Heike Albrecht erhält höchste deutsche Auszeichnung

Silbernes Lorbeerblatt für Kreis-Sport-Botschafterin
Von Redaktion [04.01.2006, 16.53 Uhr]

Landrat Wolfgang Spelthahn gratulierte der 14-jährigen "Botschafterin des Sports des Kreises Düren" zu diesem außergewöhnlichen Erfolg. Im Bild rechts: Mutter Helga Albrecht.

Landrat Wolfgang Spelthahn gratulierte der 14-jährigen "Botschafterin des Sports des Kreises Düren" zu diesem außergewöhnlichen Erfolg. Im Bild rechts: Mutter Helga Albrecht.

Der Laie staunt: Dieses unscheinbare Schmuckstück soll die höchste Auszeichnung sein, mit der die Bundesrepublik Deutschland ihre erfolgreichsten Sportler ehrt? Länglich und kleiner als - Verzeihung - eine Büroklammer ist das Kleinod in der Schatulle. Und vor allem: Es ist nicht aus Gold. Doch ohne Zweifel: Was Heike Albrecht da in Händen hält, ist ein Silbernes Lorbeerblatt, und das wächst nur auf ganz, ganz wenigen Sportplätzen. Umso verblüffender ist es, dass die erst 14-jährige Tennisspielerin aus der Gemeinde Niederzier jetzt von Bundespräsident Horst Köhler mit dieser Auszeichnung bedacht wurde. In Berlin nahm die Anne-Frank-Gesamtschülerin die Ehrung aus den Händen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble entgegen. Verdient hat die seit ihrer Geburt taube Teenagerin sich ihr Silbernes Lorbeerblatt im Januar 2005. Bei den Paralympics im australischen Melbourne gewann sie an der Seite des 36-jährigen Ronald Krieg im Mixed-Wettbewerb die Silbermedaille.

"Schön, nicht wahr?", strahlte das großgewachsene Mädchen mit dem langen blonden Haar, als sie Landrat Wolfgang Spelthahn jetzt im Kreishaus ihr Schmuckstück präsentierte. Mit dem Kreis Düren ist Heike Albrecht eng verbunden. Nachdem die junge Selhausenerin 2005 auch bei den nationalen Titelkämpfen der Gehörlosen in Karlsruhe blenden aufgeschlagen hatte – sie gewann die DM-Titel im Damen-Einzel und Mixed -, wurde sie zur Botschafterin des Sports des Kreises Düren ernannt. Obwohl sie eigentlich gar nicht gern im Mittelpunkt steht: "Nein, in der Schule wissen die wenigsten, was ein Silbernes Lorbeerblatt ist", berichtet die Tennisspielerin. Dennoch sie hat es sehr genossen, mit ihrem Vater Karl-Heinz nach Berlin zu fliegen. Weil sie so gern reist.

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Seit ihrem fünften Lebensjahr spielt Heike Tennis, hat beim TC Inden von Trainer Werner Willerscheidt viel gelernt. "Wenn sie nicht gerade Hausaufgaben macht, trainiert sie", erzählt Mutter Helga. Mittlerweile besucht die Schülerin das Trainingsleistungszentrum der Profis Andreas Mauer und Marc-Kevin Goellner in Frechen. Talent und Trainingsfleiß will die Teenagerin künftig in noch mehr Reisekilometer ummünzen. 2006 lockt ein internationales Turnier in Nottingham ("Da gibt es ein schönes Preisgeld"), 2007 die EM in Bukarest, 2008 die WM in München ("Schade, zuerst hatte es Kanada geheißen"), und schließlich finden 2009 in Teipeh in Taiwan die Olympischen Spiele der Gehörlosen statt.

Ein junger Mensch mit diesen Zielen, träumt natürlich von einer Profikarriere. Doch trotz ihrer 14 Jahre ist Heike gescheit genug, sich nicht darauf zu versteifen. Abitur möchte sie machen, Physiotherapeutin oder Sportlehrerin an einer Gehörlosenschule werden. Sie selbst besucht seit dem dritten Schuljahr eine Regelklasse, obwohl sie auch mit Hörgeräten kaum Geräusche wahrnimmt. Sie liest von den Lippen ab, und es ist erstaunlich, wie perfekt sie das kann. "Ich leide nicht unter meiner Behinderung. Es macht mir nichts, denn ich kenne es ja nicht anders", sagt sie selbstbewusst.
Beim Tennis ist das dennoch ein Nachteil, weil beim komplexen System Mensch eben auch das Ohr im Spiel ist. "Man reagiert, wenn man hört, dass der Ball den Schläger des Gegners verlassen hat", hat sich Heike berichten lassen. Obwohl sie dieses Handicap hat, sind ihre tennisbegeisterten Eltern für sie auf dem Platz längst keine Gegner mehr. Sie sind ihre Förderer und unterstützen die Leidenschaft ihrer Tochter – und sei es als Trainingschauffeure. "Im Moment ist Heike unausstehlich", spricht Mutter Helga Klartext. Der Grund liegt nicht auf, sondern an der Hand: Seit drei Wochen ist sie verletzt. Kein Training, kein Spaß. Ob Lorbeerblätter dagegen helfen?


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