Ausstellung in St. Hubertus erinnert an NS-Terror

Schmidt: Ort qualvollen Sterbens
Von Redaktion [22.08.2015, 08.38 Uhr]

„Verschleppt, verhungert, verscharrt“ heißt eine neue Ausstellung in der Hubertus-Kirche in Schmidt. Sie dokumentiert die Geschichte der slawischen Kriegsgefangenen in der Nordeifel.

In über 100 Text- und Bildexponaten werden Einzelschicksale der Gefangenen, die in der Nordeifel unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen Sklavenarbeit verrichten mussten, vor Augen geführt. Konzipiert haben die Ausstellung Konrad Schöller und Benedikt Schöller, der als Geschichtslehrer am Bischöflichen St. Angela Gymnasium in Bad Münstereifel tätig ist. Der Pädagoge fungierte bereits als örtlicher wissenschaftlicher Begleiter bei der „Routes of Liberation“.
„Die Pfarre St. Hubertus setzt mit dieser Dokumentation ein wichtiges Zeichen in Richtung Völkerverständigung zwischen West und Ost. Das Thema kommt zum richtigen Zeitpunkt. Gerade in schwierigen politischen Zeiten sollte man sich vergegenwärtigen, zu welch‘ fatalen Auswirkungen verstärktes Säbelrasseln führen kann“, erklärt Benedikt Schöller.

Auch in der Umgebung des Hürtgenwaldes dürfe sich das Erinnern an die braune Zeit nicht alleine auf die Schilderung blutiger Abwehrschlachten aus dem Kriegswinter 1944/45 beschränken. Zu einer angemessenen Erinnerungskultur gehöre ebenso zwingend die Auseinander- setzung mit den Verfolgten des nationalsozialistischen Terrorregimes, ergänzt Konrad Schöller.
So beherberge das Waldgebiet des „Buhlert“ nicht nur Befestigungsanlagen des „Westwalls“. Auch Ausbildungsorte für selbsternannte „Herrenmenschen“ und Orte qualvollen Sterbens für sogenannte „Untermenschen“ habe es hier in der „braunen Zeit“ gegeben.

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Zeitzeugen wie Josef Müllejans aus Schmidt berichten von völlig ausgemergelten Kreaturen im Gebiet von Eschauel. Zusammengepfercht in einer Holzbaracke auf blankem Stroh vegetierten sie dort halbverhungert, Tag und Nacht rund um die Uhr bewacht. Um den Rursee bei alliierten Bombenangriffen künstlich einzunebeln, mussten sie mit giftigen Chemikalien gefüllte Säurefässer bedienen. Wenn der Bewachungsposten außer Sicht war, schlichen sich die Schmidter Kinder näher zu den gequälten Menschen heran und steckten ihnen heimlich Nahrungsmittel zu.
Auch Paul Breuer aus Schmidt erinnert sich noch gut an diese Taten der Barmherzigkeit im Sommer des Jahres 1944. Im Tausch gegen Nahrungsmittel hatten ihm die Kriegsgefangenen in der Baracke am Rurseestrand sogar Ehering und andere persönliche Wertgegenstände angeboten. Sie hofften, damit dem Hungertod entrinnen zu können.

Täglich geöffnet
und kostenfrei
Die Ausstellung „Verschleppt, verhungert, verscharrt“ in der Hubertus-Kirche ist täglich geöffnet und für Besucher kostenfrei. Benedikt und Konrad Schöller bieten auf Wunsch ein vertiefendes Begleitprogramm an, das Führungen durch die Ausstellung, bild- und tonuntersü?tzte Bildschirmpräsentationen sowie Exkursionen zum Waldgebiet des „Buhlerts“ und/oder zur Sowjetischen Kriegsgräberstätte nahe Rurberg umfasst.

Infos unter Telefon 02474/99180 oder per Mail: schoeller110@t-online.de


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