Besuch der Frauen des Türkisch-Islamischen Kulturvereins

Muslimischer Blick in St. Martinus Aldenhoven
Von Dorothée Schenk [21.06.2015, 07.04 Uhr]

Ayse Kaplakarslan übersetzt die Erklärungen von Petra Bungarten für die Besucherinnen des Kulturvereins

Ayse Kaplakarslan übersetzt die Erklärungen von Petra Bungarten für die Besucherinnen des Kulturvereins

„Dürfen wir fotografieren?“, übersetzte Ayse Kaplakarslan die Wünsche der muslimischen Frauengruppe, von denen die meisten zum ersten Mal eine katholische Kirche von innen sahen. Ein besonderer Besuch in St. Martinus Aldenhoven.

Reichlich zum Staunen, aber auch viel Vertrautes entdeckten die Frauen des Türkisch- Islamischen Kulturvereins, die sich von Gemeindereferentin Petra Bungarten in die „Geheimnisse“ der Kirche einweihen ließen. Vor dem Betreten erklärte Petra Bungarten den Besucherinnen, dass beide Religionen das Reinigungsritual kennen.

Die Katholiken führen es in der stark verkürzten Form des Kreuzzeichens mit den weihwasserbenetzten Fingerspitzen aus – deutlich ausführlicher ist es im Isalm. Dennoch gehe es in beiden Fällen um die Reinigung von den Sünden. Bei den Christen komme allerdings noch der Aspekt „Erinnerung an die Taufe“ hinzu.

Das war nicht die einzige Gemeinsamkeit, die an diesem Morgen deutlich wurde. Bevor der Gläubige sich in die Kirchenbank setze, erklärte Petra Bungarten, mache er eine Kniebeuge, um zu zeigen: „Ohne Gott bin ich klein – mit Gott werde ich groß.“ Auch die Muslime kennen diese Form des sich Erniedrigens, allerdings berührt bei ihnen die Stirn den Boden des Gotteshauses. In St. Martinus ist außerdem noch zu sehen, dass die Geschlechtertrennung, die bis heute in Moscheen üblich ist, bis in die 60er Jahre auch in katholischen Kirchen praktiziert wurde: Über den Kirchenbänken rechts finden sich Wandmalereien von männlichen, gegenüberliegend die weiblicher Heiliger.

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Die Orgel fanden die muslimischen Gäste in St. Martinus besonders interessant

Die Orgel fanden die muslimischen Gäste in St. Martinus besonders interessant

Bereits zum zweiten Mal empfing Petra Bungarten eine Gruppe des Türkisch-Islamischen Kulturvereins in der Aldenhoven Pfarrkirche. Anfang April war Hodscha Muhamet Ali Yener bereits mit Kindergartenkindern zu Besuch gewesen.

Der Bischof von Aachen wünsche den Austausch, betonte die Gemeindereferentin bei der Begrüßung. Um über Religion ins Gespräch zu kommen, „nicht, um Sie zu bekehren, sondern die Unterschiede klar zu machen und Missverständnisse auszuräumen.“ So erzählte Petra Bungarten von der Geschichte des Christentums, der komplexen Dreifaltigkeit und der Überzeugung der Katholiken, dass Gott im Brot gegenwärtig ist.

Ein großes Thema, an dem sich die Religionsgemeinschaften scheiden, ist etwa das Bilderverbot, das an diesem Morgen auch zur Sprache kam, als das alte Altarretabel näher betrachtet wurde. „Wir stellen bildlich dar – wir machen uns kein Bild von Gott“, stellte die Gemeindereferentin klar. „Wir respektieren den christlichen Glauben und ihre Lehre“, formulierte es eine Muslima abschließend, „und wir wünschen uns den gleichen Respekt für den Islam.“ Eine Voraussetzung hat dieser Besuch sicher geschaffen, denn wie die Frauenvorsitzende des Kulturvereins, Ayse Kaplakarslan, sagte: „Was man nicht kennt, nur davor hat man Angst.


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