Am Beispiel St. Angela Schule:

Düren: "Smart User", Helfer in der digitalen Welt
Von Dorothée Schenk [25.03.2014, 08.33 Uhr]

Mit Engagement und Spaß sind die "Smart User" an der St. Angela Schule am Werk.

Mit Engagement und Spaß sind die "Smart User" an der St. Angela Schule am Werk.

Freunde auf dem Handy anrufen, SMS schicken, im Internet chatten, Fotos machen und sie gleich ins Netz laden – für die junge Generation ist das Alltag. Der Fülle von Möglichkeiten stehen in der digitalen Welt eine Fülle von Gefahren gegenüber. Gut, wenn es „Smart User“ gibt. An diesem Projekt haben sich sechs Schulen aus Düren und Jülich beteiligt. Eine von ihnen ist die St. Angela Schule in Düren.

Über 400 „Freunde“ auf Facebook zu haben, ist fast schon Normalität. Kennen… das ist dann schon eine andere Sache. Keine Ausnahme ist es, dass Jugendliche bereits einschlägige Erfahrungen haben, weiß Mechthild Bölting, Sozialpädagogin am St. Angela Realgymnasium und aktiv bei „basta!“, dem Verein gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen in Düren. Sie haben etwa ungewollt Mails mit pornografischem Material bekommen oder solche mit Aufforderungen zu sexuellen Handlungen oder kennen wenigstens eine Geschichte, in denen Nacktfotos von Mitschülern von Handy zu Handy gingen. In Zeiten der langen Unterrichtstage und „Klassen- chats“, in denen Probleme in der Schule ebenso ausgetauscht werden wie Hausaufgaben, ist „irgendwie auch Schule, was früher privat geklärt wurde“, sagt die Mechthild Bölting.

Ganz gezielt setzt die St. Angela Schule hier an, um Schülerinnen einen sicheren und selbstbestimmten Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln und Unterstützung anzubieten, wenn sie in Not geraten. In Klasse 5 steht der Chat-Führerschein auf dem Lehrplan, in Klasse 6 Selbstbehauptung, Schülerinnen der Jahrgänge 8 und 9 können im zweiten Jahr am Projekt „Smart User“ teilnehmen.

Das System ist denkbar einfach: Ältere Schülerinnen lassen sich schulen und erklären dann jüngeren Schülerinnen, wie sie sich richtig in der Welt von Facebook, What’s app & Co bewegen sollen – „peer to peer“ nennt sich das im Fachjargon. In der Dürener Mädchenschule haben sich elf engagierte Schülerinnen gemeldet, die in 30 Stunden „Smart User“ wurden.

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Wahre Geschichten standen im Mittelpunkt des Workshops, wie Sina Brandt erzählt. Das schafft Sensibilität und wirft Fragen wie von selbst auf: Der „Freund“ aus dem Internet, dem man beim ersten Treffen gegenübertritt, ist ein Erwachsener. Er lädt das Mädchen ein, in seinem Wagen mitzufahren. Warum steigt sie ein? Milena Heinen: „Anhand dieser Frage haben wir die Täterstrategien kennengelernt: Erst Vertrauen wecken, dann kommt die Erpressung.“ Kim Hannen ergänzt: „Etwa so: Wenn Du nicht mitgehst, erzähle ich allen, dass…“

Wie aber lässt sich eine solche Situation vermeiden? „Think before you post“, heißt das Motto: Also erstmal überlegen, ob beispielsweise das Bikini-Foto aus dem letzten Sommerurlaub, das „ich“ hochlade, unliebsame Kontakte nach sich ziehen könnte. Wichtig ist auch die Stärkung der Jugendlichen: „Trau Deinem Gefühl“ ist der nächste Baustein für „Smart User“.

Die beurkundeten Internetkenner werden jetzt im nächsten Schritt einen Flyer für ihre Mitschülerinnen erstellen und sich auf den Weg durch die Klassen 7 bis 9 von Realschule und Gymnasium machen: Einerseits um das Projekt bekannt zu machen und um Infomaterial zu verteilen, andererseits um um Vertrauen zu werben. Alicia betont: „Wir sind ansprechbar für jedes Thema. Niemand soll sich schämen, Hilfe anzunehmen.“ „Niederschwellig“ nennt es die Sozialpädagogin Bölting, „Kinder und Jugendliche gehen eher auf Gleichaltrige zu“, formuliert es Fitore Kurti. „Es ist gut, mehr zu wissen als die Erwachsenen“, grinst Yasemin Tuncay.
Vorstellen werden sich die engagierten Jugendlichen außerdem auf dem nächsten Mädchentag in Düren. Dann werden sie selbst einen Workshop anbieten.

Smart User
– das Konzept wurde 2010 mit der „Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück, „EigenSinn e.V.“ Bielefeld, den „Berliner Jungs“ und den „Mutwilligen“ aus Köln entwickelt und aus Bundesmitteln gefördert. Die Projektentwicklung wurde von jugendschutz.net und der IJAB unterstützt und das Konzept von Jugendlichen erprobt.
Im Kreis Düren haben außer der St. Angela Schule die Realschule Linnich, Haus Overbach Barmen und die Dürener Realschule Bretzelnweg, Realschule Wernersstraße und das Stiftische Gymnasium teilgenommen.
Kooperationspartner in Düren ist der Verein „basta!“, der auch Elternabende anbietet; der nächste findet am 8. April statt. Näheres unter Ruf 02421/489216.

Mehr unter
www.innocenceindanger.de

www.schuetzt-endlich-unsere-kinder.de


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