Cobra 11 fährt auf die Strecke ab

Erster Drehtag auf der Filmautobahn bei Siersdorf
Von Redaktion [03.12.2005, 09.45 Uhr]

(v.l.): ACI-Geschäftsführer Dr. Hans-Achim Ahn, Stuntman und Action-Concept-Geschäftsführer Hermann Joha und Landrat Wolfgang Spelthahn.

(v.l.): ACI-Geschäftsführer Dr. Hans-Achim Ahn, Stuntman und Action-Concept-Geschäftsführer Hermann Joha und Landrat Wolfgang Spelthahn.

In Folge 152 der Vorabend-Actionserie von RTL ("Tödliche Bewährung") explodiert gleich zu Beginn ein Tankwagen auf der Autobahn, als die Kommissare Tom Kranich und Semir Gerkan ein Taxi verfolgen. Eine Feuerwalze fegt über den frischen Asphalt, frisst Maschinen und Menschen. Die 80-köpfige Filmcrew von Stuntman Hermann Joha ist an diesem ersten Drehtag auf dem ehemaligen Zechengelände Emil Mayrisch gleich mit zwölf Kameras im Einsatz, um das flammende Inferno aus allen erdenklichen Perspektiven für ein bildhungriges Action-Publikum zu konservieren.

Es ist Mittwoch, der 30. November 2005. Ein denkwürdiger Tag für den Kreis Düren, denn es wird auf dem seit 1992 brachliegenden Zechengelände weit mehr gezündet als jene 40 Liter Benzin aus der Cobra-Eingangssequenz. Es fiel der Startschuss für die Wiedernutzung der insgesamt 270 Hektar großen Brache an der Grenze der Kreise Düren und Aachen. "Wir haben bewiesen, dass man mit Kreativität und Beharrlichkeit selbst in der heutigen Zeit Projekte ohne öffentliche Fördermittel entwickeln kann", freuten sich Landrat Wolfgang Spelthahn und GWS-Wirtschaftsförderer Dr. Hans-Achim Ahn über den Erfolg ihrer Initiative, die anfangs von manchem belächelt worden war.

Doch die Linsen des Filmteams nehmen sich fast bescheiden gegen das aus, was die akkreditierten Medienteams aufgefahren haben. Wenn die Einweihung von "Europas größter Filmkulisse für High-Speed-Autobahnszenen" ansteht, scheint es nur standesgemäß, dass geschätzte zwei Dutzend Objektive auf spektakuläres Futter brennen. Doch Geduld ist auf der von Buden und Zelten gesäumten Zufahrt zum Set die erste Pflicht. So rasant der spätere Film sein wird, so aufwändig und zeitintensiv sind die Dreharbeiten. Während Stuntmen und Komparsen in Polizeiuniform sich die Finger an Kaffeebechern wärmen, vertreiben sich die Fotografen die lange Wartezeit bis zur ersehnten ersten Klappe, und sei es, dass sie den startenden Helikopter filmen, in dem sich einige ihrer Kollegen einen Überblick über die vierspurige Asphaltschleife verschaffen.

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Die Helden von „Cobra 11" sind beigeistert.Cobra 11 fährt auf die Strecke ab

Die Helden von „Cobra 11" sind beigeistert.Cobra 11 fährt auf die Strecke ab

"Super, wir sind völlig begeistert. Endlich nicht mehr dieses Affentheater auf den abgesperrten Autobahnen. Hier können wir für ein paar Mark Miete nach Herzenslust drehen", jubilierte Hermann Joha, Stuntman, Gründer und Geschäftsführer von Action Concept. Der Mann sprudelte am Premieretag aber nicht nur vor Begeisterung wegen der paradiesischen Produktionsbedingungen ("Ich weiß, dass es in Australien noch eine Filmautobahn gibt"), sondern auch vor Filmideen. "Bis jetzt gibt es noch keine Sitcom oder Telenovela, die auf einer Autobahn spielt." Dabei gilt für Joha: Geteiltes Glück ist doppeltes Glück. So kündigte der filmschaffende Geschäftsmann eine europaweite PR-Kampagne an, um die einzigartige Infrastruktur auf der Zechenbrache in Aldenhoven auszulasten und zusätzliche Einnahmen zu generieren. Joha: "In der Filmbranche weiß man zwar nie genau, was morgen sein wird, doch ich bin überzeugt, dass hier noch viel gedreht wird. Das "Großstadtrevier" gibt es ja auch schon seit 20 Jahren."

Längst haben die beiden schon die zweite Entwicklungsstufe zündbereit in der Schublade liegen und warten nur auf besseres Wetter. Anfang Februar 2006 soll der Spatenstich für das Nass- und Trockentestzentrum gleich nebenan erfolgen. Dann lassen nicht nur die Stuntmen die Reifen quietschen, sondern auch die Testpiloten der internationalen Autoindustrie, die dort Fahrwerkskomponenten erproben. Die Siersdorfer sollen davon wenig mitbekommen, denn ein 1,2 Kilometer langer Lärmschutz, bestehend aus Mauer und Wall, wird das Testzentrum vom Ort abschotten. Als drittes Element zur Entwicklung der Brache hat Landrat Wolfgang Spelthahn bereits die Abraumhalde ins Visier genommen. Auf ihr könnten die Entwickler von geländegängigen Fahrzeugen ihre Konstruktionen bis zur Serienreife führen. Die Filmautobahn und das Autotestzentrum (ATZ) sind Projekte der ACI GmbH (Automotive Center for Industry), die Tochter der Beteiligungsgesellschaft des Kreises Düren und der Gemeinde Aldenhoven ist. Die ACI hat die Filmautobahn von den einheimischen Baugesellschaften Wurzel und Schlun bauen lassen und vermietet sie an die FTL GmbH (Film + Test Location), eine Tochter der Hürther Filmproduktionsgesellschaft Action Concept. ACI-Geschäftsführer ist Dr. Hans-Achim Ahn.


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