Forum zur Zukunft

Jahrhundertprojekt Indeland als Chance
Von Josef Kreutzer [14.11.2006, 09.46 Uhr]

Das Projekt Indeland im Aufwind (v.l.): Landrat Wolfgang Spelthahn sowie Wilfried Schul-ze (Eschweiler), Lothar Tertel (Aldenhoven), Heinz Stommel (Jülich) und Ulrich Schuster (Inden)  präsentieren den Ballon.

Das Projekt Indeland im Aufwind (v.l.): Landrat Wolfgang Spelthahn sowie Wilfried Schul-ze (Eschweiler), Lothar Tertel (Aldenhoven), Heinz Stommel (Jülich) und Ulrich Schuster (Inden) präsentieren den Ballon.

Es war purer Zufall, gewiss, doch irgendwie auch ein gutes Omen. Als Zwenkaus Bürger-meister Herbert Ehme beim "Forum Indeland" im Kreishaus am Ende seines Erfahrungs-berichts angelangt war, zog er Käpt’n Kurt hervor, einen kleinen Plüsch-Maulwurf, der sich aus gutem Grund zum Seefahrer hat umschulen lassen. Er ist das Maskottchen für ein Großprojekt im Süden Leipzigs. Dort entsteht derzeit aus einem 1999 stillgelegten Braun-kohletagebau ein 1000 Hektar großer, 50 Meter tiefer See, der 2012 vollendet sein wird.

Aus Aschenputtel wird also eine Prinzessin. Klar, dass die 120 Teilnehmer des Forums Indeland Ehmes Erfahrungsbericht gespannt lauschten, denn schließlich soll im Kreis Dü-ren mit dem Tagebau Inden das Gleiche geschehen, allerdings erst ab dem Jahr 2030. Bürgermeister Ehme überreichte Landrat Wolfgang Spelthahn schließlich das Maskott-chen aus dem Osten – und siehe da: Es passte wie maßgefertigt in die Gondel des Minia-turballons "Indeland", der zum Ende der Fachtagung Aufwind und damit gutes Gelingen des hiesigen Großprojektes symbolisierte.

Flutung statt Wiederverfüllung mit Erde - einen Tag lang informierten sich Multiplikatoren aus der Region beim Forum Indeland über diese Vision. Im Jahr 2060 soll der heutige Ta-gebau Inden ein über 1000 Hektar großer, 170 Meter tiefer See sein. Kein bloßer Restsee, sondern das Herzstück des kreisüberschreitenden Indelandes, in dem sich künftigen Ge-nerationen viele neue Chancen bieten – sowohl fürs Wohnen und die Freizeit wie auch für die Wirtschaft.

Und diese Zukunft hat schon begonnen. Die Entwicklungsgesellschaft Indeland ist bereits gegründet; ihr Geschäftsführer ist Kreis-Dezernent Hans-Martin Steins. Dem Zusammen-schluss gehören als Gesellschafter neben dem Kreis Düren die Tagebau-Anrainer Alden-hoven, Inden, Jülich und Eschweiler an. Linnich und Langerwehe haben bereits Beitritts-absichten bekundet. Als beratende Mitglieder werden der Tagebaubetreiber RWE und die Aachener Stiftung Kathy Beys im Aufsichtsrat der Gesellschaft vertreten sein. In der Stadt Düren, die mit Merken an den Tagebau grenzt, kann man sich für die Vision (noch) nicht begeistern. Doch die Tore sind offen, hieß es zum Abschluss der Tagung vor der Presse.

