IHK-Konjunkturumfrage Jahresbeginn 2009:

Weltweite Rezession erreicht die Region Aachen
Von Redaktion [23.01.2009, 14.12 Uhr]

Die stark exportorientierte Wirtschaft im Kammerbezirk Aachen kann sich der globalen Konjunkturentwicklung nicht entziehen. Dies ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK) zum Jahresbeginn, an der sich rund 380 Unternehmen mit 38.500 Beschäftigten beteiligten. Die Geschäftserwartungen haben sich dramatisch verschlechtert.

Über die Hälfte der Unternehmen rechnet mit rückläufigen Geschäften. Die Geschäftlage im Kammerbezirk ist dagegen weiterhin positiv. "Sie ist gegenwärtig besser als im Herbst 2005, zu Beginn des zurückliegenden Booms. Bei den Dienstleistern melden sogar 43 Prozent der Unternehmen gute Geschäfte. Und in der Industrie melden rund zwei von drei Unternehmen eine Produktionsauslastung von 70 Prozent und mehr", berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Drewes.

Wie stark der Abschwung ausfallen wird, lässt sich gegenwärtig nicht sagen. "Die Wirtschaft im Kammerbezirk hat in den vergangenen Jahren durch erhöhte Flexibilität und permanente Produktoptimierung ihre Chancen auf dem Weltmarkt stetig verbessert und dabei ihre Eigenkapitalquote gesteigert", meint Drewes weiter. "Seien wir daher optimistisch, dass sie sich auch in der weltweiten Rezession behaupten werden." Ein erster Baustein ist dabei das neue Konjunkturpaket. "Die Bundesregierung hat damit grundsätzlich ein positives Signal für die Wirtschaft gesetzt", so Drewes weiter. "Das Volumen von 50 Milliarden Euro entspricht in etwa einem Prozent des Bruttoinlandsproduktes ˆ so wie es die führenden Wirtschaftsexperten empfohlen haben", erklärt Drewes weiter. "Es wäre jedoch besser gewesen, das Paket auf wenige spürbare Schwerpunkte zu konzentrieren, insbesondere auf eine stärkere Senkung von Steuern und Abgaben." Bei den öffentlichen Investitionen setze das Paket allerdings an den richtigen Stellen an.

Geschäftslage der Industrie geht deutlich zurück
Die Industrieunternehmen haben seit dem Herbst einen starken Rückgang ihrer Geschäfte zu verzeichnen. Der Saldo sank um 27 Prozentpunkte auf - 2. Trotz dieser negativen Entwicklung melden immer noch 27 Prozent der Unternehmen eine gute Geschäftslage. Dies ist zum einen auf eine geringere Auslastung der Produktionskapazitäten sowie auf verringerte Umsätze und eine verschlechterte Ertragslage zurückzuführen. Die durchschnittliche Auslastung der Produktionskapazitäten sank um sechs Prozentpunkte auf 75 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Unternehmen meldet rückläufige Umsätze in den zurückliegenden sechs Monaten. Und während nur jedes fünfte Unternehmen eine verbesserte Ertragslage meldet, berichtet jedes zweite von einer Verschlechterung.

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Dienstleister melden gute Lage
Die Geschäftslage der Dienstleistungsunternehmen im Kammerbezirk hat sich nur geringfügig verschlechtert und bleibt weiter positiv. 43 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen ihre gegenwärtige Geschäftslage als gut, nur 10 Prozent als schlecht. Die Dienstleistungsbranche meldet damit eine überdurchschnittlich gute Geschäftslage. Die Ertragslage der Dienstleister hat sich geringfügig verbessert. Gleichzeitig berichten 53 Prozent der Dienstleister von erhöhten Umsätzen in den vergangenen Monaten.

Handel unverändert
Die Geschäftssituation im Handel hat sich kaum verändert. 29 Prozent aller befragten Unternehmen melden eine gute Geschäftslage, ebenso viele eine schlechte. Bei den Großhändlern verringerte sich der Saldo von + 24 auf immer noch gut + 12, im Einzelhandel sank er um 13 Prozentpunkte auf - 9. Regional zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede. So meldet im Kreis Euskirchen mehr als jedes zweite Einzelhandelsunternehmen eine gute wirtschaftliche Lage. Im Kreis Heinsberg bewerten dagegen mit einem Saldo von - 42 überdurchschnittlich viele Befragte ihre Situation negativ.

Geschäftserwartungen auf Rekord-Tief
Die Geschäftserwartungen haben sich im Vergleich zum Herbst dramatisch verschlechtert. Nur noch jedes zehnte Unternehmen rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit einem besseren Geschäftsverlauf, über die Hälfte der Befragten erwartet dagegen eine negative Entwicklung. Dies ist der niedrigste Wert der vergangenen 15 Jahre.

Globaler Abschwung dämpft Exporterwartungen
Der weltweite Einbruch der Wirtschaft hat die Erwartungen der Unternehmen an die Entwicklung der Exporte deutlich verringert. Die Anzahl positiver Meldungen halbierte sich gegenüber der Herbstumfrage, die Zahl der negativen Meldungen hat sich dagegen verdreifacht. Gleichzeitig erwarten nur neun Prozent der Unternehmen steigende Auftragseingänge aus dem Ausland, während 58 Prozent mit sinkenden Auftrageingängen rechnen. Die Exportumsätze in den zurückliegenden sechs Monaten sind dagegen geringfügig besser: 26 Prozent der Befragten berichten von erhöhten, 49 Prozent von verringerten Umsätzen.

Beschäftigungsplanungen gehen zurück
Die schlechten Geschäftsaussichten wirken sich auf die Beschäftigungsplanungen der Unternehmen aus. Nur 15 Prozent aller Befragten erwarten im laufenden Jahr steigende Beschäftigtenzahlen, gleichzeitig gehen aber 37 Prozent von einem Rückgang der Mitarbeiterzahl aus. Der Saldo sank trotz der negativen Geschäftserwartungen vergleichsweise gering. Dies zeigt, dass die Unternehmen in dieser schwierigen Phase alles daran setzen, ihre Mitarbeiter weitgehend zu halten. Dies bestätigt auch die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen, die nur geringfügig angestiegen ist. Im Dezember lag die Arbeitslosigkeit mit 8,7 Prozent weiterhin um 0,3 Prozentpunkte unter der des Landes und lag nur 0,4 Prozentpunkte über der des Bundes.

Den aktuellen Konjunkturbericht finden Sie im Internetangebot der IHK Aachen unter www.aachen.ihk.de/konjunkturbericht/.


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