Düren: Erste Absolventen verlassen Produktionsschule
Von Josef Kreutzer [18.09.2014, 11.58 Uhr]

Samet Can (3.v.l.) gehört zu den jungen Erwachsenen, die im job-com-Projekt Produktionsschule einen Schulabschluss erworben und eine Berufsperspektive gefunden haben. Im Bild v.r.: Prof. Frank Späte und Martina Forkel sowie Markus Faber (4.v.r.).

Samet Can (3.v.l.) gehört zu den jungen Erwachsenen, die im job-com-Projekt Produktionsschule einen Schulabschluss erworben und eine Berufsperspektive gefunden haben. Im Bild v.r.: Prof. Frank Späte und Martina Forkel sowie Markus Faber (4.v.r.).

Bei Samet Can hat es Klick gemacht, danach hat er Vollgas gegeben. "Ich bin so froh, dass ich den Hauptschulabschluss geschafft habe und jetzt mit meiner Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer beginnen kann. Denn ohne Berufsausbildung habe ich keine gute Zukunft." Bislang sei das für ihn mit Schule und Arbeit nicht so prickelnd gewesen, bekennt der 19-jährige Dürener. Doch er hat das Steuer herumgerissen und nun ein festes Ziel und ein besseres Leben vor Augen. "Ich weiß, dass ich das für mich tue."

Samet Can ist einer der Absolventen der Produktionsschule. Die job-com des Kreises Düren hat dieses in Dänemark entwickelte Modellprojekt vor einem Jahr in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft low-tec und dem Sozialwerk Dürener Christen gestartet. Ziel war es, jungen Hartz IV-Empfängern einen Schulabschluss und den Einstieg in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Gefördert durch den Europäischen Sozial-fonds und aus Bundesmitteln der job-com des Kreises Düren, wurden 20 Plätze für 17- bis 25-Jährige in einer Werkstatt der low-tec in Düren eingerichtet.

Dort war es Aufgabe der jungen Teilnehmer, Halterahmen für die Kollektoren von Solaranlagen herzustellen. "Das waren keine Trockenübungen, denn die Produkte waren von Kunden bestellt worden und mussten termingerecht geliefert werden", berichtet Markus Faber, leitender Pädagoge der Produktionsschule. Bei der Arbeit war Präzision gefragt. "Die Elemente ersetzen die Dachziegeln und dürfen kein Wasser durchlassen", verdeutlicht Prof. Frank Späte von der TH Amberg-Weiden die besondere Herausforderung.

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Seine Firma hat das patentierte Dachsystem entwickelt und die Kunden akquiriert. So haben die Produktionsschüler beispielsweise die Elemente für das Dach einer großen Schule in Detmold hergestellt. Da war jeder Einzelne des Teams gefordert.

Um den Hauptschulabschluss nachzuholen, wurde eigens eine neue Klasse am Berufskol-leg Kaufmännische Schulen eingerichtet. In ihr wurde an drei Tagen je Woche praxisbezogen unterrichtet.

Das Modellprojekt hat sich im Kreis Düren als Sprungbrett erwiesen. Es hat junge Er-wachsene mit persönlichen Handicaps motiviert, an sich zu arbeiten. So schafften vier Ju-gendliche ihre Hauptschulabschlüsse. Vier weitere Teilnehmer, die ihn schon hatten, peilen nun die mittlere Reife an. Zudem stehen zwei Lehrverträge auf der Habenseite, sechs weitere Produktionsschüler streben eine Ausbildung an oder suchen eine Beschäftigung.

Martina Forkel, Leiterin der job-com, zieht eine positive Bilanz. "Über 400 unserer Kunden zwischen 17 und 25 Jahren haben keinen Schulabschluss und sind deshalb sehr schwer in Arbeit zu vermitteln. Die Produktionsschule hat einigen von ihnen Türen geöffnet. Sie haben jetzt erstmals eine Zukunftsperspektive." Dieses Angebot möchte die job-com möglichst vielen Jugendlichen machen. Das Projekt startet im September dieses Jahres neu mit stark erhöhter Platzzahl und neuen Produktionsbereichen.

Samet Can hat verstanden, dass auf dem Arbeitsmarkt Könner gefragt sind: "Wenn ich meine Ausbildung erfolgreich beendet habe, wäre anschließend eine Qualifikation zum Industriemechaniker möglich."


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