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"Die Uhr tickt, es ist fünf vor zwölf, die erste Etappe steht uns bevor", wies Landrat Wolf-gang Spelthahn auf den Indeland-Fahrplan hin: Im Rahmen des grenzüberschreitenden Regionen-Wettbewerbs EuRegionale 2008 werden in den Indeland-Kommunen bereits erste Projekte verwirklicht. 4,8 Millionen Euro stellt dafür allein das Land NRW zur Verfü-gung: So werden am – vergleichsweise kleinen - Eschweiler Blausteinsee mit der Se(e)hbühne und den Seeterrassen Elemente gebaut, die einen Vorgeschmack auf das Indesche Meer nebenan geben sollen. Im Bereich Jülicher Brückenkopfpark sind ein Zelt-platz, ein Garten der Sinne, ein Hochseilklettergarten und ein Wohnmobilstellplatz vorge-sehen, außerdem soll im Sog der EuRegionale in Jülich ein Schwimmleistungszentrum samt Jugendgästehaus entstehen. In Aldenhoven wird der Römerpark touristisch aufge-wertet, in der Kommune Inden selbst wird es mit dem Indemann ein weithin sichtbares Wahrzeichen für die Landschaftsumgestaltung geben. Der Indemann ist ein Ausflugsziel mit Restaurant und hohem Informationswert. Von der Aussichtsplattform des rund 50 Me-ter hohen Stahlbauwerks aus werden die Besucher ab 2008 in den Tagebau Inden hinab und in das Indeland hinein gucken. So können sie sich gedanklich mit der Zukunft ihrer Heimat auseinandersetzen. "Wichtig ist, dass Sie die Bürger in den Prozess einbeziehen, sie mitnehmen", riet auch Zwenkaus Bürgermeister Ehme. Er tut dies daheim sogar im Wortsinne: mit geführten Wanderungen durch den Tagebau, der seit 2003 als Freizeitpark dient.

Da der Zwenkauer See sehr viel flacher ist als das geplante Indesche Meer, entsteht die blühende Landschaft hier viel schneller. Doch selbst die langen Jahre, die der hiesige See zu seiner Vollendung benötigt, sind keine verlorenen Jahre. "Schon ab 2035 wird der See erkennbar sein", sprach Landrat Wolfgang Spelthahn von einer "nahtlosen Perspektive" für die Anrainer. Doch das ist Zukunftsmusik.

Damit es eines Tages tatsächlich "Wasser, marsch!" heißen kann, müssen Hausaufgaben erledigt werden. "Wir haben einen Ausgleich zwischen allen Interessensgruppen herge-stellt", berichtete Ehme aus eigener Erfahrung. Zudem müssten sich die Anrainerkommu-nen über ihre Ziele einig werden. Die Stadt Düren macht aus ihrer Indeland-Skepsis be-kanntlich keinen Hehl. Und auch bei der Kreislandwirtschaft gelte es noch, konstruktive Gespräche zu führen, berichtete Landrat Wolfgang Spelthahn. Andererseits hat das Forum Indeland eine ebenso klare wie breite Zustimmung zu dem Jahrhundertprojekt erkennen lassen: über kommunale und Parteigrenzen hinweg. Nicht zuletzt neue Arbeitsplätze sind ein gutes Argument. Kreis-Dezernent Hans-Martin Steins sprach hier von einer Größen-ordnung von weit über 1000 Stellen. "Jedenfalls deutlich mehr, als landwirtschaftliche Flä-chen sie je bieten könnten."

Am Ende des informativen Tages saß also Käpt’n Kurt im Indeland-Ballon, den Landrat Wolfgang Spelthahn, Jülichs Bürgermeister Heinz Stommel, Indens Bürgermeister Ulrich Schuster sowie Lothar Tertel (Aldenhoven) und Wilfried Schulze (Eschweiler) fürs Presse-foto präsentierten. Sie alle waren sich einig, dass das Indeland zu einer Marke aufsteigen wird, die weit über die Region hinausstrahlt. Mit einer gemeinsamen Strukturpolitik werde man den nachfolgenden Generationen einen deutlichen Mehrwert verschaffen. "Das ist eine Chance, die sich nur wenigen Regionen bietet und die wir unbedingt nutzen müssen", waren sich die Indeländer einig.


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