Jahresbilanz vorgelegt.

2007 vermittelte Job-com über 3000 Langzeitarbeitslose
Von Redaktion [21.02.2008, 18.32 Uhr]

Die Zahl der Arbeitslosengeld II-Empfänger im Kreis Düren sank bis Jahresende von anfangs 8814 um exakt 800 Betroffene. Die Zahl der Vermittelten lag mit 3005 Personen jedoch weit darüber. Das ist das Ergebnis der Jahresbilanz, die nun vorgelegt wurde. Zum Vergleich: 2006 hatte die job-com knapp 1900 Arbeitslose vermittelt. „Damit haben wir unser Ergebnis um 60 Prozent gesteigert“, rechnet der zuständige Sachgebietsleiter Stefan Grießhaber vor. Fast die Hälfte der Vermittelten freuten sich über unbefristete Arbeitsverträge, ein weiteres Drittel erhielt einen Jahresvertrag.

Eine weitere Zahl: Dreiviertel aller Vermittlungen gelangen ohne Lohnkostenförderung. Doch der gute Integrationserfolg hat auch eine Kehrseite: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die wegen mehrfacher Vermittlungshemmnisse auf dem Arbeitsmarkt so gut wie chancenlos sind, nimmt prozentual zu. Rund ein Viertel der job-com-Kunden sind das mitt-lerweile. „Da stehen wir vor riesigen Herausforderungen“, weiß Grießhaber.

Das Hauptaugenmerk der job-com liegt auf jungen Menschen. Für die Gruppe der unter 25-Jährigen gibt es eine ganze Palette von Förderprogrammen. Die sind so abgestuft und verzahnt, dass keine brotlose Maßnahmen-Karrieren angestoßen werden: Ziel ist und bleibt die Vermittlung in Arbeit.

Überaus erfolgreich war die erste „Jobmesse Zeitarbeit“ im Kreishaus mit 62 Vermittlungen. Die nächste soll nun im März stattfinden und 2008 nicht die einzige bleiben. Auch das NRW-Förderinstrument Kombilohn erwies sich als wirkungsvoll. 121 Langzeitlose brachte es in Arbeit.

Von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II, landläufig „Hartz IV“) lebten Ende 2007 gut 5700 Kinder unter 15 Jahren (14 Prozent dieser Altersgruppe kreisweit). Hinzu kommen fast 15.500 ältere Jugendliche und Erwachsene bis 64 Jahre (neun Prozent die-ser Altersgruppe kreisweit). Während die Zahl der Langzeitarbeitslosen 2007 um fast zwölf Prozent sank, nahm die der Bedarfsgemeinschaften (in denen SGB II-Leistungsempfänger leben) nicht einmal um zwei Prozent ab. Ende 2007 waren es 10.716. Der Grund dafür: „Fast 4000 Arbeitslosengeld II-Empfänger gehen einer Beschäftigung nach, 400 davon sogar in Vollzeit. Da sie von ihrem Lohn nicht leben können, müssen sie staatliche Hilfe in Anspruch nehmen“, berichtet Landrat Wolfgang Spelthahn von einer „gesellschaftlichen Fehlentwicklung“.

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Seine Gegenrechnung: Um eine vierköpfige Familie zu ernähren, müsste ein Alleinverdiener in Vollzeit einen Stundenlohn von 13,18 Euro brutto erzielen, um auf Hartz IV-Niveau zu kommen. „Das dürfte aber für das Gros unser Kunden nicht erreichbar sein“, so Stefan Grießhaber. Die Vergleichszahl für einen Alleinstehenden lautet 7,45 Euro, für einen Alleinerziehenden mit einem Kind 10,86 Euro. Landrat Wolfgang Spelthahn: „Da wird man zum Verfechter des Mindestlohns.“

Trotz gesunkener Fallzahlen hat sich die Last, die die 15 Kommunen und der Kreis Düren schultern müssen, nicht verringert. 2006 und 2007 mussten sie jeweils gut 41 Millionen Euro für die Kosten der Unterkunft von ALG II-Empfängern aufbringen. Von den Vermittlungserfolgen der job-com profitierte allein der Bund, da das Arbeitseinkommen von ALG II-Empfängern auf seine Geldleistungen angerechnet wird. So verringerte sich der Auf-wand von Finanzminister Peer Steinbrück hier um zwei auf 51,5 Millionen Euro. „Diese zwei Millionen Euro fehlen uns“, so der Landrat. Der Gesamtaufwand für die Leistungen nach dem SGB II betrug 2007 kreisweit gut 113 Millionen Euro.

Unter dem Strich könne man stolz auf das Erreichte sein, lautete das Fazit von Landrat Wolfgang Spelthahn. „Unsere Jahresbilanz ist eine Demonstration für die Leistungsfähigkeit der Kommunen. Optionskommune zu werden war eine der wichtigsten Entscheidungen des Kreises Düren.“ Nun muss die Zukunft zeigen, ob gute Arbeit belohnt wird.

„Leider sieht es derzeit so aus, als sollte die Bundesagentur für Arbeit künftig wieder zu 100 Prozent für die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen zuständig werden. Das würde das Aus für uns Optionskommunen bedeuten, die einfach näher an den Menschen dran sind und entsprechend erfolgreicher arbeiten“, bedauert Landrat Wolfgang Spelthahn, den Schluss, den das Bundesarbeitsministerium offenbar aus dem höchstrichterlichen Urteil ziehen will.

Bis 2010 ist der job-com der Status als Experimentierkommune aber noch sicher. Im gleichen Jahr endet dann auch die Duldung der Argen. „Statt jetzt einen Schnellschuss zu machen, sollte der Gesetzgeber in Ruhe vergleichen, welches Modell für die Langzeitarbeitslosen besser ist“, plädiert Karl-Josef Cranen, Amtsleiter der job-com, dafür, den Erfolg zum Maßstab der Entscheidung zu machen.


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