LVR-Klinik Düren bildet Ehrenamtler aus

Düren: Den Umgang mit Demenz lernen
Von Britta Sylvester [09.04.2017, 13.51 Uhr]

„Wo bin ich? Die werden mich wegschicken ... Ich muss doch nach Hause.“ Verwirrt stolpert die alte Dame durch den langen Flur eines Pflegeheims, immer begleitet von der Kamera. Es ist ein beklemmender Film, der über den Monitor des kleinen Laptops flimmert. Er ist Teil der Ausbildung zum ehrenamtlichen Besuchstdienst in den LVR-Klinik Düren.

Das bunte Tuch mit dem Psychologiebuch und den Matroschka-Puppen dient als sogenannte „Mitte“ zur Anknüp- fung an das Thema des jeweiligen Treffens.

Das bunte Tuch mit dem Psychologiebuch und den Matroschka-Puppen dient als sogenannte „Mitte“ zur Anknüp- fung an das Thema des jeweiligen Treffens.

Die vier Umsitzenden verfolgen das Ge- schehen aufmerksam – denn genau deswegen sind sie hier: „Der Tag, der in der Handtasche verschwand“ ist ein 45-minütiger Dokumentarfilm, der einen kleinen Einblick in das Erleben und den Alltag von Demenzkranken ermöglichen will.
„Wir wollten einen Eindruck von einer inneren Welt vermitteln“, erläutert Pastoralreferentin Nicoline van den Bos-Nicolai die Filmauswahl. Gemeinsam mit Pfarre- rin Ulrike Grab schult die katholische Klinikseelsorgerin künftige ehrenamtliche Mitarbeiter des Besuchsdienstes an der LVR-Klinik in Düren. Seit Januar 2006 gibt es den Besuchsdienst, der von evangelischer und katholischer Klinikseelsorge gemeinsam organisiert wird, bereits.

Zur Zeit bereitet sich die siebte Gruppe mit einer Reihe von Schulungen intensiv auf ihre Aufgabe vor. Klein ist diese siebte Ausbildungsgruppe, sie besteht aus genau zwei Teilnehmern: Harald Wiese und Helga Höhlein. Fünf Termine pro Ausbildung sind vorgesehen, „aber wir sind da flexibel“, meint Pfarrerin Grab und erklärt, dass je nach Bedarf auch Termine ergänzt werden können. Zu jedem Termin gibt es ein spezielles Thema, an diesem Donnerstagabend heißt es „Demenz“. Ein Thema, um das die ehrenamtlichen Besucher der beiden gerontopsychiatrischen Stationen der Rheinischen Landesklinik nicht herum kommen.

Doch wie geht man mit Demenzkranken richtig um, wie unterhält man sich mit ihnen, was bekommen sie noch mit? Viele Fragen, viele mögliche Antworten. Im Anschluss an die erste kur- ze Filmsequenz entspinnt sich denn auch ein intensiver Austausch über das Gesehe- ne. Und das ist ganz im Sinne der beiden Schulungsleiterinnen.

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Gespräche sind essenzieller Bestandteil der Treffen. Aufmerksam verfolgt Nicoline van den Bos-Nicolai, was Harald Wiese auf dem Herzen liegt.

Gespräche sind essenzieller Bestandteil der Treffen. Aufmerksam verfolgt Nicoline van den Bos-Nicolai, was Harald Wiese auf dem Herzen liegt.

Gespräche sind essenzieller Bestandteil jedes einzelnen Termins. Am Anfang eines solchen Abends steht eine kurze „Befindlichkeitsrunde“, bevor das aktuelle Thema vorgestellt und schließlich auf unterschiedliche Weise – zum Beispiel eben per Filmbetrachtung – bearbeitet wird.

Zum Abschluss der zwei- bis vierstündigen Seminare bietet das sogenannte „Blitzlicht“ Teilnehmern und Schulenden die Möglichkeit, ein ganz persönliches Resümee zu ziehen. Eine anspruchsvolle Aufgabe ist es, auf die sich Harald Wiese und Helga Höhlein in dieser Schulung vorbereiten. Eine Aufgabe auch, die mit viel Arbeit und Verantwor- tung verbunden ist.

Warum tun sie das in ihrer Freizeit? „Ich wollte etwas Sinnvolles tun“, und: „Das Thema hat mich schon immer interessiert.“ – Die Antworten beider Teilnehmer ähneln sich sehr. Und auch der berufliche Hintergrund ist ein verwandter: Während Harald Wiese als Krankenpfleger arbeitet, steckt Helga Höhlein gerade mitten in der Ausbildung zur Heilpraktikerin. Damit sind die beiden „Neuen“ eher ungewöhnliche Besuchsdienstler. „Die meisten ehrenamtlichen Mitarbeiter sind schon im Ruhe- stand“, berichtet Pfarrerin Grab.

Noch drei Seminare liegen vor Helga Höhlein und Harald Wiese, bevor sie die aktive Mitarbeit starten dürfen. So steht noch ein Termin mit einer Fachärztin für Psychiatrie auf dem Programm, an dem auch die Mitglieder der übrigen sechs Be- suchsdienstgruppen teilnehmen werden.


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