Tag der Archäologie

Titz: Von Funden und Fahrten zur Ausgrabung
Von Redaktion [01.07.2016, 15.10 Uhr]

Fahrten zu laufenden Ausgrabungen im Tagebaugebiet bietet der Tag der Archäologie in der Außenstelle des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland in Titz-Höllen am Samstag, 2. Juli. Zur Grabung an einer Kapelle und einer mittelalterlichen Siedlung geht es zwischen 10 und 18 Uhr. Weitere Highlights sind die Öffnung einer 2800 Jahre alten Urne sowie die Präsentation eines römischen Steinbrunnens mit den Zeugnissen eines Germanenüberfalls. Auf dem Gelände an der Ehrenstraße 14-16 in Titz werden außerdem aktuelle Funde und Forschungen präsentiert, Vorführungen und Mitmachaktionen geboten.

Die diesjährigen Busfahrten führen zu zwei mittelalterlichen Plätzen unmittelbar an der Abbaukante eines Tagebaus, die im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Bonn ausgegraben werden. Zuerst ist die Grabung bei der einstigen Kapelle Vilvenich in Inden-Pier zu sehen. Danach wird die Ausgrabung an einer hochmittelalterlichen Siedlung präsentiert, die überraschend entdeckt wurde. Im Zentrum des Platzes stand ein massiver Wehrturm aus sorgfältig bearbeiteten Steinen, der von bis zu drei Meter tiefen Gräben umschlossen ist.

Die kostenlosen Busfahrten zur Ausgrabung finden zwischen 10 und 16 Uhr statt. Die Plätze für die Fahrten sind begrenzt. Speziell bei schlechter Wetterlage kann sich der Zugang als beschwerlich erweisen. Wettergerechte Kleidung und feste Schuhe sind erforderlich.

Auf dem Gelände der Außenstelle in Titz-Höllen wird ein bislang einzigartiges Fundstück aus einer Grabung in Inden-Pommenich gezeigt Es handelt sich um einen sogenannten Dreiwirbelanhänger. Er war Teil eines keltischen Pferdegeschirrs aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Ein technikgeschichtliches Highlight der Grabung bei Pommenich sind mutmaßliche Reste einer antiken Wassermühle, die zu den ältesten Anlagen ihrer Art zählen.

Besondere Spannung verspricht die Öffnung einer etwa 2800 Jahre alten Urne, die in einem Gräberfeld vom Übergang der Bronze- zur Eisenzeit im Block geborgen werden konnte. Die Besucherinnen und Besucher haben die seltene Gelegenheit, einer Restauratorin des LVR-LandesMuseums Bonn dabei zuzusehen, wie sie den Inhalt der Urne mit größter Vorsicht freipräpariert. Neben dem Leichenbrand werden Bronzebeigaben erwartet.

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Die neueste Entdeckung im Braunkohlenrevier ist ein römischer Steinbrunnen, der 20 Meter tief war. Sein unterer Teil ist mit einer Höhe von sechs Metern gut erhalten. Er wird für die Veranstaltung auf dem Gelände der Außenstelle als Viertelkreis wieder errichtet. Ausgestellt ist auch die darin entdeckte, 60 Zentimeter große Jupiterfigur. Offenbar hatten Feinde die religiöse Figur enthauptet und in den Brunnen geworfen. Der Befund im Gebiet der Stadt Elsdorf deutet auf dramatische Stunden am Ende des römischen Landgutes hin.

Eine weitere Attraktion der Ausstellung ist die Rekonstruktion mehrerer Fluchtkammern, die an einem römerzeitlichen Brunnen bei Erkelenz-Borschemich (Kreis Heinsberg) entdeckt wurden. In einem der fünf Brunnen eines großen römischen Landgutes entdeckte das Grabungsteam in 3,5 Meter Tiefe neben dem senkrechten Schacht einen aus mehreren Kammern bestehenden waagerechten Stollen. Vermutlich hatten die Gutbesitzer die Kammern als Zufluchtsort für unruhige Zeiten angelegt.

Die im Rheinland einzigartige eisenzeitliche Hofanlage mit den mit Stroh gedeckten Häusern im Freigelände der der Hofanlage in Titz wird durch zahlreiche Vorführungen für Groß und Klein belebt. Demonstriert werden unter anderem die Textilherstellung mit Handspindel und Gewichtswebstuhl, die Zubereitung von Speisen, die Mehlherstellung mit keltischen Mahlsteinen und die Funktionsweise eines Lehmkuppelofens. An vielen Ständen dürfen Kinder und Erwachsene ihr Geschick in alten Techniken ausprobieren.

Der Tag der Archäologie findet zum 23. Mal in der Außenstelle Titz des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland statt. Mitveranstalter ist die Stiftung zur Förderung der Archäologie im rheinischen Braunkohlenrevier, die das Programm maßgeblich finanziell unterstützt.

Weitere Informationen, auch mit Anfahrtshinweisen:
www.archaeologie-stiftung.de
www.bodendenkmalpflege.lvr.de


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