Eröffnung des Columbariums

Düren: Friedhof auch als Ort des Lebens
Von Arne Schenk [10.04.2016, 08.59 Uhr]

Friedhöfe sind Orte nicht nur des Todes, sondern auch des Lebens. Auf diesen Konsens konnten sich alle Beteiligten einigen, als jetzt das neue Columbarium samt Trauerhalle auf dem evangelischen Friedhof in Düren eröffnet wurde.

Pfarrer Dirk Siedler erläutert die Bestattung im Columbarium

Pfarrer Dirk Siedler erläutert die Bestattung im Columbarium

Er sage von einem Gestorbenen nicht, „er war“, sondern „er ist gewesen“, unterstrich Pfarrer Ernst-Joachim Stinkes von der katholischen Gemeinde St. Lukas. Damit seien die Toten „weiter mit uns und um uns herum“. Erfahrung in Sachen Columbarium hat der Pastor bereits mit St. Cyriakus, die zur Grabeskirche umgestaltet wurde, in Düren-Niederau erhalten. Für ihn sei es ein „Ort der Verkündigung und des Lebens“.

Der Friedhof stehe allen Menschen offen, auch unabhängig von jeglicher Konfession, betonte Pfarrerin Vera Schellberg als Vorsitzende des Presbyteriums der evangelischen Kirche. 30 Firmen mit nahezu 100 Bauleuten seien an dem Projekt beteiligt, erläuterte indes Architekt Wolfgang Zelck. Sein Plan sei es gewesen, ein Bauwerk zu errichten, an dem niemand einfach vorbei ginge. Zudem sei es zu den vorgesehenen Kosten fertig gestellt worden. 770.000 Euro sind in den Bau eingeflossen, davon stammen 170.000 Euro aus Spenden von 750 Einzelpersonen und zwei Stiftungen.

Die kleinen Nischen nebeneinander, in denen die Urnen untergebracht werden, seien wie in einem Taubenschlag, bemerkte Dürens Bürgermeister Paul Larue, als er auf den Ursprung des Namens vom lateinischen Wort „columba“ für Taube hinwies. Ihn erinnere es an das Bild der Taube aus der Noah-Geschichte, die mit einem Ölzweig im Schnabel zur Arche zurückflog. Damit stehe sie als Zeichen für Hoffnung und neues Leben.

Friedhöfe erzählten die Geschichte einer Gemeinde, eben durch die Menschen, die vor uns gelebt haben, erklärte Jens Sannig, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Jülich, zu dem auch Düren gehört. Zudem sei er über die Eröffnung sehr erfreut, denn häufiger würde er gerufen, wenn Gebäude geschlossen oder übereignet werden. „Ich mag Friedhöfe“, hatte bereits vorher im Gottesdienst Ute Hofmann, stellvertretenden Presbyteriumsvorsitzende, erklärt. Wenn sie über „ihren“ Friedhof ginge, sähe sie vor ihrem „inneren Auge Lebensgeschichten, bunt wie in einem großen Film“.

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Ein "Hingucker": Die Architektur des Columbariums und der benachbarten Emmaus-Kapelle.

Ein "Hingucker": Die Architektur des Columbariums und der benachbarten Emmaus-Kapelle.

Der Tod gehöre nicht nur zum Leben, sondern auch die Toten auf immer zu uns, und wir gehörten zu ihnen, daher gehörten sie und somit auch der Friedhof inmitten der lebenden Stadt, bekräftigte Larue. Sich dies bewusst zu machen, helfe zu mehr Verantwortung. Er sei dankbar gegenüber diejenigen, die vor uns gelebt haben und nun hier liegen, die sich dafür engagiert haben, dass das zerstörte Düren wieder aufgebaut wurde.

Der Zeitpunkt zum Eröffnungsgottesdienst für das Columbarium und die Trauerhalle war mit dem Sonntag nach Ostern bewusst gewählt, schließlich erhielt letztere auch den Namen „Emmaus-Kapelle“. Sie bezieht sich auf den Bibeltext in Lukas 24, 13-35, als einige der Jünger auf dem Weg nach Emmaus dem auferstandenen Jesus begegnen und ihn erst erkennen, nachdem er mit ihnen abends das Brot bricht.

Die Gemeinschaft mit Christus – „dem zunächst Fremden“ – tue gut, erzählte Pfarrer Dr. Dirk Siedler in seiner Predigt. Durch die Gespräche, Erinnerungen und das Teilen des Brotes schöpften sie neue Kraft und Stärke. „Sie überwinden ihre Müdigkeit, entwickeln Pläne und können in ihren Alltag zurückkehren.“

Das Bauwerk selbst sei reduziert auf das Wesentliche. Die Klarheit und Schlichtheit der Konstruktion soll Raum lassen für die Gefühle und Trauer, aber auch für die Lebenskräfte und Gottes Lebensgeist. „Damit wir das Vergangene mit dem Zukünftigen verbinden können, das Alleinsein mit der Gemeinschaft.“

Prozession nicht alltäglich in der protestantischen Gemeinde, erkannten durchaus die Gemeinschaft stiftende Komponente, auch die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen.


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