"Nahrhafte" Fortbildung im Dürener Marienhospital
Von Redaktion [23.07.2014, 06.22 Uhr]

Je nach Erkrankung sind 25 bis 50 Prozent der Krankenhauspatienten mangelernährt - wann, wieso und womit ist Ernährungstherapie notwendig? Diesem Thema widmete sich eine Fortbildung im Dürener St. Marien-Hospital, die auf großes Interesse stieß.

Übergewicht kennt jeder, es ist ein häufig thematisiertes gesellschaftliches Problem, das oft dargestellt wird. Mangelernährung in Deutschland hingegen ist den meisten Menschen kein Begriff, obwohl je nach Erkrankung jeder vierte oder sogar jeder zweite Krankenhauspatient davon betroffen ist: Bei chronischen Krankheiten, bei Tumorerkrankungen, aber auch aufgrund von altersbedingten Veränderungen kann Mangelernährung auftreten.

Die Ursachen sind unterschiedlich. Bei Krebserkankungen ist der Stoffwechsel gestört und Nährstoffe werden nicht so gut aufgenommen. Bei älteren Menschen können verändertes Geschmacksempfinden und damit einhergehend mangelnder Appetit oder Kau- und Schluckschwierigkeiten vorhanden sein. Entscheidend ist, die Mangelernährung zu erkennen. Deshalb untersucht die Ernährungsberaterin und Diätassistentin im St. Marien-Hospital, Petra Klein, die Patienten auf Mangelernährung. Sie ermittelt, ob ein Gewichtsverlust vorliegt und wie das Ernährungsverhalten des Patienten ist. Sind auch die Ursachen der Mangelernährung festgestellt, beginnt die individuelle Behandlung. Ein Ernährungsplan wird erstellt. Erst wenn orale Ernährung nicht möglich oder ausreichend ist, kommt die Ernährung über eine Sonde oder über eine direkte Infusion zum Einsatz.

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Im Gegensatz zur Unterernährung, bei der der Energiespeicher reduziert ist, liegen bei der Mangelernährung ein krankheitsassoziierter Gewichtsverlust, reduzierte Muskelmasse durch Eiweißmangel und ein Mangel an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen vor, wie Prof. Dr. Ulrich Kampa darlegte. Er ist Honorarprofessor an der FH in Rheine für den Studiengang Clinical Nutrition und Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin im Evangelischen Krankenhaus Hattingen.

Deshalb ist Mangelernährung auch ein Risikofaktor für medizinische Komplikationen. Bei mangelernährten Patienten treten zum Beispiel Herzinfarkt, Nierenversagen, Wundinfekt oder Thrombosen häufiger auf als bei gut ernährten Patienten. Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, sofort, wenn die Patienten ins Krankenhaus kommen, diese auf Mangelernährung zu untersuchen. Prof. Kampa und Dr. med. Norbert von Depka, Leitung Medizin-Controlling ctw, gingen zudem auf die Kosten ein, die Mangelernährung im Gesundheitswesen verursacht: es sind mehrere Milliarden pro Jahr, die bei der Therapie, die die Lebensqualität der Patienten erheblich verbessert, eingespart werden könnten.

Zu der Fortbildungsveranstaltung im St. Marien-Hospital zum Thema Ernährungstherapie bei Mangelernährung hatten Dr. med. Thomas Heyer, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin im St. Marien-Hospital, Martina Eichstaedt, Ärztliche Leiterin der onkologischen Praxis im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) am St. Marien-Hospital, und Dr. med. Norbert von Depka eingeladen. Petra Klein referierte zu Ernährungstherapie im St. Marien-Hospital, bevor Dr. von Depka über wirtschaftliche Auswirkungen der Mangelernährung fürs Gesundheitssystem sprach. Anschließend informierte Prof. Dr. Ulrich Kampa über Mangelernährung in Deutschland. Dr. Heyer moderierte die Fortbildungsveranstaltung.

Zahlreiche interessierte niedergelassene Mediziner sowie Ärzte, Küchenleiter, Diätassistenten, Ernährungsberater und Pflegekräfte aus den Krankenhäusern und Seniorenzentren besuchten die Veranstaltung.


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