Linnicher Krankenhaus bietet JobPerspektive
Von Redaktion [05.11.2008, 14.58 Uhr]

Vier Langzeitarbeitslose mit mehreren Vermittlungshemmnissen (vorne) haben im St. Josef-Hospital in Linnich dank der JobPerspektive eine Stelle bekommen, darunter Jürgen Jost (3.v.r.).

Vier Langzeitarbeitslose mit mehreren Vermittlungshemmnissen (vorne) haben im St. Josef-Hospital in Linnich dank der JobPerspektive eine Stelle bekommen, darunter Jürgen Jost (3.v.r.).

katapultiert. Über 40 Jahre alt, keine abgeschlossene Berufsausbildung und eine Schwer-behinderung – in seinen Bewerbungsschreiben konnte er kaum glänzen. Er stand auf der Schattenseite des Lebens, nirgends gab es einen Lichtblick. Vier Jahre hatte er viel Zeit und wenig Geld. Aber vor allem: keine sinnvolle Aufgabe.

„Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schön das ist, wenn um zehn nach fünf der Wecker schellt“, strahlt er heute. Mittlerweile arbeitet der 45-Jährige aus Nörvenich wieder, hat eine Perspektive. Im Linnicher St. Josef-Krankenhaus ist er tätig, arbeitet im hausin-ternen Hol- und Bringdienst. Um 7.15 Uhr geht es los. Er begleitet Patienten, die auf Hilfe angewiesen sind, durchs Haus, erledigt Botengänge. Damit entlastet er seine Kolleginnen und Kollegen, die eigentlich andere Aufgaben im Klinikbetrieb haben.

Per Funk werden Josts Dienstleistungen abgerufen. „Ich habe ganz ordentlich zu tun. Da kommen schon einige Kilometer zusammen“, erzählt er. Doch das ist ihm recht, „denn rumgesessen habe ich lange genug“. Weil Jürgen Jost ein gefragter Mann ist, vergeht die Zeit bis zum Feierabend um 15.45 Uhr für ihn wie im Flug. Zufrieden, wieder unter Menschen zu sein und gebraucht zu werden, fährt er dann mit seinem kleinen Motorroller den weiten Weg nach Hause. „Das macht mir nichts aus. Ich fühle mich heute viel besser.“

Das verdankt der 45-Jährige der JobPerspektive. Das ist ein Förderprogramm des Bundes, das für Arbeitslose mit mehreren Vermittlungshemmnissen aufgelegt wurde. Jeder Arbeitgeber kann seit April 2008 einen Beschäftigungszuschuss zwischen 50 und 75 Prozent erhalten, wenn er einen Arbeitslosen einstellt, der aller Voraussicht nach in den nächsten zwei Jahren keine Chance hat, einen Job zu finden. Der Zuschuss fließt zunächst zwei Jahre. Findet sich danach nirgends eine Stelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, dann wird die Förderung weitergezahlt und zwar unbefristet. Das hat es zuvor noch nie gegeben.

Werbung

Entsprechend hohe Erwartungen knüpft die Bundesregierung an die JobPerspektive. In der Region Aachen stehen 2008 insgesamt zehn Millionen Euro bereit; 1200 schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose sollen damit in den Arbeitsmarkt integriert werden. Bis Ende September fanden in den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg sowie in Stadt und Kreis Aachen knapp 500 Menschen eine JobPerspektive. Mit 146 Vermittlungen war die job-com des Kreises Düren am erfolgreichsten.

Das St. Josef-Krankenhaus hat gleich sieben Menschen die Chance gegeben, sich zu be-währen: als Pflegehilfe, im Hausdienst oder eben als Patientenbegleiter. „Das A und O ist die Motivation der Mitarbeiter“, brachte Jann Habbinga, Kaufmännischer Direktor der Klinik, im Pressegespräch seine Erfahrungen mit den Menschen auf den Punkt, die als schwer vermittelbar gelten. „Wenn die innere Einstellung stimmt, kann jeder an seinem Platz einen wertvollen Beitrag zum Funktionieren des gesamten Betriebes leisten“, so Habbinga.

„Sie haben das in Sie gesetzte Vertrauen nicht nur gerechtfertigt, sondern die Erwartungen übertroffen“, gratulierte Landrat Wolfgang Spelthahn den ehemals Arbeitslosen zu ihrem Engagement. Der Caritas Trägergesellschaft West (CTW) dankte er, dass sie so vielen Menschen in ihren Häusern eine JobPerspektive eröffnet. „Angesichts der älter werdenden Gesellschaft ist im Pflegebereich noch sehr viel mehr Potenzial“, sagte der Landrat und bedauerte, dass diese wichtige Arbeit nicht besser entlohnt werde. Das neue Förderinstrument begrüßt er ausdrücklich und wünschte sich viele Nachahmer in allen Branchen.

