Prognose im Auftrag der IHKs

9,5 Milliarden Euro für neue Brücken, Straßen und Schienen fehlen
Von  [23.09.2014, 15.35 Uhr]

Das Rheinland benötigt rund 9,5 Milliarden Euro an Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur. Das zeigen neue Prognoserechnungen, die die Industrie- und Handelskammern des Rheinlands in Auftrag gegeben hatten. „Die Zeit läuft uns davon. Wir brauchen jetzt mehr Geld für Brücken, Schienen und Straßen im Rheinland. Wenn die Politik nicht endlich handelt, werden wir den Verfall der Infrastruktur nicht mehr stoppen können“, mahnt Kurt Schmitz-Temming, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg und Federführer Verkehr der IHK-Initiative Rheinland bei der Vorstellung des neuen Verkehrsleitbilds der Rheinland-Kammern in Köln.

Den Berechnungen zufolge wird in naher Zukunft vor allem das Gütertransitverkehrsaufkommen stark steigen – auf der Straße bis zum Jahr 2025 um mehr als 120 Prozent. Auf der Schiene und den Wasserstraßen soll die Güterverkehrsleistung bis dahin um jeweils mehr als 30 Prozent wachsen. „Wenn weiter nur geredet wird, dann ist die Leverkusener Rheinbrücke nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was kommt. Wir brauchen deshalb schnellstmöglich Planungsrecht“, sagt Dr. Ulrich Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln.

„Seehafenhinterlandverkehre“ sind Wachstumstreiber
Neben dem Quell- und Zielverkehr im Rheinland werden die sogenannten Seehafenhinterlandverkehre aus den ZARA-Häfen laut der Prognose weiterhin Wachstumstreiber für die Entwicklung des Güterverkehrs sein. Die Nordseehäfen gelten für West- sowie Süd- und Südosteuropa nach wie vor als das wichtigste Tor für weltweite Import- und Exportgeschäfte. Für ganz Nordrhein-Westfalen liegt der Marktanteil der Westhäfen bei 65 Prozent.

Die rasante Entwicklung des Güterumschlags in den ZARA-Häfen von derzeit 763 Millionen auf 1.240 Millionen Tonnen im Jahr 2030 wird auch unmittelbare Auswirkungen auf die Seehafenlandverbindungen haben: Im grenzüberschreitenden Güterverkehr Belgien/Niederlande/Deutschland soll die Anzahl der Güterzüge bis zum Jahr 2025 von derzeit täglich 249 auf 525 zunehmen; die Anzahl der Lkw soll im gleichen Zeitraum von derzeit rund 36.000 auf dann knapp 80.000 Einheiten wachsen.

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Kapazitäten für Güterverkehrswachstum reichen nicht aus
„Mit den vorhandenen Schienen und Autobahnen wird dieser Zuwachs allerdings nicht zu bewältigen sein. Die Kapazitätsgrenzen sind bereits in fünf bis zehn Jahren erreicht“, warnt Schmitz-Temming. Nach Einschätzung der IHKs besteht deshalb bei verschiedenen Straßen- und Schienenverbindungen dringender Ausbaubedarf.

160 Bahnbrücken müssen neu errichtet werden
Berechnungen der IHKs zufolge umfassen die aufgelisteten Projekte einen Gesamtinvestitionsbedarf von rund vier Milliarden Euro. Hinzu kommen drei Milliarden Euro Kosten für die Sanierung von knapp 300 Brücken im strategischen Fernstraßennetz sowie 2,5 Milliarden Euro an Sanierungskosten für 160 Bahnbrücken der sogenannten Kategorie 4, also Bauwerken, die komplett neu errichtet werden müssen. Dies ergibt eine Gesamtsumme von 9,5 Milliarden Euro.

Für den Erhalt der Verkehrswege fehlen bundesweit jährlich 7,2 Milliarden Euro, davon 4,5 Milliarden Euro für die laufende Erhaltung und 2,7 Milliarden Euro zur Abarbeitung des Sanierungsstaus. Vor allem das Rheinland in seiner Funktion als wirtschaftsstarker Standort und zentrale Logistikdrehscheibe in Deutschland habe ein großes Interesse daran, dass die Verkehrsinfrastruktur erhalten und bedarfsgerecht ausgebaut werde, betonen die IHKs. Eine stärkere Einbeziehung der Nutzer sei aus Sicht der Wirtschaft nur dann vertretbar, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien und die damit gewonnenen Mittel ausschließlich und zusätzlich der Infrastruktur zugute kämen.

IHKs fordern Wiederaufbau der verlorenen Planungsaktivitäten
Mehr Geld für die Infrastruktur sei dringend notwendig, aber nicht die einzige Voraussetzung für den Erhalt und Ausbau der Verkehrswege. Es müsse vor allem ausreichende Planungskapazitäten geben. In Nordrhein-Westfalen fehlten zahlreiche Ingenieure für die Planung und Baubegleitung von Infrastrukturprojekten sowie Juristen für die Auftragsvergabe. Allein 2013 habe Nordrhein-Westfalen mehr als 40 Millionen Euro an Investitionsmitteln des Bundes nicht verwenden können und sie zurückgeben müssen – zugunsten anderer Bundesländer mit baureifen Projekten.

Das komplette „Verkehrsleitbild Rheinland 2014“ ist im Internet unter www.aachen.ihk.de (Dok.-Nr.: 92172) zu finden.


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