Erste Flüchtlinge in Gürzenich-Wald eingetroffen
Von Redaktion [23.09.2015, 09.30 Uhr]

In der Nacht zum Dienstag sind die ersten Busse mit Flüchtlingen in der Notunterkunft Gürzenich-Wald eingetroffen. Hier endete die Reise von rund 250 Menschen, die vor Krieg und Gewalt aus ihrer Heimat geflohen sind, vorerst. Die ehemalige Bundeswehrkaserne bietet ihnen nun alles, was sie seit langem schmerzlich vermisst haben: ein festes Dach über dem Kopf, ein eigenes Bett, drei Mahlzeiten täglich und vor allem Sicherheit und Ruhe. Hier werden alle Ankömmlinge zunächst medizinisch untersucht, geimpft und registriert. Rund sechs Wochen sollen sie dort bleiben. Wenn sie ihren Asylantrag gestellt haben, werden sie einer Kommune in Nordrhein-Westfalen zugewiesen, in der sie dann bis zur Antragsentscheidung leben.

Der Kreis Düren hatte das über Jahre leerstehende ehemalige Munitionsdepot mit Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer des DRK, der Malteser, Johanniter und des THW sowie mit der DGA und einem Dutzend weiterer Fachfirmen aus der Region binnen weniger Tage aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Die Stadt Düren, die bereits im August eine Notunterkunft für 150 Flüchtlinge an der Cornetzhof-Schule aus dem Boden gestampft hatte, lieferte dazu wertvolle Praxistipps.

Den Auftrag, das Areal bis zum 21. September für 500 Flüchtlinge vorzubereiten, hatte das Land NRW dem Kreis Düren über die Bezirksregierung Köln erteilt. "Die großen Notunterkünfte, die nun im ganzen Land eingerichtet werden, dienen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit", beschrieb Felia Hörr von der Bezirksregierung Köln am Montagabend die immense Herausforderung angesichts des Flüchtlingsstroms in einer von weit über 100 Gürzenichern besuchten Bürgerversammlung. "Sie haben hier Bravouröses geleistet", lobte sie alle, die im Kreis Düren vor Ort und im Hintergrund aktiv waren.

Auf dem umzäunten und nun von einem Sicherheitsdienst bewachten Gelände wurden mehrere Gebäude und Hallen ertüchtigt, Strom, Wasser und Heizung wieder in Betrieb genommen, Sanitäranlagen gebaut. Kleiderkammer, Verpflegungsbereich, Sozialräume sowie Büros und Untersuchungszimmer stehen nun ebenfalls bereit. "Dieses Gelände ist für die Unterbringung von Flüchtlingen viel besser geeignet als jede Turnhalle", stellte Kreisdirektor Georg Beyß in der Bürgerversammlung fest. "Aber die eigentliche Herausforderung steht uns erst noch bevor, denn viele der Flüchtlinge werden traumatisiert sein."

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Die Verantwortung für den Betrieb der Unterkunft hat der Malteser Hilfsdienst übernommen. Unterstützt wird er dabei vom Roten Kreuz. "Für uns ist das nichts Neues. Wir nehmen den Betrieb auf und kümmern uns dann möglichst schnell um die Menschen. Sie müssen betreut und beschäftigt werden", sagte Wolfgang Heidinger, Geschäftsführer der Malteser im Bistum Aachen, am Montagabend. Laut Felia Hörr soll die Notunterkunft in Gürzenich den Status einer Zwischenunterbringungseinrichtung bekommen. Damit wären Malteser und das Land NRW direkte Vertragspartner.

Bei der Bürgerversammlung blieb keine Frage offen. Georg Beyß, Krisenstableiter Peter Kaptain, Ralf Butz, Leiter des Amtes für Bevölkerungsschutz, Dürens Bürgermeister Paul Larue, Felia Hörr und Wolfgang Heidinger beantworteten während der zweistündigen Zusammenkunft Dutzende Fragen und nahmen so manche Anregung mit. "Wir sind hier, um zu helfen", sagte eine Bürgerin unter dem Applaus der Zuhörer.

Für die Flüchtlinge ist Gürzenich nur eine Zwischenstation. "Sie sollen erst einmal zur Ruhe kommen", sagte Kreisdirektor Georg Beyß. Nach der Registrierung können sie sich frei bewegen. Die DKB wird ihre Busse ab sofort deutlich häufiger zwischen Gürzenich-Wald und Düren fahren lassen. Davon profitieren auch die Anwohner, ist es doch ein öffentlicher Nahverkehr. Für Flüchtlingskinder gibt es während der Wochen in Gürzenich übrigens keine Schulpflicht.

Mitfühlend, konstruktiv, hilfsbereit - dass die Flüchtlinge willkommen sind, zeigte sich auch an anderer Stelle. Der Spendenaufruf des Kreises Düren ist auf eine überwältigende Resonanz gestoßen, Hunderte Angebote liefen ein. Am Montag wurden einmal rund um die Uhr Berge von Kleidung, Wäsche und Schuhen in der Arena Kreis Düren abgegeben. Bis zu 30 Freiwillige gleichzeitig nahmen die Spenden entgegen, sortierten sie vor und verpackten sie für den Transport in die Kleiderkammer in Gürzenich-Wald. Für Dienstag waren Spielzeug, Babysachen und Hygieneartikel erbeten worden. Um auf dem Gelände eine Leihstation aufzubauen, waren zudem Fahrräder willkommen. Der Kreis Düren dankt seinen Bürgern für die enorme Spendenbereitschaft.

Die Kleiderkammer und das Lager für Sachspenden (etwa Babyausstattung, Hygieneartikel) in der Flüchtlingsunterkunft sind aktuell gefüllt. Ebenso konnte ein großer Pool an ehrenamtlichen Helfern aufgebaut werden, die eine Zeitspende leisten möchten. Daher kann die Spendenannahme vorerst beendet werden. Sollte sich in den nächsten Wochen ein erneuter Bedarf an Sach- oder Zeitspenden ergeben, würde der Kreis Düren gemeinsam mit dem Betreiber der Unterkunft einen neuen Aufruf starten.


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