Ausstellung des Künstlers Steffen Blunk

In der Eifel verwirrend schön: „Es ist Krieg. Hurra!“
Von Reaktion [14.09.2014, 08.09 Uhr]

„Es ist Krieg. Hurra!“ ist der Titel einer Ausstellung des in Berlin lebenden Künstlers Steffen Blunk, die ab Mittwoch, den 17.09, zeitgleich im Rathaus Schleiden-Gemünd und in der Galerie Eifel Kunst in Gemünd laufen wird. Schon der Titel macht deutlich, dass an beiden Orten keine Kunst gezeigt wird, die über einer Wohnzimmercouch hängen möchte …

Verwirrend schön präsentieren sich manche Gemälde Blunks auf den ersten Blick: Farben, die von innen heraus zu leuchten scheinen, erinnern an Turners pralle Sonnenuntergänge. Die Himmel in herrliches Rot und Orange getaucht, umbrabraune, tintige Wolkenschwaden ziehen düster vorbei, im Vordergrund die Häuser sind nur schwarze Silhouetten. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich: die Städte brennen im Feuersturm nächtlicher Angriffe. Hamburg, London, Belgrad, Bagdad, die Zeiten ziehen vorbei, die Greuel bleiben. Auf anderen Bildern reduziert Blunk seine Farbpalette auf zwei oder drei Töne und entwickelt so vor dem Auge des Betrachters die ganze Düsternis des Krieges. Das „Hurra“ des Ausstellungstitels gerät zur Farce.

Dabei ergreift der Künstler nicht Partei, distanziert bleibt sein Blick, wenn auch melancholisch, der Betrachter muss sich die Bildwelten selbst erschließen, seine eigene Meinung bilden. Herausgefordert wird dieser Betrachterblick nicht zuletzt durch die Tatsache, dass Blunk zum Ende des malerischen Prozesses zum Stechbeitel greift und das Bildpersonal aus seinem Bildträger – stets gleich dicken Schichtholzplatten – herausschnitzt. So bleiben abstrakte Holzflächen, wo vorher Menschenleiber standen oder lagen, kämpften, starben oder schon vergingen. Opfer und Täter, Männer, Frauen, Kinder werden so gleich im Angesicht des kriegerischen Handelns.

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Steffen Blunk, 1967 in Nürnberg geboren, studierte zunächst Journalistik und Philosophie, bevor er nach vielen beruflichen Umwegen ein Malereistudium in Berlin abschloss. Heute ist er als freischaffender Künstler tätig. Schon 2013 hatte er eine Ausstellung in der Galerie Eifel Kunst, die sich auf politisch engagierte Kunst spezialisiert hat und seit ihrer Gründung gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit, aber auch gegen Geschichtsvergessenheit und Kriegstreiberei mobil macht. Und so gelang es der Galeristin Marita Rauchberger das Rathaus der Stadt Schleiden als Ausstellungsort für die Werke Blunks zu gewinnen. Gleichzeitig wird in der Galerie selbst ein zweiter Teil gezeigt – und eine ganz andere Seite Blunk sichtbar. Denn hier hängen nicht nur weitere Bilder seiner Serie „Irgendwo ist immer ein Krieg“, sondern auch Beispiele seiner viel friedlicheren, dennoch durchaus provokanten Bilder mit erotischen Körperdarstellungen. Vielleicht doch etwas für das Wohnzimmer?

Das musikalische Rahmenprogramm bei der Ausstellungseröffnung wird von dem Mechernicher Gitarrist und Musiklehrer Fedor Volkov gestaltet.

Eröffnung: Rathaus Schleiden Mittwoch, 17.09.2014, 19.00 Uhr
Sektempfang: Galerie Eifel Kunst Sonntag, 21.09.2014, 15.00 Uhr
Finissage: Galerie Eifel Kunst Sonntag, 26.10.2014, 15.00 Uhr
Öffnungszeiten Rathaus
mo - fr: 07.45 - 12.30 Uhr
mi: 14.00 - 16.00 Uhr
do: 14.00 - 18.00 Uhr

Rathaus der Stadt Schleiden
Blankenheimer Straße 2
53937 Schleiden


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