Projekt des Blindenhilfswerks, der Werkstatt Oidtmann und Otmar Alt

Linnich: Augen öffnen für blindes Kunstverständnis
Von Dorothée Schenk [05.11.2007, 08.58 Uhr]

Freuen sich über ihre gelungene Arbeit: (v.l.) Lasse, Stefan, Jonas und Monique.

Freuen sich über ihre gelungene Arbeit: (v.l.) Lasse, Stefan, Jonas und Monique.

„Lasse ist dabei, weil er dafür sorgt, dass alle Schüler das Bild sehen können“, erklärt Monique und lässt ihre Finger über die blauen und roten Glasnoppen wandern. Spielerisch… wie es ab Frühjahr 2008 sicher viele ihrer Mitschüler der Sehbehindertenschule in Duisburg tun werden. Ein Glasbild zum Anschauen und Anfassen entsteht unter dem Arbeitstitel „Licht und Schatten“ in Zusammenarbeit des Deutschen Blindenhilfswerks, der Schüler Lasse, Monique, Stefan und Jonas mit der Werkstatt Oidtmann und Otmar Alt. Der Künstler hat eigens seinen Urlaub unterbrochen und ist zur Stippvisite nach Linnich geeilt.

Begeisternd ist, was die in unterschiedlichster Weise sehbehinderten Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren innerhalb von zwei Tagen in Linnich geleistet haben – eine Arbeit, die sie offenbar selbst überrascht und ungeheuer stolz macht. Denn ihr Gemeinschaftswerk wird ihre Schulzeit lange überdauern, auch wenn sie in zwei Jahren ihren Abschluss gemacht haben.

Mitgebracht haben sie, so berichtet Jonas, Folien, die sie nach Vorlagen von Otmar Alt gestaltet haben. Monique hat die Blume ausgesucht, Jonas den Vogel und Stefan die Sonne. Lasse zeichnet für die erhabenen Strukturen im Gemeinschaftswerk verantwortlich. Innerhalb von zehn Minuten, ist Monique von der professionellen Geschwindigkeit beeindruckt, seien die Motive auf die Kartons übertragen worden. Als die Gruppe mit Wolfgang Witkopp, der den NRW-Landesvater und Schirmherrn des Projektes Dr. Jürgen Rüttgers vertrat, vom Mittagessen kam, lagen die „Fakten“ schon auf dem Tisch. Sonderschichten, erklärt Dr. Stefan Oidtmann lachend, sind für dieses Projekt gefahren worden, denn „die Jugendlichen sollen ja auch ein Ergebnis sehen“.

Sehen – genau das. Diesen „Sinn“ zu trainieren, dazu soll das Projekt „Licht und Schatten“ dienen, wie Heribert Tigges als Partner vonseiten des Deutschen Blindenhilfswerkes erläutert. Dem Verband ist diese Art von Öffentlichkeitsarbeit wichtig, weil sie ein Augenmerk auf die Blindheit legt. Auch im übertragenen Sinne auf die Blindheit der Menschen gegenüber der Vorsorge gegenüber dem eigenen Sehen. Wie Tigges referiert, werden wieder mehr Kinder blind geboren. Wahrgenommen werden sie deshalb aber nicht, weil sie oft mehrfach behindert sind und in Einrichtungen für Behinderte leben. Auf der anderen Seite seien es vor allem Menschen über 65 Jahren, die erblinden. Gerade weil die Menschen immer älter würden, gehöre ein „Augenmerk auf das Sehen“.

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Dr. Stefan Oidtmann zeigt Stefan das Handwerk. Foto: Melanie Stegemann

Dr. Stefan Oidtmann zeigt Stefan das Handwerk. Foto: Melanie Stegemann

Die Firma Oidtmann unterstützt mit dem Verkauf von Glasscheiben aus ihrem Besitz die Arbeit des Deutschen Blindenhilfswerks. Er wird vonstatten gehen, wenn das Kunstprojekt am Mittwoch, 21. November, vorgestellt wird, wenn sich wieder einmal zeige dass Kunst das Sehen fördere. Auf diesem Wege war Heinrich Oidtmann vor rund fünf Jahren mit der Duisburger Schule in Berührung gekommen: Durch ein Kunstprojekt am Museum K21 in Düsseldorf. Zum Firmenjubiläum schien der richtige Zeitpunkt, auch in Linnich eine Zusammenarbeit zu starten.

Das Ergebnis ist ein farbenfroh leuchtendes Werk und strahlende Nachwuchs-Glaskünstler, die nicht nur stolz auf das eigene Schaffen sind, sondern auch auf die handwerkliche Arbeit, die sie leisten konnten. Stefan und Jonas waren begeistert vom Sandstrahlen. Monique musste ihre Selbstzweifel überwinden, ehe sie sich an die Arbeit machte. Lasses Blindheit gepaart mit der angeborenen Angst vor Feuer ließen ihn erst zögerlich dem Kunstglaser Volker Mockenkopf vertrauen und schließlich doch zum Lötkolben greifen. „Manches muss von den Profis fertiggemacht werden“, erklärt Monique, wissend um die eigenen Grenzen der Möglichkeiten. Das gilt für das Konturenzeichnen, dass dem eigenen Augenlicht nicht gewachsen ist und etwa den Bleiruten, die von den Oidtmann’schen Kunstglasern gelegt werden und schließlich den Blinden auch die Bilderflächen erfassbar machen werden.

Öffentlich präsentiert wird das Kunstwerk am Mittwoch, 21. November, im Deutschen Glasmalerei-Museum in Linnich ab 16 Uhr. Nach ersten Absprachen mit Jakob Waldhausen wird – die Zustimmung von Direktorin Myriam Wierschowski vorausgesetzt – die Arbeit bis zum Ausstellungsende „150 Jahre Glasmalerei Dr. H- Oidtmann“ im Februar 2008 zu sehen sein. Im Anschluss wird das 1,35 x 1,35 große Fenster in der Duisburger Schule eingebaut.


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