Düren: Mendelsohn`s Oma sei Dank
Von Redaktion [13.03.2016, 08.37 Uhr]

Was wäre wohl aus der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach geworden, hätte nicht seine Großmutter Bella Salomon dem vierzehnjährigen Felix Mendelssohn Bartholdy zu Weihnachten 1823 eine Abschrift der „großen Passion nach dem Evangelisten Matthäus“ geschenkt? Aufgeführt wird das große Werk von der Cappella Villa Duria am Passionssonntag, 20. März, an 18 Uhr in der Dürener Marienkirche.

Der junge Felix hatte einzelne Teile aus den Passionen durch seine Mitgliedschaft in der Berliner Singakademie Karl Friedrich Zelters kennengelernt und konnte nun endlich Bachs Meisterwerk studieren. Bei ihm und seinem Freund Eduard Devrient festigte sich immer mehr der Wunsch, die Matthäus-Passion aufzuführen. Doch wie das bewerkstelligen?

Dazu in einem Brief von Fanny Mendelssohn: “Felix und Devrient sprachen schon lange von der Möglichkeit einer Aufführung, aber der Plan hatte nicht Form und Gestalt, an einem Abend bei uns gewann er Beides und am Tag darauf wanderten die Zwei in neugekauften gelben Handschuhen (worauf sie viel Gewicht legten) zu den Vorstehern der Akademie. Sie traten leise auf und fragten bescheidentlich, ob man ihnen zu einem wohltätigen Zweck wohl den Saal überlassen würde.“

Zelter hatte viele Einwände gegenüber den Argumenten der beiden blutjungen Musiker, gab aber letztlich nach. Und so kam es, dass 100 Jahr nach ihrer Entstehung und fast vollständiger Vergessenheit Felix Mendelssohn Bartholdy, der vom Judentum zum Protestantismus konvertiert war, der Menschheit dieses zentrale Werk europäischer Musikgeschichte zurückbrachte. „Eines wird man mir nicht vergessen: Dass ich als Judenjunge den Christen ihre größte christliche Musik wiedergebracht habe.“

Die Wiederaufführung am 11. März 1829 in der Singakademie wurde zu einem unglaublichen Erfolg, sodass zwei weitere Aufführungen folgten, eine davon am 21. März, an Bachs Geburtstag!

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Dieser Erfolg des Dramas um den Kreuzigungstod Jesu hält bis heute an. Keine Passionszeit, in der nicht in vielen Städten der ganzen Welt Bachs Meisterwerk aufgeführt wird.

In diesem Jahr werden Solisten, Chor und Orchester der Cappella Villa Duria Cappella nach mehreren Jahren Pause am Sonntag, den 20. März 2016 um 18 Uhr in der Marienkirche die große Passion wieder aufführen.

Mit unglaublicher Dramatik, die einer Verdi-Oper nicht nachsteht, setzte Bach die Texte des Matthäusevangeliums um, die den Prozess, die Verurteilung und Hinrichtung Jesu schildern. Mit unvergleichlicher musikalischer Sprache charakterisiert er die Personen der Handlung, so, wie das Evangelium sie beschreibt. Jesus, der überlegene Lehrer und Meister, Petrus, der felsenfest behauptet, nicht von der Seite des Meisters zu weichen und dann ganz schnell einknickt, Judas, eine tragische Gestalt, der seinen Verrat bald bereut, die Gruppe der Hohenpriester und Ältesten, die Jesus los werden wollen und das übrige Volk dazu bringen, die Hetzjagd mitzumachen, Pilatus, der eher schwache Landpfleger, der sich die Hände nicht schmutzig machen will, aber nicht das nötige Machtwort spricht, den Lauf der Dinge anzuhalten, die Kriegsknechte, die den Hinrichtungsbefehl ausführen und sich offensichtlich darin gefallen, den zum Tode Verurteilten zu foltern, der eher an der Sachen unbeteiligte Soldat, der letztendlich spürt, dass da etwas falsch gelaufen ist…

Die Arien und Choräle kommentieren dieses dramatische Geschehen, relativieren, beruhigen, geben Ausblicke und bilden einen deutlichen Gegensatz insbesondere zu den wütenden und hasserfüllten Chören derer, die Jesus verurteilen und schließlich durch die römische Verwaltung mit Pilatus an der Spitze kreuzigen lassen. Diesen konservativen Vertretern der „Amtskirche“, Pharisäern, Schriftgelehrten und Hohenpriestern, war ein Revolutionär wie Jesus, der Liebe, Toleranz und Vergebung predigte, ein Dorn im Auge und sie sahen durch ihn ihre Macht bedroht.

Man weiß ja nicht genau, was sich im Jahre 33 n.Chr. in Jerusalem tatsächlich abspielte. Die interpretatorische Geschichtsschreibung in Form der Evangelien entstand erst später, das Matthäusevangelium erst etwa 80 n.Chr., zehn Jahre, nachdem das Zentrum jüdischen Glaubens, die Stadt Jerusalem, durch Titus zerstört worden war und danach auch innerhalb des Judentums unterschiedliche Glaubensrichtungen entstanden, von denen eine das Christentum war.

Karten zu 22,- / 20,- /18,- Euro (ermäßigt 11,- / 10,- / 9,- Euro) sind erhältlich an der Theaterkasse, im Bürgerbüro und an der Abendkasse.


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