Neue Rettungswachen, mehr Personal

Kreis Düren baut seinen Rettungsdienst aus
Von Redaktion [18.02.2014, 07.06 Uhr]

Dr. Holger Behrendt (2.v.l.) überreichte Landrat Wolfgang Spelthahn (2.v.r.) das Gutachten, in dem er den gesamten Rettungsdienst des Kreises Düren analysiert hat.

Dr. Holger Behrendt (2.v.l.) überreichte Landrat Wolfgang Spelthahn (2.v.r.) das Gutachten, in dem er den gesamten Rettungsdienst des Kreises Düren analysiert hat.

Der Kreis Düren optimiert seinen Rettungsdienst. Die Zahl der Rettungswachen im Kreisgebiet soll noch in diesem Jahr von acht auf elf steigen, und statt der heute vier soll es künftig fünf Notarztstandorte geben. Ziel ist es, allen knapp 260.000 Einwohnern einen qualitativ gleichwertigen Rettungsdienst anzubieten.

"Egal ob städtischer Ballungsraum oder ländlicher Bereich – wenn Menschen Hilfe benötigen, dann muss sie überall schnellst möglich vor Ort sein. Die Zukunftsfähigkeit unseres Kreises hängt davon ab, dass wir hier exzellent aufgestellt sind", unterstrich Landrat Wolfgang Spelthahn die zentrale Bedeutung des Rettungswesens angesichts der alternden Gesellschaft.

Zur Präsentation des Fachgutachtens von Dr. Holger Behrendt vom renommierten Büro Forplan Schmiedel in Bonn hatte er unter anderem die Bürgermeister und Kreistagsabgeordneten, Vertreter der Krankenkassen und –häuser sowie der Hilfsorganisationen und des Feuerwehrbeirates der Stadt Düren ins Schulungszentrum des Kreises in Stockheim eingeladen. Die erste Gesamtanalyse des Rettungswesens im Kreis Düren ließ drei Zonen mit Handlungsbedarf erkennen: Im nordöstlichen Kreisgebiet in Bereichen der Gemeinde Titz, in der Mitte sind Teile der Gemeinde Niederzier sowie der Kreisstadt Düren betroffen, und im Süden gibt es in der Stadt Heimbach Optimierungsbedarf.

Problematisch sind die weiten Wege im über 940 Quadratkilometer großen Flächenkreis. Um zu überprüfen, ob die mittlerweile konkret definierten Hilfsfristen von acht Minuten im städtischen und zwölf Minuten im ländlichen Bereich eingehalten werden können, hatte Behrendt ein Straßennetz von über 1500 Kilometern erfasst und den Verkehrsfluss akribisch bewertet, teils nach eigener Befahrung. Mögliche Staus und selbst Tempoverluste an Steigungen flossen in seine Berechnungen ein.

In seinem jetzt vorgelegten 180-seitigen Gutachten, das auf Einsatzzahlen aus den Jahren 2012/13 fußt, kommt Behrendt zu dem Schluss, dass eine der beiden Jülicher Wachen in Richtung Merscher Höhe verlegt werden sollte. Im Bereich der Gemeinde Niederzier empfiehlt er den Bau einer zusätzlichen Rettungswache, ebenso in der Stadt Düren, wo er den Raum Rölsdorf als möglichen Standort identifiziert hat, um die Situation in den Stadtteilen westlich der Rur zu verbessern. Auch in Heimbach sieht er Bedarf für eine neue Rettungswache. Darüber hinaus soll in Nideggen erstmals ein Notarzt stationiert werden. Denn Ziel ist es, die notärztliche Versorgung kreisweit binnen 15 Minuten nach Eingang des Notrufes sicherzustellen.

Die Kosten für den Rettungsdienst tragen die Krankenkassen. "Sie haben angekündigt, dass sie alle Erkenntnisse aus einem fundierten Gutachten anerkennen und die notwendigen Maßnahmen mittragen werden", berichtete Peter Kaptain, der für das Rettungswesen verantwortliche Dezernent der Kreisverwaltung, der Versammlung. So lassen die ersten Verbesserungen nicht lange auf sich warten, wenn der Kreistag dem Verwaltungsvorschlag am 25. Februar zustimmt. Schon Anfang April 2014 kann die Wache Schlich einen zweiten Rettungswagen in Betrieb nehmen. In Heimbach, Niederzier, Düren und Jülich sollen – so die Zielsetzung - spätestens bis zum Ende des Jahres provisorische Wachen eingerichtet werden. Bis dahin soll auch ein erstes Quartier für den zusätzlichen Notarzt in Nideggen gefunden werden.

