Kamelle, Küsschen und Kostüme: Karneval in NRW
Von Redaktion [26.02.2014, 06.56 Uhr]

und besuchen Sitzungen. Spätestens ab Weiberfastnacht am 27. Februar haben sie dann auf den Straßen und in den Kneipen selbst ihren großen Auftritt, bevor an Aschwermittwoch, 5. März 2014, wieder alles vorbei ist. Ein Überblick zeigt, wo das jecke Treiben seine Höhepunkte erreicht.

Die fünfte Jahreszeit macht alle Kölner zu Jecken, die schunkelnd durch die Straßen ziehen. © Foto Oliver Franke/Tourismus NRW e.V.

Die fünfte Jahreszeit macht alle Kölner zu Jecken, die schunkelnd durch die Straßen ziehen. © Foto Oliver Franke/Tourismus NRW e.V.

Den Auftakt zu den eigentlichen tollen Tagen bildet Weiberfastnacht: Am 27. Februar 2014 haben die Männer in allen Karnevalshochburgen nichts zu lachen - und nichts zu sagen. Sie büßen Macht und Krawatten ein und erhalten dafür im besten Fall ein "Bützje" (Küsschen). Diese Tradition hat ihren Ursprung in Bonn: 1824 schlossen sich die Beueler Wäscherinnen zusammen, um eine Teilnahme am bislang rein männlichen Karneval zu erreichen. Noch heute ist die Stürmung des Rathauses durch die Wäscheprinzessin nicht nur der Startschuss für den Straßenkarneval, sondern eine der Hauptattraktionen in Bonn (www.festausschuss.de, www.bonn-region.de).

Die fünfte Jahreszeit macht alle Kölner zu Jecken, die schunkelnd durch die Straßen ziehen. Kein Wunder, dass der Rosenmontagszug am 3. März mit einer Länge von rund sieben Kilometern der größte Deutschlands ist. Mit ihrem Motto der Karnevalssession 2014 wagen die Kölner einen Blick in die Zukunft: "Zokunf - Mer spingkse wat kütt“, heißt es. Über eine Million Menschen am Wegesrand lassen sich auch dieses Jahr wieder davon überraschen, wie Wagenbauer und Fußgruppen das Motto umgesetzt haben. Das Warten bis "D'r Zoch kütt", also der Zug kommt, lohnt auch in anderer Hinsicht: Kamelle (Süßigkeiten), Strüßjer (Blumensträußchen) und Bützje werden großzügig an die Zuschauer verteilt. Wer garantiert gute Sicht auf den Rosenmontagszug haben möchte, findet bei KölnTourismus verschiende Angebote mit Tribünenplätzen, mit und ohne Übernachtung (www.koelntourismus.de).

Wettlauf mit Karre und Tonne

In Düsseldof stehen nicht weniger als 300 Prunksitzungen, Bälle, närrische Jubiläen, Empfänge und Kostümfeste in der närrischen Zeit auf dem Terminkalender. Vor dem eigentlichen Höhepunkt des Karnevals in der Landeshauptstadt mit dem Rosenmontagszug bietet der familiäre Karnevalssonntag auf der Königsallee Gelegenheit zum feiern. Mehrere hunderttausend Menschen treffen sich ab 11.11 Uhr auf dem Boulevard, natürlich im Kostüm. Für Musik und Verpflegung sorgen die meisten selbst, nicht selten haben sie schmucke Bollerwagen zum Transport dabei. Zu weiteren Höhepunkten des Straßenkarnevals und das Tonnenrennen im Stadtteil Niederkassel, zu dem ebenfalls am Sonntag, 2. März, Jecken in Holzschuhen zum Wettlauf mit Karre und Tonne antreten (www.duesseldorf-tourismus.de).

In Aachen gibt es neben den vielen traditionellen Sitzungen auch eine "Stehung": Bei der "Carnevale" am 17. Januar ist neben der Tanzfläche eine Programmbühne aufgebaut, so dass die Besucher wie auf einem Pop- und Rockkonzert im Stehen feiern. Weit über regionale Grenzen hinaus bekannt ist die Verleihung des "Orden wider den tierischen Ernst", die in diesem Jahr am 15. Februar vorgenommen wird. 2014 erhält den Orden Christian Linder, der Fraktions- und Landesverbandsvorsitzende der NRW-FDP (www.akv.de). Nachwuchsnarren ziehen am Tulpensonntag, 2. März, durch die Stadt. Seit 1938 macht sich jedes Jahr auf Neue der Kinderkostümzug auf den Weg durch die Kaiserstadt (www.oche-alaaf.com; ww.aachen-tourist.de).

