Tagung im Wasser-Info-Zentrum

Rurkonferenz: Ein Fluss, Dutzende Ansprüche
Von  [19.11.2007, 17.54 Uhr]

Zu einer Tagung kamen im Wasser-Info-Zentrum in Heimbach zur Europäischen Rurkonferenz zusammen Vom Hohen Venn in Belgien bis zur Mündung in die Maas im niederländischen Roermond fließt über 170 Kilometer die „Eifel"-Rur. Die Konferenz thematisiert alle wichtigen Nutzungen wie Arten- Biotop- und Naturschutz (Auenschutz), Trinkwassergewinnung, Abwasserreinigung und Hochwasserschutz, Tourismus, Naturerlebnis, Erholung und Wassersport sowie wirtschaftliche Regionalentwicklung.

„Die“ Rur gibt es eigentlich gar nicht, weil jeder etwas anderes in ihr sieht. Für Spazier-gänger und Radler ist sie ein munterer Begleiter längs des Weges, für den Angler ist sie Lebensraum seiner Beute, für Kanuten ist die Handbreit Wasser unterm Bootskörper wichtig, für Vogelfreunde ist sie Lebensraum von Enten, Bachstelzen und Wasseramseln, Industriebetriebe nutzen sie als Kraftquelle, Kühl- oder Produktionsmittel, der Trinkwasser-hersteller betrachtet ihr Wasser als lebenswichtigen Rohstoff, aus Sicht des Klärwerks ist sie ein aufnahmefähiges Ableitungssystem, wieder andere begreifen die Rurauen als Hochwasserschutzzone – kurzum: Die Rur ist ein Tausendsassa, der es jedem recht machen soll.

Dass das nicht gelingen kann, leuchtet ein. Da niemand den Fluss für sich allein gepachtet hat, müssen Kompromisse zwischen den verschiedensten Anforderungen gefunden werden, mit denen jeder leben kann. Voraussetzung dafür: Alle Interessengruppen – Rur-Nutzer wie Rur-Schützer – informieren sich gegenseitig über ihre eigenen Ansprüche und Vorhaben. Genau das war das Ziel der Europäischen Rurkonferenz, die jetzt in Heimbach und Düren stattfand.

Das Wasser-Info-Zentrum war zum Auftakt der Konferenz der geeignete Ort, um sich einen Überblick über die Rur samt ihrer Nebenflüsse und das Talsperrensystem der Nordeifel zu verschaffen. In Referaten wurde der Blick rückwärts gerichtet: „7500 Jahre Ackerbau und menschliche Eingriffe im Rureinzugsgebiet“ hieß es da ebenso wie „Wasserbau und Wassermühlen an der mittleren Rur“ oder „Mühlenteiche aus Sicht der Denkmalpflege“. Am Folgetag stellten die Interessenvertreter den über 100 Tagungsteilnehmern im Kreis-haus Düren ihre Wünsche in Kurzreferaten vor, was schließlich in „Rur-Futur“ mündete, einer Box mit Zetteln für (erreichbare) Träume.

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„Diese Kooperation ist kein Selbstzweck“, erläuterte Hans-Josef Düwel, Ministerialdirigent im Landesumweltministerium, im Pressegespräch, „wir wollen vielmehr eine abgestimmte Entwicklung des Raumes erreichen.“ Das gelte für die Rur genauso wie für die anderen Gewässersysteme des Landes, denn „die Flüsse sind das Rückgrat unseres Landes“. Diese ganzheitliche Betrachtungsweise sei ebenso neue wie die Beteiligung der Öffentlichkeit an der Planung. „Moderation statt Konfrontation lautet die Devise“, so Düwel.

An der Tagung, die von der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW, der Bezirksregierung Köln, den Kreisen Aachen, Düren und Heinsberg sowie dem Wasserverband Eifel-Rur ausgerichtet wurde, nahmen auch Vertreter aus Belgien und den Niederlanden teil, Anfangs- und Endpunkt der Rur. Mit rund 64 Kilometer legt sie einen großen Teil ihres Weges im Kreis Düren zurück. Und dort hat man bereits eine neue, ganz besondere Aufgabe für sie im Blick: Wenn der Tagebau Inden um das Jahr 2030 ausgekohlt ist, soll die Rur das riesige Loch mit ihrer Flut zum vielfältig nutzbaren Indeschen Meer gestalten.


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