Sprudel teurer als Milch

186 Milchbauern stößt die Preispolitik sauer auf
Von Redaktion [31.03.2005, 18.21 Uhr]

Kritik übt der Vorsitzende der Dürener Kreisbauernschaft, Franz Josef Kügelgen, an der Preispolitik der Supermarktkette Real. Diese bietet einen Liter Vollmilch für 33 Cent an. „Ein Niedrigstpreis, der für uns unfassbar ist“, so Kügelgen. „Die Milchbauern bekommen zurzeit nur zwischen 26 und 30 Cent für den Liter Milch.“ Um alle Kosten zu decken, brauchen die Landwirte jedoch mindestens einen Preis zwischen 32 und 36 Cent je Liter. Jeder Liter Milch ab Hof müsse aber noch abgefüllt, verpackt und transportiert werden. Das alles sei einfach für 33 Cent nicht machbar.

Deshalb befürchten die Landwirte, dass die Preisschraube bei den Erzeugern angesetzt wird. „Dann geht es ums nackte Überleben der Milchbetriebe“, warnt Kügelgen. Ökosteuer, steigende Energiekosten und höhere Sozialstandards machen den Milchbauern seit langem zu schaffen und treiben die Produktionskosten in die Höhe. An Investitionen in neue Technik, modernen Stallbau oder Erweiterung der Produktion sei bei diesen Preisen nicht zu denken.

Im Kreis Düren gab es nach der letzten statistischen Erhebung im Jahre 2003 6676 Kühe in den Ställen von 186 Haltern. Nicht nur die Bauern und ihre Familien seien bedroht, vor allem auch zahlreiche Arbeitsplätze der vor- und nachgelagerten Bereiche in den ländlichen Regionen. Ein solcher Verzicht auf Wirtschaftskraft könne sich heute kein Kreis und keine Kommune leisten.

Der Milchpreis muss steigen
Bitter sei, dass für Mineralwasser mittlerweile mehr ausgegeben werde als für die mit viel Arbeit und Fürsorge erzeugte Milch, stellt der Kreisbauernvorsitzende fest und fragt sich, was ein so nachhaltig produziertes und qualitativ hochwertiges Lebensmittel wie die Milch eigentlich noch für einen Stellenwert habe. Molkereien und Lebensmittelhandel führen zurzeit harte Preisverhandlungen.

Die Ergebnisse dieser sogenannten Listungsgespräche bestimmen letztendlich den Milchpreis für die Bauern. „Wenn sich die wirtschaftliche Situation der Milchbauern nicht spürbar verbessert“, betont Kügelgen, „dann stehen die Existenzen von Tausenden Familienbetrieben auf dem Spiel.“

Milchwirtschaft unverzichtbar
Noch melken 9 640 Milchviehhalter in Nordrhein-Westfalen etwa 383 000 Milchkühe. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 5,6 Prozent weniger Halter und 3,7 Prozent weniger Tiere. Im Durchschnitt stehen etwa 40 Kühe in jedem NRW-Milchviehbetrieb. Bei anhaltend schlechten Preisen bahne sich ein gewaltiger Strukturwandel in den milchviehhaltenden Regionen an, befürchtet der Kreisbauernvorsitzende.

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