ai fordert mehr Schutz für Zivilisten

Afghanistan-Expertin führte in die Welt am Hindukusch
Von Redaktion [06.12.2007, 12.53 Uhr]

Karola Schaaf beim Vortrag in Düren.

Karola Schaaf beim Vortrag in Düren.

„Was dringend gebraucht wird, sind Ausbildung und Schulen, damit die Menschen lernen, selbst zu entscheiden.“ So lautet das Resümee der von Karola Schaaf nach einem Vortrag in der Dürener VHS. Die Afghanistan-Expertin von amnesty international (ai) reist im Auftrag der Menschenrechtsorganisation mehrmals pro Jahr in das Land am Hindukusch.

Ansonsten sind eine aktuelle Bestandsaufnahme und Ausblick in die Zukunft dieses Landes recht düster. Auch fünf Jahre nach dem Sturz der Taliban sei Afghanistan weit davon entfernt, in Ruhe und Frieden und unter einer wirklich demokratischen Verfassung zu leben. „Vor dem Gesetz sind Mann und Frau zwar gleich, aber nicht vor dem Islam“, nennt die Expertin ein Beispiel. Eine Frau dürfe demnach nur in Begleitung ihres Mannes vor Gericht gehen. Theoretisch habe sie zwar die Möglichkeit, gegen den prügelnden Ehemann vorzugehen, praktisch aber nicht.

„Vor der Wahl hat es keine Volkszählung gegeben und keine Ausweise“, sagt Schaaf. Wer hat da überhaupt und wie oft gewählt? Es gibt sogar ein offizielles Schulrecht. „Aber was nutzt das, wenn keine Schulen da sind“, fragt die 87-Jährige. Immer wieder würden Schulen aufgebaut, aber auch 200 innerhalb eines Jahres vernichtet.

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Sorgen bereiten Karola Schaaf auch die Angriffe auf Zivilisten. Die Koalitionstruppen würden auf ihren Beobachtungsflügen vermeintliche Taliban ausmachen. „Dann werden die Bilder ausgewertet, und dann wird bombardiert“, sagt Schaaf. „Wenn da wirklich Taliban waren, dann sind die zu diesem Zeitpunkt schon längst über alle Berge.“

Alleine in den vergangenen neun Monaten seien 5000 Zivilisten getötet worden. ai appelliere an die Truppen, alle nur möglichen Vorkehrungen zu treffen, um keine unschuldigen Zivilisten zu töten.


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