Landrat machten den „schnellsten“ Schnitt

Filmautobahn bei Siersdorf eingeweiht
Von Redaktion [11.11.2005, 14.29 Uhr]

Als Gemeinschaftsprojekt haben sie die Filmautobahn auf den Weg gebracht.

Als Gemeinschaftsprojekt haben sie die Filmautobahn auf den Weg gebracht.

Die Szene erinnerte an die legendären autofreien Sonntage in den frühen 70er Jahren: herrlich glatter Autobahnasphalt, so weit man gucken kann, vier Spuren gähnend leer, kein einziges Auto weit und breit. Eine einzigartige Gelegenheit, endlich einmal Vollgas zu geben. Doch in diesen Genuss werden nur ausgebuffte Profis kommen, denn was wie eine Autobahn aussieht, ist in Wirklichkeit Filmstaffage. Mit ihrem Scherenschnitt gaben Landrat Wolfgang Spelthahn und FTL-Geschäftsführer Volkmar Balensiefer jetzt jenes Autobahnteilstück auf der Brache der Zeche Emil Mayrisch bei Siersdorf frei, das als Europas größte Filmkulisse für Hochgeschwindigkeitsstunts gilt.

Im Rekordtempo von wenig mehr als zehn Wochen ist eine 2,3 Kilometer lange Asphaltschleife entstanden, auf der die Hürther Filmproduktionsgesellschaft Action Concept die spektakulären Autoszenen für RTL-Actionserien wie "Alarm für Cobra 11" drehen wird. Vollgas und ab durch die Mitte heißt es am Siersdorfer Ortsrand aber erst Ende November. Wenn dann die Filmkameras erstmals surren, wird an zwei Tagen ein stattlicher Fuhrpark zu Schrott gefahren. 27 Autos stehen bereit, um von den Stuntmen zu spektakulären Bildern verarbeitet zu werden – alles streng nach Drehbuch, also völlig ohne Rücksicht aufs heilig Blechle.

Auch ohne Aussicht auf Explosionen und Kollisionen war das Medieninteresse an der offiziellen Einweihung der Filmautobahn am Donnerstag, 10. November, riesig: Selten klickten und summten im Kreis Düren so viele Kameras gleichzeitig. Zahlreiche Bürgermeister und selbst Carl Meulenbergh, Landrat des unmittelbar angrenzenden Kreises Aachen, waren gekommen, um auf das Gelingen des Projektes anzustoßen, das Initiator Landrat Wolfgang Spelthahn als "Meilenstein für die Entwicklung des Kreises Düren" bezeichnete. Meilenstein, weil die insgesamt 1,8 Millionen Euro teure Filmautobahn nur Teil eines weit größeren Gesamtkonzepts ist.

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Probefahrt für den Landrat.

Probefahrt für den Landrat.

Der von Landrat Wolfgang Spelthahn und Wirtschaftsförderer Dr. Hans-Achim Ahn entwickelte Plan sieht als Hauptelement eine Nassteststrecke für die internationale Autoindustrie vor, die dort Reifen und Fahrwerkskomponenten erproben wird. Dafür sollen nach dem Spatenstich – voraussichtlich in der ersten Februarwoche 2006 - weitere 7,2 Millionen Euro investiert werden. Neben der verschlungenen Nass- und Trockenteststrecke, die vom renommierten Aachener Architekturbüro Tilke geplant wurde, werden zunächst zwei Materialhallen und ein Bürogebäude errichtet. Das ist der Einstieg in die Wiederverwertung des mit rund 250 Hektar riesigen Zechengeländes, das lange brach lag. 200 neue Arbeitsplätze könnten durch die beiden Projekte entstehen, schätzt Dr. Ahn, Geschäftsführer der ACI. Die ACI (Automotive Centre for Industry) ist eine 100-prozentige Tochter der Beteiligungsgesellschaft des Kreises Düren. Sie ist die Grundstückseigentümerin und steuert die beiden Projekte, die die einheimischen Firmen Wurzel und Schlun baulich umsetzen.

Für die aufwändige Filmarbeit der 140 Mitarbeiter von Action Concept ist die Filmautobahn graues Gold. Statt wie bisher an Wochenenden unter Zeitdruck gegen hohe Gebühr auf abgesperrten Autobahnstücken in NRW drehen zu müssen, halten die Koordinatoren nun das Heft des Filmens selbst in der Hand. "Diese Strecke ist ideal für uns", freute sich Stunt-Koordinator Thomas Katzmann über das Autobahnteilstück, auf dem er seinen Polizei-Porsche bis auf 200 Km/h beschleunigen kann, wenn er im Actionfilm auf Verbrecherjagd ist. Mit Landrat Wolfgang Spelthahn auf dem Beifahrersitz unternahm er zur Strecken-Vorpremiere eine kleine Probefahrt, die mit einer Pirouette endete. Für sechs Jahre hat die Action-Concept-Tochter FTL (Internationale Film + Test Location) die Asphaltschleife von der ACI gepachtet. Da die Siersdorfer Autobahn an den Ende großzügige Wendeschleifen aufweist, können die Fahrzeuge beliebig lange unterwegs sein, um etwa längere Dialoge bei fließendem Gegenverkehr zu filmen.
Aber es kommt der Moment, da will die Säge sägen, da muss es einfach Vollgas sein: Doch gerade wenn die Reifen quietschen, bleibt wenig dem Zufall überlassen. Dreieinhalb Wochen Vorbereitung sind erforderlich, um das rollende Material auf die Stunts der ersten beiden Drehtage vorzubereiten, berichtete Stuntkoordinator Katzmann. Was dann in Wirklichkeit blitzschnell geschieht, sehen die Action-Fans am Fernsehschirm in ausgedehnten Zeitlupen, zusammengesetzt aus den Perspektiven von bis zu zwölf Kameras, darunter einige auch aus der Hubschrauberperspektive. Was während der Eröffnungsfeier wie autofreier Sonntag aussah, ist also in Wahrheit die Ruhe vor dem Sturm.


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