt Theaterstücke, die man als Zuschauer selber erfahren muss: Man kann sie nicht erzählen, darf ihr Ende, das kommt wie ein „einstürzender Himmel“, nicht verraten. Die Geschichte bleibt unaussprechlich - auch wenn man sie gesehen hat.“
(Bernd Noack, Deutschlandfunk, 15.10.2006)

Als sie mit sechzig Jahren in einer ungenannten westlichen Stadt stirbt, hin-terlässt die Libanesin Nawal Marwan ein geheimnisumwittertes Testament. Ihr Freund, der Anwalt Hermile Lebel, der mit der Testamentsvollstreckung beauftragt ist, übergibt ihren Kindern, den 22-jährigen Zwillingen Jeanne und Simon - sie Mathematik-Dozentin, er Amateurboxer - jeweils einen Brief, den diese ihrem Vater und ihrem Bruder überbringen sollen. Von der Existenz eines Bruders wussten beide bisher nichts, und ihren Vater hielten sie für tot.

Nach längerem Zögern begeben sich die beiden jungen Leute widerwillig in das vom Bürgerkrieg zerstörte Geburtsland ihrer Mutter, um ihren Vater und ihren Bruder zu suchen. Auf ihrer Reise in die Vergangenheit klärt sich das von ihrer Mutter sorgsam gehütete ungeheuerliche Geheimnis ihrer Herkunft, und sie begreifen, warum sie nie viel über sich erzählt hat.

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Wozu Worte dennoch fähig sind, zeigt die eindrucksvolle Sprachgewalt Wa-jdi Mouawads: Durch die Kombination von orientalischer Poesie und Bildern, die sich im Gedächtnis festhaken, baut der Autor in seinem Text eine ungeheure Spannung auf. Er erzählt die Geschichte einer Frau, die, bevor sie in den Westen floh, über viele Jahre die Gewalt im Nahen Osten erlebt hat. Dabei überschneidet er raffiniert die Spurensuche der Kinder mit dem in Rückblenden erzählten Leben der Mutter, die als 14-Jährige einen „Feind“ liebte.

Wajdi Mouawad, 1968 im Südlibanon geboren, arbeitet heute in Kanada und in Frankreich als Regisseur, Dramatiker und künstlerischer Leiter. Nach vielen Jahren als Theaterleiter in Québec übernahm er vor einem Jahr das Théâtre Français in Ottawa. Er ist designierter "artiste associé" des Festival dAvignon 2009, aber mittlerweile auch in Deutschland immer präsenter. Seit Oktober läuft die deutschsprachige Erstaufführung seines Stücks "Der Sonne und dem Tod sieht man nicht ins Auge" an der Berliner Schaubühne. Sein Erfolgsstück "Verbrennungen" ist derzeit auf einem richtigen Zug über die deutschen Bühnen. Zählt man das nächste Jahr dazu, wird es bald an zwei Dutzend Bühnen inszeniert sein.

Theaterkarten sind beim Online-Ticket-Service unter www.dueren.de/veranstaltungen oder unter www.mvm.dueren.de sowie an der Theaterkasse im Haus der Stadt, Stefan-Schwer-Straße 4, und an der Theaterkasse im Bürgerbüro, Marktplatz, 52349 Düren, Tel.: 02421/252004 erhältlich.


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