Virtuelles Modell

Alte Kirche Körrenig ist vermessen
Von Redaktion [06.10.2013, 07.59 Uhr]

Auf eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte verweist der Verein „Rettet die Alte Kirche“ Körrenzig. Mit einem riesigen finanziellen Aufwand setzte er den Anspruch seines Namens innerhalb der vergangenen 15 Jahre um und renovierte das Kleinod des zur Stadt Linnich gehörenden Ortes.

Welche Arbeit, Anstrengungen und Materialmengen dazu benötigt wurden, verdeutlicht der Archäologe Simon Matzerath in seiner 240-seitigen Dokumentation „Die alte Pfarrkirche St. Peter zu Körrenzig“, die jetzt als Band 21 der Veröffentlichungen des Jülicher Geschichtsvereins erschienen ist. In dieser detaillierten sowie umfangreichen Untersuchung versucht Matzerath zudem zu ergründen, wo die Ursprünge des Ortes liegen, woher sein Name kommt, und wie sich der Bau über die Jahrhunderte verändert hat.

So erhalten die Körrenziger Bürger einen hervorragenden Überblick über die Geschichte ihres Ortes und ihrer alten Pfarrkirche bis hin zum gegenwärtigen Zustand des Gotteshauses. Dabei kamen auch moderne Untersuchungsmethoden wie Georadar und 3D-Laserscan zum Einsatz. Mit dem glücklichen Effekt, dass gleich zwei verschiedene 3D-Modelle der Alten Kirche entstanden. Das eine, ein abstraktes Modell der Kirche, entwickelte Hans Riemers „aus einer unübersichtlichen Wolke von Messpunkten der Aufnahme von 1995“, das andere schuf das Vermessungsbüro Stollenwerk & Kuckuck aus Bergheim.

Vor den Fundamentarbeiten und Sicherungsmaßnahmen hatte das Büro bereits zu Anfang des 2. Jahrtausends die Dokumentation des Bestandes für die Firma Rheinbraun gemacht, erinnert sich Hermann Josef Stollenwerk. Bei der Sichtung der Unterlagen nahm Simon Matzerath Kontakt zum Vermessungsbüro auf. Hans Riemers seinerseits interessierte sich speziell für 3D-Daten, denn das Büro verfügt über einen Laserscan, der 3D-Messbilder produziert. „Da hat er gefragt: Könnt Ihr das nicht mal vornehmen? Da haben wir das getan“, erklärt Stollenwerk.

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Das Vermessen selbst sei von der zeitlichen Komponente her nicht sehr aufwändig, meint sein Kompagnon Holger Kuckuck. Für die Alte Kirche wurden an 17 Standpunkten Messungen mit dem Laserscanner vorgenommen – einmal rundherum 360 Grad um die Achse in der Horizontalen und 335 Grad in der Vertikalen, weil der Scanner auf einem Stativ steht, so dass unter ihm ein geringer Teil ausgespart wird. Es sei eben ein typisches Vermessungsinstrument. „Das Scannen selber dauert ungefähr sechs bis sieben Minuten“, unterstreicht Kuckuck. „Dann machen wir noch Fotos hinterher, damit man hinterher die Farbinformation auf die Punktewolke ‚aufmappt’. Das ganze Prozedere dauert pro Standpunkt etwa eine Viertelstunde.“ Insgesamt kommen so etwa vier Stunden plus An- und Abreise zusammen.

Angewendet wird der 3D-Scanner in den Bereichen Denkmalschutz oder Gebäudebestand und –gefährdung von einem auszubessernden Reiterstandbild über eine Straßenbahnhaltestelle gescannt bis zur Vertikalitätsprüfung in einem Kraftwerk. Es sei ein sehr breites und vielfältiges Feld, dabei aber nur ein zusätzliches Angebot des Vermessungsbüros und nicht dessen Hauptbetätigungsfeld. „Manchmal hat man zwei oder drei Projekte hintereinander weg, manchmal steht der Scanner zwei Monate und ist nicht im Einsatz.“ Dennoch hat das Büro schon einige Kirchen vermessen. Zudem ließe sich das Scannen auf alle Kirchen anwenden. „Vor Ort reicht normalerweise ein Tag. Wenn Sie den Kölner Dom scannen wollten, bräuchten Sie ein bisschen länger.“ Von außen und innen wären die Beteiligten wohl vier Wochen beschäftigt, beim Aachener Dom vielleicht die Hälfte.

Die Nachbereitung ist indes ungleich komplexer. „Es ist die Frage: Was will man haben, was wünscht der Kunde? Braucht er nur ein Modell, in dem er sich selber drin bewegen kann?“ Will er nur schnell Punkte anklicken, um Abstände oder Höhen abzuschätzen, ließe sich dies relativ schnell erzeugen. Geht es darum, aus der bestehenden Punktwolke ein richtiges Modell zu erzeugen, bei dem alle Kanten und Seiten nachgezeichnet werden müssen, wird es aufwändig. „Dann können Sie einen aktuellen Faktor fünf bis zehn Mal von dem, was Sie draußen gescannt haben, anlegen.“ Viel Tüftelei – davon ist auch die Höhe der Kosten abhängig. Die Menge der Daten ist immerhin so groß, dass sie auf externen Terabyte-Festplatten ausgelagert werden. Da passen gerade zwei bis drei Projekte drauf.

„In Körrenzig ging es um eine Bestandsaufnahme, wie der Zustand im letzten Jahr war. Da war die Renovierung weitestgehend abgeschlossen“, bemerkt Manfred Vieten, Ansprechpartner des Vereins „Rettet die Alte Kirche“. Also eher ein zukunftsgerichtetes Projekt: Holger Kuckuck gibt als Beispiel, eventuell in fünf Jahre neue Vermessungen des Gewölbes anzustellen um herauszufinden: Was hat sich in den fünf Jahren an dem Gewölbe getan? Besteht womöglich Handlungsbedarf?

Der Ist-Zustand zeigt zumindest, dass die Kirche gut genutzt wird – für klerikale Handlungen wie Gottesdienst oder Familienfeiern, aber auch drei bis vier Mal im Jahr für Chor- und Instrumentalmusikkonzerte zwischen Klassik und Jazz.

Weitere Informationen unter www.altekirche-koerrenzig.de im Internet.


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