Der Kreis Düren ist allein für die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen verantwortlich. Gleichwohl arbeitet die job-com eng mit den Arbeitsgemeinschaften in der Region Aachen zusammen, wie Amtsleiterin Martina Forkel berichtete. So sei man sich einig, dass die JobPerspektive keine nicht geförderten Arbeitsplätze ersetzen darf. Bei der job-com ist mit Helmut Kluth ein einziger Mitarbeiter aus dem Vermittlungsteam für die JobPerspektive verantwortlich, der engen Kontakt zu den Firmen pflegt. Schon beim Vorgängerprogramm, dem Kombilohn, hatte die job-com die besten Vermittlungszahlen in der Region. Kontakt: Telefon 02421/22-1626, E-Mail h.kluth@Kreis-Dueren.de, weitere Infos: www.jobperspektive-regionaachen.de.


Dies ist mir was wert:    |   Artikel veschicken >>  |  Leserbrief zu diesem Artikel >>

NewsletterSchlagzeilen per RSS

© Copyright 2018 Presse- und KulturBüro Schenk + Schenk | Datenschutz

Das Brenzlicht

Mehr Zivilcourage
Es gehört Zivilcourage dazu, Kritik zu üben an einer Preisverleihung, die Zivilcourage auszeichnet und sich gegen das Vergessen der Greueltaten der Nazis positioniert. Toleranz – so die Namensergänzung der veranstaltenden Jülicher Gesellschaft – gehört dazu, um auszuhalten, wenn von vier zu Ehrenden drei als Nebenprodukt behandelt werden und der einzige, durchaus nicht unumstrittene Ausgezeichnete vom Laudator eine Würdigung erfährt, die nicht nur einige Menschen befremden dürfte.  [01.03.2017, 07.54 Uhr]  >>

Alle Brenzlichter >>

Top-Thema

Das JüLicht geht im "Herzog" auf
Das "JüLicht" ist Geschichte – es geht ab sofort im "Herzog" auf – und diesmal gibt es die neuesten Nachrichten nicht nur täglich frisch im Internet, sondern auch jeden Monat als neues Stadt- und Kulturmagazin in gedruckter Form. Wir – Muttkraat, Medien- und Kommunikationsdesigner Hacky Hackhausen und Herzens-Jülicherin und Journalistin Dorothée Schenk – haben fast drei Jahre lang an der „Fusion“ des „kleinen Herzog“, das bis Ende 2017 als Kulturmagazin im Taschenformat erschienen ist und dem Internetmagazin „JüLicht“ geplant und gefeilt.  [30.01.2018, 14.41 Uhr]  >>

Stadtteile

Kita „Die kleinen Strolche“: Jubiläumsfeier eine Woche lang
„Was wollen wir trinken sieben Tage lang?“, heißt ein ziemlich bekanntes Fest- und Feierlied. Da so ein 50-jähriges Jubiläum bei der Kita „Die kleinen Strolche“ in erster Linie ein Fest für die Kinder ist, hat sich das Team der Einrichtung überlegt, mit den Kindern, die sie im Moment besuchen, kräftig und sieben Tage lang zu feiern. Es geht los mit dem Dasda Theater, das am Donnerstag, 27. April, das Stück Petterson und Findus im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Düsseldorfer Straße 30, für die Kita-Kinder aufführen wird.  [26.04.2017, 13.58 Uhr]  >>
Im Heckfeld Geschmack am Glauben finden
Einen Ruhepol im Alltag finden. Innehalten, dem eigenen Getriebensein im Leben regelmäßig einen Ort des Atemholens zu geben, dazu dienen Exerzitien im Alltag. Seit fast 20 Jahren wird in St. Rochus Jülich diese Tradition in der Fastenzeit gepflegt. [09.04.2017, 14.12 Uhr]  >>

Vereine

Lebendiges Geschichtsgedächtnis [09.04.2017, 14.51 Uhr]  >>
Bestehen unter des Meisters Augen [09.04.2017, 13.19 Uhr]  >>

Immer auf dem Laufenden



Newsletter >>

JüLicht auf Ihrer Site

Sie können unsere aktuellen Schlagzeilen auf Ihrer Website präsentieren - hier steht, wie >>.

Kontakt

Welches Anliegen Sie auch immer bewegt, über unser Kontaktformular >> können Sie mit uns in Verbindung treten.

Werbung