Umweltbewusstsein mit Geschmack, Phantasie und Lebensfreude

"Bewohner" der Öko-City in Düren sind keine "Verzichter"
Von Dorothée Schenk [29.09.2014, 12.44 Uhr]

Frisch aufgetischt hat den kfd-Aktiven Aktionskoch Wam Kat (r)

Frisch aufgetischt hat den kfd-Aktiven Aktionskoch Wam Kat (r)

Umweltbewusst und klimafreundlich zu handeln, heißt nicht verzichten; vielmehr beweist es Geschmack und Phantasie, Lebensfreude und Unternehmergeist. Bei der Öko-City, der klimafreundlichen Modellstadt, zu der die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Diözesanverband Aachen, nach Düren eingeladen hatte, gab es vielfältige Anregungen.

Oberflächlich betrachtet ist manches schön, was seinen tieferen Wert erst beim genauen Hingucken preisgibt: Die Patina von genutzten Paletten hatte es Monika Sterath angetan. Daraus wollte die Tischlermeisterin unbedingt Möbel kreieren, und geboren war ein neues Geschäftsmodel. Aus „Wegwerf-“Holz vom Sperrmüll, geschenkten Schubladen und Keller-Verschlägen entwickelt „Holzschmiede 103“ in Essen exklusive Kommoden und Schränke. Unikate eben. „Ich habe schon Upcycling-Möbel gemacht, als es das Wort noch gar nicht gab“, erzählt die Fachfrau schmunzelnd. Sie bestückt einen von 50 Ständen der klimafreundlichen Modellstadt und gehört zu den Weitgereistesten.

Denn: „Ökologisch betrachtet ist die Entfernung nach Essen gerade noch vertretbar“, sagt Monika Sterath und zeigt, dass sie schon verinnerlicht hat, worum es Marie Theres Jung, Vorsitzende des kfd-Diözesanverbandes Aachen, und Projektleiterin Anja Mertens geht. Es ist die ganzheitliche Betrachtung des Themas „Klima“. „Wir sehen es als Verantwortung der Schöpfung gegenüber“, sagt Vorsitzende Jung.

Von der Ausstellerauswahl, die regional auf einen Radius von 120 Kilometern begrenzt wurde, der Anreise für Gäste per gecharterten Bussen aus den verschiedenen Regionen bis hin zu vollständig kompostierbaren Kaffeebechern und Servietten in der Caféteria wurde das Prinzip umgesetzt. „Wir wollen das Thema von der Lösung aus denken.“

Seit zwei Jahren leistet sich die kfd im Bistum Aachen die Bildungsreferentin Mertens, die mit verschiedenen Aspekten des Projektes Umwelt- und Klimaschutz durch die acht „kfd-Filialen“ unterwegs war. Alles steuerte auf den Höhepunkt, den Aktionstag „Öko-City“ in der St. Angela-Schule in Düren, hin. Die Mädchenschule mit ihrem wunderbaren Park bot neben den Räumen auch ein passendes Ambiente für die Veranstaltung.

Ist Umweltbewusstsein denn ein Frauenthema? Ein klares „Ja“ kommt von Anja Mertens: „Frauen sind in jedem Bereich eingebunden, anders als Männer es sind: Als Alleinerziehende, Mutter, Hausfrau und Berufstätige.“ Wichtig war ihr, in der Öko-City Alternativen aufzuzeigen, die einfach ins Leben zu integrieren sind. Die ganze Palette des Alltags deckte daher auch das Angebot ab.
Kommunikation – Körperpflege – Gesundheit – (Selbst-) Verschönerung – Lebensstil passten so perfekt in einen Raum. Anke Reermann und ihr Team von Missio machten auf die Rohstoffgewinnung für Handys im Kongo und die Möglichkeiten des Recyclings aufmerksam, während rechts Möbel und Wohnaccessoires, links Schmuck aus altem Besteck und vis-à-vis Naturkosmetik zum Selbstanrühren präsentiert wurden. Die Mischung hatten die Organisatorinnen bewusst gewählt. Dass umweltfreundliches Verhalten nicht immer anstrengend ist, gerade darauf wollten die kfd-Frauen hinweisen.

Werbung

Manuel Sauer präsentiert Wissen um den Wasserverbrauch in der Herstellung von der Tomate bis zum Auto.

Manuel Sauer präsentiert Wissen um den Wasserverbrauch in der Herstellung von der Tomate bis zum Auto.

Erhobener Zeigefinger – Fehlanzeige. Neben den Informationsständen rund ums Energiesparen der Energieagentur NRW, von In Via Düren-Jülich und der Verbraucherzentrale NRW dominierte die spielerische Vermittlung der ernsten Alltagsfragen: „Umwerfendes“ bot der Verein zur Förderung Kirchlicher Umweltberatung (FKU), bei dem sich auf einer Klappwand Antworten erst nach dem Wurf eines Balls offenbarten. Gar nicht trocken vermittelte auch Manuel Sauer Wissen um den Wasserverbrauch in der Herstellung von der Tomate bis zum Auto.

