Arnold Müller schuf die wohl größte Laubsägearbeit der Welt

Ulmer Münster steht im Dürener Kreishaus
Von Redaktion [27.12.2005, 17.21 Uhr]

Der Meister und sein Werk: Arnold Müller (li.) baute dieses Modell des Ulmer Münsters in zehnjähriger Heimarbeit. Auf Einladung von Landrat Wolfgang Spelthahn (2.v.l.) ist das imposante Werk derzeit im Kreishaus zu besichtigen.

Der Meister und sein Werk: Arnold Müller (li.) baute dieses Modell des Ulmer Münsters in zehnjähriger Heimarbeit. Auf Einladung von Landrat Wolfgang Spelthahn (2.v.l.) ist das imposante Werk derzeit im Kreishaus zu besichtigen.

Arnold Müller ist ein Kandidat fürs Guinessbuch der Rekorde. In zehnjähriger Filigranarbeit entstand unter den Händen des 74-jährigen Rentners aus Pingsheim ein Modell des Ulmer Münsters im Maßstab 1:60. Mit unglaublicher Geduld sägte der Heimwerker Hunderte, ja Tausende Stück Furnierholz zurecht, um eine detailgenaue Kopie des Gotteshauses zu schaffen, das mit seinem 161,5 Meter hohen Kirchturm als das höchste der Welt gilt. Und weil die historischen Baumeister in über 500 Jahren Bauzeit zur Ehre Gottes nicht nur Klotzten, sondern auch sonst weder Kosten noch Mühen scheuten, geriet die Kirche zu einem mit Zierrat überreich geschmückten Bauwerk.

So war über Jahre Vollbeschäftigung in Müllers Werkstatt garantiert, zumal er jedes Bau-teil einzeln anfertigte. "Das ist mein Lebenswerk. Wenn ich das Werkzeug in der Hand ha-be, bin ich glücklich und zufrieden", gestand der Dombaumeister aus der Gemeinde Nör-venich, als er jetzt Landrat Wolfgang Spelthahn die wahrscheinlich größte Laubsägearbeit Welt präsentierte. Das reich verzierte Modell, dessen Turm über 2,30 Meter hoch ist, ist derzeit im Foyer im ersten Obergeschoss des Kreishauses zu sehen. "Das ist ein unglaub-liches Werk, das einfach öffentlich ausgestellt werden muss", zollte der Landrat dem ehe-maligen Eisenbahner und Busfahrer Respekt. Und fix hatte er die Baustunden Müllers ü-berschlagen: "In dem Projekt stecken ja mindestens 5500 Stunden Arbeit."

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Von Hause aus ist Arnold Müller Krippenbauer. In seinem Heimatort Pingsheim gehört er zum Kreise derer, die bereits achtmal eine Ausstellung mit Stall, Ochs und Esel präsentiert und den Erlös für soziale Zwecke gespendet haben. Von der ärmlichen Krippe bis zum imposanten Ulmer Münster – Arnold Müller widmet sich beidem mit gleicher Hingabe. Die Baupläne für den Dom stammen von einem kleinen Münchener Verlag, der sie um 1920 in geringer Auflage veröffentlichte. Als Arnold Müller die erste Vorlage und das erste Stück Holz in die Hand nahm, ahnte er nicht, worauf er sich eingelassen hatte. "Ich wurde immer ehrgeiziger. Ans Aufhören habe ich jedenfalls nie gedacht", erzählte er jetzt von täglich rund vier Stunden an der Werkbank. "Ja, Arnold ist ein ruhiger Vertreter, gemütlich wie alle Pingsheimer", berichteten Christian Müller und Ortsvorsteher Theo Franken, die dem Baumeister halfen, das zerlegbare Modell im Kreishaus aufzubauen.

Vor lauter Sägen, Feilen und Leimen hat der rekordverdächtige Heimwerker das steinerne Original noch nicht gesehen. "Ich war noch nie in Ulm", räumte er bei der Vorstellung sei-ner Arbeit ein. Eine spontane Idee von Landrat Wolfgang Spelthahn könnte das ändern: "Ich werde den Ulmer Oberbürgermeister fragen, ob es möglich ist, das Modell im Schat-ten des Münsters auszustellen." Bei dieser Ausstellungseröffnung dürfte der Baumeister dann ja wohl kaum fehlen.


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