Aktiv im Alter

Alt-Gesundheitsministerin "warb" im Kreishaus fürs Alter
Von Redaktion [15.12.2008, 23.00 Uhr]

Alt werden wollen alle, alt sein die wenigsten. Das liegt wohl auch an der verbreiteten Vorstel-lung vom Seniorentum: Zipperlein hier, Gebrechen da, Kann-nicht-mehr von früh bis spät. „Schluss damit!“, sagt eine Frau, die es wissen muss. Prof. Dr. Dr. h.c. Ursula Lehr, vielen in Erinnerung aus ihrer Zeit als Bundesfamilienministerin während der Kohl-Ära. Als Gründerin des Instituts für Gerontologie der Uni Heidelberg und des Deutschen Zentrums für Alternsfor-schung ist sie eine Kapazität auf einem Gebiet, das mit dem Schlagwort „demographischer Wandel“ mehr und mehr ins öffentliche Bewusstsein rückt. Doch von wegen „Diktatur der (F)Alten“: Mit pointierten Formulierungen wie „Es gilt nicht nur, dem Leben Jahre zu geben, sondern auch den Jahren Leben“ warb die Wissenschaftlerin jetzt im Kreishaus Düren für eine angemessene Sicht der Dinge.

Vor den gut 150 Zuhörern, die Landrat Wolfgang Spelthahn zum Auftakt des Fachforums „Ak-tiv im Alter“ begrüßt hatte, forderte Ursula Lehr – Jahrgang 1930 – zu einer „Kalenderreform unseres Lebens“ auf: „Wir müssen das Alter später beginnen lassen“, warb sie dafür, das heute übliche „Defizit-Modell des Alterns“ in Frage zu stellen. Die „neuen Alten“ sind heute mit 75 Jahren eben nicht durchweg pflegebedürftig, sondern aktiv und fit – mit gewissen Ein-schränkungen natürlich. Voraussetzung: Sie setzen sich nicht zur Ruhe. Denn „wer rastet, ros-tet“ gilt nach wie vor.

In ihrem mit vielen Fakten und Prognosen angereicherten Impulsreferat zeichnete sie ein Bild unserer Zukunft, die längst begonnen hat. „Wir werden älter, weniger, bunter und dementer“ lautete ihre gesellschaftliche Diagnose in Kurzform. Das hat Konsequenzen. Da das traditionel-le familiäre Netz immer weitere Maschen aufweist, müssen neue tragfähige Fäden gesponnen werden, um alle Menschen aufzufangen: nachbarschaftliche, freundschaftliche, professionelle, ehrenamtliche. Ohne ein möglichst breites bürgerschaftliches Engagement von Seniorinnen und Senioren sei künftig kein Staat mehr zu machen. (Frei-)Zeit ist dazu reichlich vorhanden. Betrug die durchschnittliche Rentenbezugszeit 1960 bei Frauen 10,5 Jahre, so sind es aktuell 20 Jahre, die - siehe oben – wirklich gelebt sein wollen. Bei Männern ist die Tendenz gleich.

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„Wir müssen das Alter als eine lange Phase unseres Lebens verstehen, die Kreativität, Inno-vation und Offenheit verlangt“, sagte Prof. Dr. Liane Schirra-Weirich von der Katholischen Fachhochschule NRW, die zweite Referentin des Tages. Also weg mit dem Altersgrau und neue Farbe ins Spiel. „Alter schafft Neues“ lautete Lehrs Formel dafür. Das ist ihre Einladung an alle, sich in die Gesellschaft einzubringen. Dabei geht es ihr aber nicht nur die Schaffung einer seniorengerechten Infrastruktur – Bänke, Busse und Bahnhöfe -, sondern um ein echtes Miteinander der Generationen: „Senioren verfügen über ein großes Maß an Lebenserfahrung. Sie sind in der Lage, klare, wohl überlegte Entscheidungen zu treffen“, weiß sie aus Erfahrung. Eine prima Ergänzung zur Dynamik der Jungen also.

Bei ihrem Publikum rannten Ursula Lehr und Liane Schirra-Weirich offene Türen ein. Denn die Damen und Herren waren ins Kreishaus gekommen, um sich über Möglichkeiten des bürger-schaftlichen Engagements zu informieren, die das Bundesprogramm „Aktiv im Alter“ dem Kreis Düren eröffnet. Der hatte aus einem Reigen von 330 Bewerbern den Zuschlag erhalten und kann nun bis Ende 2009 weitere Impulse in Sachen Seniorenbeteiligung setzen. Etwa Bürgerforen und Workshops anbieten, bei denen jeder Interessierte zur Information und Mit-arbeit willkommen ist. Bedarf sehen die Seniorinnen und Senioren – das ergaben die Workshops während der Auftaktveranstaltung - bei Themen wie neue Wohnformen, Ge-sundheit und Pflege sowie Kultur. Geplant ist das nächste „Aktiv im Alter“-Forum für Mittwoch, 28. Januar 2009.

Das Engagement der Menschen im Kreis Düren ist zwar schon spitze, wie eine Prognos-Studie jüngst gezeigt hat, „doch warum sollte man auf hohem Niveau nicht noch besser wer-den?“, freute sich Landrat Wolfgang Spelthahn über die große Resonanz auf die Einladung des Kreises Düren, die das hervorragende Umfrageergebnis eindrucksvoll bestätigte.
Infos zum Projekt „Aktiv im Alter“ gibt es im Kreishaus bei Monika Sandjon in der Koordinati-onsstelle „Pro Seniorinnen und Senioren im Kreis Düren“ unter der Rufnummer 02421/22-2250.


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