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Einen Tag zuvor, am 1. März, lädt die Stadtgarde "Oecher Penn" von 1857 zum Penn-Ball im Eurogress Aachen ein. Der Penn-Ball ist der größte Kostümball in der Euregio, neben sechs Live-Bands gibt es zudem eine zusätzliche Ebene mit DJ (www.oecherpenn.de). In der Eifel gehen zu Karneval Gespenster um: Am Karnevalssamstag setzt sich in Blankenheim an der Ahr der traditionelle Geisterzug in Bewegung. Bei bengalischem Feuer- und Fackellicht nehmen die Gestalten am Abend des 1. März Besitz vom historischen Burgort. Wer als Geist mit durch die mittelalterlichen Gassen springen möchte, benötigt lediglich die traditionelle Kostümierung: Ein weißes Bettlaken und eine Kordel müssen mitgebracht werden, eine Pechfackel gibt's gegen eine Gebühr am Rathauseingang (www.blankenheim.de ; www.juh-jah.de).


Wenn in anderen Karnevalshochburgen die Session ihren Höhepunkt überschritten hat, legen die Mönchengladbacher erst richtig los - denn hier schlängelt sich der Karnevalszug immer erst am Veilchendienstag ab 13.11 Uhr durch die Stadt. Etwa 350 000 Närrinnen und Narren feiern diesen Höhepunkt des Straßenkarnevals jährlich mit. Unter dem Motto "Gladbach - die Perle vom Niederrhein" feiern die Jecken aber auch schon vorher, etwa auf den Möhnen-Party zu Altweiber in Mönchengladbach und dem angrenzenden Rheydt oder auf den Veedelszöch in den einzelnen Stadtteilen (www.stadtgarde-mg.de).

Karnevalistische Klassiker in Westfalen

Auch außerhalb des Rheinlands hat NRW karnevalistische Klassiker zu bieten: Mit mehr als 100 Wagen, Fußgruppen und Spielmannszügen aus der Stadt, dem Umland und aus den Niederlanden ist Münsters Rosenmontagszug einer der größten in Westfalen. Die historische Stadtkulisse verleiht dem Zug ein ganz besonderes Flair - und so säumen jährlich tausende von Menschen seinen Weg (www.bmk-muenster.de, www.tourismus.muenster.de). Das 1. Karnevalsmuseum in Westfalen bietet theoretische Einblicke in die westfälische und rheinische Narrenzeit. Untergebracht in einem alten Bauernhof beherbergt es Orden, bunte Masken und Uniformen rund um die fünfte Jahreszeit. Bilder und Geschichten der vergangenen Sessionen bis weit in die Nachkriegszeit ergänzen das Angebot (http://kgpaohlbuerger.de/pages/karnevalsmuseum.php).

Und auch die Region Teutoburger Wald kann mit karnevalistischen Besonderheiten aufwarten: In Beverungen im Kreis Höxter zum Beispiel führt der große Rosenmontagsumzug durch zwei Bundesländer. Seinen Ausgangspunkt hat der Zug in Lauenförde auf der niedersächsischen Seite der Weser. Er führt dann über die Weserbrücke, wo die Grenze zu Nordrhein-Westfalen überschritten wird, nach Beverungen. Der Zug ist so lang, dass sich die ersten Karnevalisten schon weit im nordrhein-westfälischen Beverungen tummeln, während viele Narrengruppen noch in Niedersachsen auf den Aufbruch warten (www.beverungen.de). In Bielefeld wird nicht an Rosenmontag gefeiert, sondern erst am 31. Mai beim Carnival der Kulturen. Rund 70 Gruppen ziehen dann durch die Stadt – jeckes Treiben mitten im Sommer und etwa 100.000 Zuschauer feiern mit (www.carnival-bielefeld.de). In Delbrück nahe Paderborn blicken die Närrinnen und Narren stolz auf ihre "Eintracht von 1832": Der Narrenverein ist der älteste im Bund des Westfälischen Karnevals. Höhepunkte der Delbrücker Karnevalssession sind in jedem Jahr der Kinderzug am Karnevalssonntag und der Rosenmontagszug (www.karneval-in-delbrueck.de).


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