Düren: Weites Feld der Landwirtschaft
Von Josef Kreutzer [21.05.2015, 19.18 Uhr]

Die Landwirtschaft ist ein weites Feld, entsprechend viele Themen wurden angeschnitten, als Erich Gussen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Düren, Landrat Wolfgang Spelthahn und Ralf Kreischer, Leiter des Kreis-Umweltamtes, zum Arbeitsgespräch begrüßte. Trotz bestem Arbeitswetter waren 70 Landwirte in die Aula der Landwirtschaftskammer NRW, Kreisstelle Düren gekommen, um Lob und Kritik und manche Anregung loszuwerden.

Landrat Wolfgang Spelthahn (3.v.r.) und Erich Gussen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Düren (r.), hatten gemeinsam zu einem weiteren Arbeitsgespräch eingeladen, an dem 70 Landwirte teilnahmen.

Landrat Wolfgang Spelthahn (3.v.r.) und Erich Gussen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Düren (r.), hatten gemeinsam zu einem weiteren Arbeitsgespräch eingeladen, an dem 70 Landwirte teilnahmen.

Vom fachgerechten Umgang mit Bodenaushub und sinnvollem Heckenschnitt über das Bürokratiemonster Mindestlohn und die Expansionsgelüste des Bibers bis hin zu korrekten Pflanzabständen von Privatleuten, deren Grundstück an eine Landwirtschaft grenzt, reichte das Themenspektrum. Lob gab es aus der Versammlung für das Engagement des Landrates gegen die Pumpspeicherkraftwerk-Pläne am Rursee und die zielführende Arbeit der job-com bei der Vermittlung von neuen Mitarbeitern.

Der bedenkliche Zustand mancher Wirtschaftswege stößt den Landwirten immer wieder auf. "Die zuständigen Kommunen ächzen unter den explodierenden Sozialkosten, die Grenze ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit ist erreicht. Wir müssen gemeinsam dafür kämpfen, dass sie wieder handlungsfähig werden", lenkte Landrat Wolfgang Spelthahn den Blick auf ein strukturelles Problem. Die Kritik werde er dennoch in der nächsten Bürgermeister-Konferenz vortragen.

Die größte Sorge der Bauern ist jedoch der Flächenverbrauch, der ihre Lebensgrundlage schmälert. Erich Gussen forderte die Verwaltung auf, durch die Landschaftsplanung zu steuern und das System der Ökokonten mit mehr Nachdruck ins Spiel zu bringen, wenn Projektträger für ihr Vorhaben der Natur gegenüber ausgleichspflichtig sind: "Es gibt Millionen von Ökopunkten auf Konten, die genutzt werden könnten. Statt dessen werden immer neue Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt, die Fläche kosten", monierte er. "Wir können die Ausgleichspflichtigen nur beraten und an sie appellieren, sich an der Landschaftsplanung zu orientieren und auch Ökopunkte zu kaufen", wies Ralf Kreischer auf den leider fehlenden rechtlichen Hebel hin.

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Große Sorge bereite ihm der drohende vorzeitige Ausstieg aus der Braunkohle, hatte Landrat Wolfgang Spelthahn gleich zu Beginn gesagt: "Als deutschlandweit einziger Kreis mit drei aktiven Tagebauen wären die Folgen für unsere Region dramatisch, wenn das Kraftwerk Weisweiler schon 2020 stillgelegt würde und der Tagebau Inden über Nacht schließen müsste." Bislang sei man immer davon ausgegangen, für den unerlässlichen Strukturwandel bis 2030 Zeit zu haben. "Stattdessen müssten wir dann auf einen Schlag Tausende Menschen in Lohn und Brot bringen. Wo sollen diese Stellen herkommen?"

Zu einem kleinen Teil von der Rurtalbahn. Ihre Erfolgsgeschichte hat mit zwei Loks begonnen, heute sind 74 im Einsatz. In gut zehn Jahren hat sie rund 400 neue Mitarbeiter eingestellt, darunter viele vormals arbeitslose. Mit dem Bau eines Containerterminals, in dem Waren von Waggons auf Lastwagen verladen werden, ließe sich die Geschichte weiter fortschreiben. Ein weiterer Flächenverbrauch zulasten der Landwirte? "Nein, wir konzentrieren uns bei der Standortsuche auf industrielle Flächen aus einer Hand, die weitab von der Wohnbebauung liegen, um möglichst wenige Menschen zu beeinträchtigen", lautete die Entwarnung.

Auch wenn der Kreis Düren weder die Milchpreise noch die Alterskasse der Landwirte beeinflussen kann, war es wieder ein fruchtbarer Dialog. "Ich kann mir einen Kreis Düren ohne Landwirtschaft jedenfalls nicht vorstellen. Es wäre aber hilfreich, wenn Sie Ihre guten Positionen und berechtigten Anliegen häufiger in der Öffentlichkeit darstellen würden, damit sich die Menschen selbst ein Bild machen können", appellierte Landrat Wolfgang Spelthahn an die Landwirte, häufiger Flagge zu zeigen.


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