Wieviel Kreatives im „Müll“ steckt, der nun schon einmal gemacht ist, konnten Kauf- und Bastelwillige an diesem Tag entdecken. Eierkartons wurden zu Spielzeug, Alu-Kaffeeautomaten-Kapseln, von denen übrigens 12500 Stück pro Minute weltweit verschlissen werden, zu Schmuck, alte Autoreifen zu Taschen oder Geldbeuteln, und Stoffreste sowie ausrangierte Jeans setzen der Phantasie natürlich gar keine Grenzen mehr – wie Inge von Kann zeigt. Sie stellte Mode aus alten Möhrensäcken vor. Das kann sicher nicht Jede(r) tragen.
Dass Umweltbewusstsein echt schmeckt, davon konnten sich die Öko-Stadtbummler in der dichtbevölkerten klimafreundlichen Modellstadt vielfältig überzeugen. Vorwiegend Vegetarisches und Veganes war im Angebot. Im Projekt „Krumme Gurke“ der Mönchengladbacher kfd-Gruppe wurde frisch geschnittenes Obst und Gemüse, das es normalerweise nicht auf den Teller von Otto Normalfamilie geschafft hätte, mit Dipp angeboten. „Wir beißen nicht, hier gibt’s was zu beißen“, lockten die gutgelaunten Frauen Probierfreudige. Konsequent lebt dieses Credo Wam Kat, der niederländische Aktionskoch.

„Wenn man auf eine Ökoveranstaltung geht, muss man auch übers Essen nachdenken“, sagt Wam Kat zwischen (Riesen-)Kochtopf und Essensausgabe und ermunterte, keine Angst zu haben, sich durchzubeißen. 40 Prozent der Nahrungsmittel würden vernichtet. „Es gibt Alternativen. Tun sie es einfach!“, forderte der Autor des Kochbuchs zum Film „Taste the Waste“ auf, der ebenfalls an diesem Tag gezeigt wurde.

Das Bewusstsein zu schärfen, ist dem kfd-Diözesanverband sicherlich vielfältig mit diesem Aktionstag gelungen – abgerundet in der Schulkapelle, dem „Raum der Stille“, in dem ein Jahreszeitenkreis dazu einlud, sich selbst in der Schöpfung zu entdecken. Ob von der Präsentation und Betrachtung der Öko-City der Sprung auch zur Umsetzung im Alltag gelingt, das ist dem individuellen Willen unterworfen. Wie Schirmherr Paul Larue, Bürgermeister von Düren, es in seinem Grußwort darlegte: In Ökologie stecke das Wort Haus („oikos“) und das gemeinsame Haus „Erde“ sei den Menschen von Gott anvertraut. Allerdings wisse schon das Evangelium: „Die Umkehr ist das Schwerste.“


Dies ist mir was wert:    |   Artikel veschicken >>  |  Leserbrief zu diesem Artikel >>

NewsletterSchlagzeilen per RSS

© Copyright 2017 Presse- und KulturBüro Schenk + Schenk | Datenschutz

Das Brenzlicht

Mehr Zivilcourage
Es gehört Zivilcourage dazu, Kritik zu üben an einer Preisverleihung, die Zivilcourage auszeichnet und sich gegen das Vergessen der Greueltaten der Nazis positioniert. Toleranz – so die Namensergänzung der veranstaltenden Jülicher Gesellschaft – gehört dazu, um auszuhalten, wenn von vier zu Ehrenden drei als Nebenprodukt behandelt werden und der einzige, durchaus nicht unumstrittene Ausgezeichnete vom Laudator eine Würdigung erfährt, die nicht nur einige Menschen befremden dürfte.  [01.03.2017, 07.54 Uhr]  >>

Alle Brenzlichter >>

Top-Thema

Freiflug über die "Sophie"
Der Barmener Olaf Kiel ist begeisterter Pilot von Multi- und Quadrokoptern, landläufig auch als Drohnen bekannt. Zwei bis dreimal in der Woche startet er in die Jülicher Börde mit seinem großen Koffer im Gepäck. Gut geschützt liegt darin die in Einzelteile zerlegte Flugmaschine, denn erst vor Ort werden die Rotoren angeschraubt und die Kamera in die Lagerung, die so genannte Gimbal, eingehängt.  [08.04.2017, 07.42 Uhr]  >>

Stadtteile

Kita „Die kleinen Strolche“: Jubiläumsfeier eine Woche lang
„Was wollen wir trinken sieben Tage lang?“, heißt ein ziemlich bekanntes Fest- und Feierlied. Da so ein 50-jähriges Jubiläum bei der Kita „Die kleinen Strolche“ in erster Linie ein Fest für die Kinder ist, hat sich das Team der Einrichtung überlegt, mit den Kindern, die sie im Moment besuchen, kräftig und sieben Tage lang zu feiern. Es geht los mit dem Dasda Theater, das am Donnerstag, 27. April, das Stück Petterson und Findus im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Düsseldorfer Straße 30, für die Kita-Kinder aufführen wird.  [26.04.2017, 13.58 Uhr]  >>
Im Heckfeld Geschmack am Glauben finden
Einen Ruhepol im Alltag finden. Innehalten, dem eigenen Getriebensein im Leben regelmäßig einen Ort des Atemholens zu geben, dazu dienen Exerzitien im Alltag. Seit fast 20 Jahren wird in St. Rochus Jülich diese Tradition in der Fastenzeit gepflegt. [09.04.2017, 14.12 Uhr]  >>

Vereine

Lebendiges Geschichtsgedächtnis [09.04.2017, 14.51 Uhr]  >>
Bestehen unter des Meisters Augen [09.04.2017, 13.19 Uhr]  >>

Immer auf dem Laufenden



Newsletter >>

JüLicht auf Ihrer Site

Sie können unsere aktuellen Schlagzeilen auf Ihrer Website präsentieren - hier steht, wie >>.

Kontakt

Welches Anliegen Sie auch immer bewegt, über unser Kontaktformular >> können Sie mit uns in Verbindung treten.

Werbung