Exkursions-Angebot

Kirchen im Linnicher Land sind wahre "Schmuckkästchen"
Von Droothée Schenk [07.07.2014, 08.22 Uhr]

St. Pauli Bekehrung ist die Kirche von Wilhelm Buschulte, wie Kunsthistorikerin Christine Hase (4.v.l.) ihren Zuhörern erklärte.

St. Pauli Bekehrung ist die Kirche von Wilhelm Buschulte, wie Kunsthistorikerin Christine Hase (4.v.l.) ihren Zuhörern erklärte.

Viele Kirchen in der Region sind wahre „Schmuckkästchen“. Die Ausstattung ist ausgesucht und inspirierend – das gilt auch für die Gotteshäuser im Linnicher Land. Wie wertvoll sie sind, hat Kunsthistorikerin Christine Haße Teilnehmern einer Exkursion des Deutschen Glasmalerei-Museums vermittelt. Dabei ging es nicht nur um die Fenstergestaltung.

Zur Besinnung kamen die Kirchenbesucher an diesem Tag eher nicht. Dazu nahmen die sakrale Räume an der 36 Kilometer langen Route von Rurdorf über Gereonsweiler, Körrenzig, Gevenich, Lövenich nach Lich-Steinstraß sie zu sehr in Anspruch.

Dreifach geballte Schaffenskraft erwartete die Rundreisenden mit Anton Wendling, Maria Katzgrau und Ludwig Schaffrath bereits an Station 1: St. Pankratius Rurdorf. Harmonisch und vergleichsweise einfach verständlich ließ sich etwa die Sternrose in blutrot und marianisch reinem Blau von Wendling lesen, und auch die Chorgestaltung mit Ähren und Trauben seiner Schülerin Katzgrau sind für christlich geprägte Menschen keine gedanklichen Herausforderungen – anders „die Schaffraths“, auf die die Gruppe dann auch wieder in St. Gereon Gereonsweiler trafen. Bei seinen freien Kompositionen waren die Hintergrundkenntnisse Christine Haßes erhellend: Röntgenbilder, erläuterte sie, hätten den Künstler bei einem Krankenhausaufenthalt beeindruckt, und so erkläre sich das Motiv, das an Beckenknochen erinnere. „Die Assoziationen sind
gewollt“, betonte die Kunsthistorikerin.

Viel Raum für Gedankenspiele und Austausch ließ die Fachfrau, und so mutete die kirchen-kunstgeschichtliche Unternehmung zuweilen wie der Ausflug einer Großfamilie an, in der Geschichten oder Persönliches ausgetauscht wurden und Nachfragen nicht ohne Antwort im luftleeren Raum blieben. Ein Grund hierfür war, dass vier ehemalige Mitarbeiter der Linnicher Traditions-Glaswerkstatt Oidtmann, deren Signatur sich ja in fast jeder Kirche der Gegend findet, an der Exkursion teilnahmen.

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Justus Peters und Franz-Josef Wolff (r.) „vor“ Schaffrath in Gereonsweiler

Justus Peters und Franz-Josef Wolff (r.) „vor“ Schaffrath in Gereonsweiler

„Da werden Erinnerungen wach“, schmunzelte Franz-Josef Wolff, der nach 40 Dienstjahren in Pension gegangen war. Etwa dass der MGV Sängerkranz, dem er angehörte, ein Theaterstück aufführte und das Eintrittsgeld zur Stiftung des Schaffrath-Fensters in Rurdorf nutzte. Nicht ohne Stolz berichtete er auch von seiner Mitarbeit am raumhohen Fenster in St. Gereon Gereonsweiler, das trotz „dicker Backe“ pünktlich zum Weihnachtsfest fertig wurde.

Eine glückliche Fügung für die Teilnehmer war auch, dass Christine Haße aus persönlichen Erlebnissen mit den Künstlern berichten konnte. „Buschulte hat selbst gesagt: Ich habe ganz irre Sachen gemacht“, erzählte sie etwa in St. Pauli Bekehrung und erläuterte das über Jahre gewachsene bildnerische Konzept des Künstlers, der die Chorfenster in der Lövenicher Kirche als seine liebsten bezeichnet haben soll. Schwer zu verstehen, wie Haße einräumte, aber als gläubiger Katholik habe er auf die Bibelfestigkeit der Betrachter gebaut. Durchaus komplex zeigten sich Bau- und Fenstergestaltung in der jüngsten Kirche: St. Matthias und Andreas in Lich-Steinstraß. Haße zitierte Künstler Hubert Spierling: „Das Engels- und Begegnungsmotiv habe ich bewusst so reduziert, dass nur noch der Kern übrig geblieben ist.“

Auf den „Kern der Sache“ vorgestoßen ist die 30-köpfige Exkursionsschar ganz sicher – aber die Lust an weiterer Entdeckung war ungebrochen. „Wir könnten diese Reihe noch zehn Jahre fortsetzen“, sagte Christine Haße lachend und zeigte sich von dem konzentrierten Interesse ihrer Mitfahrer ausgesprochen begeistert


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