Andernacher Rekord-Geysir lässt Begeisterung übersprudeln

2000 Besucher aus dem Kreis Düren
Von Josef Kreutzer [06.07.2016, 09.40 Uhr]

Auf Mutter Natur ist Verlass: Als alle Kameras schussbereit sind, kündigt ein Rauschen das Naturspektakel an, das es bis ins Guinessbuch der Rekorde geschafft hat. Regen, der vor Jahrzehnten auf die Vulkaneifel gefallen ist, schießt vor den Toren Andernachs fauchend aus dem Gestein ins Freie. Eine Fontäne bäumt sich auf, Köpfe fliegen in den Nacken.

Der noch relativ junge Kaltwasser-Geysir bei Andernach funktioniert nach dem Sprudelflaschen-Prinzip.

Der noch relativ junge Kaltwasser-Geysir bei Andernach funktioniert nach dem Sprudelflaschen-Prinzip.

Das ist er also, der größte Kaltwasser-Geysir der Welt, der wie eine geschüttelte Sprudelflasche funktioniert. Nervöses CO2 treibt das mineralhaltige Wasser bis zu 60 Meter gen Himmel, kurz, aber heftig. Und das etwa alle zwei Stunden.

Das versetzt die Touristiker des 30.000 Einwohner zählenden Römerstädtchen am Rhein in die angenehme Lage, ihre MS Namedy fahrplanmäßig zwischen der Stadt und dem nahegelegenen Naturschutzgebiet Namedyer Werth pendeln zu lassen. Im neuen Infozentrum gibt es dann reichlich Erläuterungen zum von Menschen gemachten Geysir-Phänomen. Die nutzen das unterirdische Kohlendioxyd schon seit 1902 zur Sprudelproduktion und freuen sich nun über den 2009 fertig gestellten neuen Geysir, der die Gäste fasziniert.

Unter ihnen waren Anfang Juli auch 2.000 Besucher von der Rur. An zwei Tagen hatte ein Sonderzug der Rurtalbahn je 1.000 Ausflügler im Rahmen der 13. Kreis Düren-Tage nach Andernach gebracht. Für die von Landrat Wolfgang Spelthahn initiierten Fahrten hatte es in diesem Jahr über 8.500 Kartenwünsche gegeben.

Losglück hatte auch eine siebenköpfige Frauengruppe. "Heute bleiben in Frangenheim die Küchen kalt", scherzte Monika Esser mit Blick auf den 300 Seelenort und stieß mit ihren Begleiterinnen auf den schönen Tag an.

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Andernach, die essbare Stadt: Vielerorts wachsen Obst und Gemüse. Pflücken und genießen sind ausdrücklich erlaubt.

Andernach, die essbare Stadt: Vielerorts wachsen Obst und Gemüse. Pflücken und genießen sind ausdrücklich erlaubt.

Am Ziel angekommen, brach die Rurtalbahn wie stets alle Rekorde: 1.000 gutgelaunte Besucher auf einen Schlag, das hat auch Andernach in über 2.000 Jahren noch nicht erlebt. Wer sich für sprudelndes Kaltwasser nicht erwärmen konnte, schloss sich den Stadtführern an, setzte sich in einen der Reisebusse Richtung Kloster Maria Laach oder erkundete die Stadt eigenständig.

"Die Wahlangebote haben die riesige Gruppe sehr gut aufgelöst", urteilte Helmut Jansen mit Kennerblick. Der 75-jährige Dürener hat als Reiseverkehrskaufmann die Welt gesehen und freute sich nun über den entspannten Tagesausflug in das Städtchen mit viel historischer Bausubstanz und Flair. "Es war alles perfekt organisiert. Toll, dass die Azubis des Kreises Düren sich dabei so aufmerksam einbringen", resümierte der Fachmann während der Rückfahrt.

Andernach ist eine "essbare Stadt". An vielen Stellen gibt es Beete mit Obst und Gemüse. Wer will, kann sich an Bohnen, Kohl, Möhren, Äpfeln, Kirschen und vielem mehr bedienen. Pflücken und genießen sind ausdrücklich erwünscht - ein innovativer Beitrag zur Stadtgestaltung und gesunden Ernährung. Teils haben Kinder die Patenschaft für Beete übernommen und wachsen so mit diesem lebenswichtigen Thema auf.

Gleichwohl setzten viele der 2.000 Gäste aus dem Kreis Düren auf die örtliche Gastronomie und betätigten sich als Wirtschaftsförderer. Harald Latz aus Langerwehe hatte Geburtstag und feierte mit Freunden. Zweites Frühstück, Mittagessen und Eisbecher am Nachmittag - solche Gäste sind gern gesehen. "Es war ein wunderbarer Tag." Und der Geysir sorgte für den Tusch: "Ein tolles Erlebnis!"


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