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"Der Kreis Düren setzt die bewährte Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen fort. Bis auf einen Tausch der Zuständigkeit in der Eifel wird es keine Veränderungen geben. Alle Mitarbeiter – auch die der Feuerwehr Düren – können entspannt in die Zukunft blicken, denn wir brauchen künftig nicht weniger, sondern sogar mehr Personal", würdigte Landrat Wolfgang Spelthahn das Engagement der Partner. Auch an der guten Zusammenarbeit mit den Nachbarn soll sich nichts ändern. Sind Menschen in Not, dann kennen die Retter aus dem Kreis Düren auch künftig keine Kreisgrenzen.
Der Rettungsdienst steht vor großen Herausforderungen. Trotz schrumpfender Bevölkerungszahl steigt das Einsatzaufkommen auf lange Sicht deutlich, wie Behrendts Blick bis ins Jahr 2030 zeigt. "Weil die Menschen immer älter werden, braucht der Kreis Düren mehr Fahrzeuge und mehr Personal, denn die Einsatzzahlen steigen deutlich und damit auch die Kosten", lautete die Prognose des 48-jährigen Geografen. Konkret: Statt der zuletzt knapp 31.500 Einsätze (einschließlich Krankentransport) sollen es im Jahr 2020 schon 34.750 (plus 11 %) und 2030 fast 38.900 (plus 24 %) sein. Im Konzept "Rettungsdienst Kreis Düren 2020" sollen die künftigen Anforderungen konkreter beschrieben werden.

Elf Rettungswachen, fünf Notarztstandorte

Der Kreis Düren ist als Träger des Rettungsdienstes für die Notfallversorgung der knapp 260.000 Menschen im Kreis Düren verantwortlich. Dazu stellt er einen Rettungsdienstbedarfsplan auf, der alle vier Jahre fortgeschrieben wird. Im Notfall alarmiert die Leitstelle des Kreises heute die Einsatzkräfte in folgenden Rettungswachen: Linnich (geführt vom MHD), zwei in Jülich (MHD und DRK), Langerwehe-Schlich (DRK), Düren (Feuerwehr Düren), Nörvenich-Eggersheim (MHD), Hürtgenwald-Kleinhau (DRK) und Nideggen (MHD). Der neue Bedarfsplan, der am 25. Februar vom Kreistag verabschiedet werden soll, sieht den Bau zusätzlicher Rettungswachen in der Gemeinde Niederzier, Düren und Heimbach vor. Eine der beiden Jülicher Wachen soll im Bereich Merscher Höhe neu angesiedelt werden. In Nideggen ist aus Platzgründen ebenfalls ein Neubau vorgesehen. In ihm soll erstmals auch ein Notarzt stationiert werden. Darüber hinaus sind wie bisher Notärzte an den Krankenhäusern in Linnich, Jülich, Düren und Lendersdorf einsatzbereit.

Jülich gibt die Trägerschaft der beiden Wachen im Stadtgebiet Anfang April 2014 an den Kreis Düren zurück. Er trägt damit künftig die Verantwortung für neun der elf Rettungswachen. Für die beiden weiteren ist die Stadt Düren zuständig.

Erstmals beabsichtigt der Kreis Düren, ins "operative Geschäft" einzusteigen, um die praktische Seite des Rettungsdienstes selbst kennen zu lernen. So wird er die neuen Rettungswachen in Huchem-Stammeln und Nideggen mit eigenem Personal besetzen. Die Malteser verlassen Nideggen und betreiben stattdessen die neue Wache in Heimbach. Die zusätzliche Wache in Düren wird künftig von der dortigen Feuerwehr besetzt.

Mehr Standorte heißt mehr Einsatzfahrzeuge: Statt 13 wird es demnächst 17 Rettungswagen im Kreis Düren geben.


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