Kreis Düren: Drei Stellen für anonyme Spurensicherung
Von Redaktion [19.07.2013, 06.54 Uhr]

Nicole Savelsberg (l.) und Sigrid Bergsch weisen darauf hin, dass Spuren einer Vergewaltigung im Kreis Düren auch ohne Namensnennung gesichert werden können. Das ist bis zu 72 Stunden nach der Tat kostenlos in drei Krankenhäusern möglich.

Nicole Savelsberg (l.) und Sigrid Bergsch weisen darauf hin, dass Spuren einer Vergewaltigung im Kreis Düren auch ohne Namensnennung gesichert werden können. Das ist bis zu 72 Stunden nach der Tat kostenlos in drei Krankenhäusern möglich.

Laut einer repräsentativen Studie zur Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland aus dem Jahr 2004 hat jede siebte Frau seit dem 16. Lebensjahr Formen sexueller Gewalt erlebt. Die Übergriffe finden überwiegend im sozialen Nahbereich durch männliche Täter statt.

In Fällen von sexualisierter Gewalt erstatteten laut Bundesstudie nur acht Prozent der Frauen eine Anzeige. Die Hemmschwelle, vor allem eine bekannte oder verwandte Person anzuzeigen, ist groß. Viele Opfer sind nach der Tat nicht in der Lage, über das Erlebte zu sprechen oder eine Aussage zu machen. Sie haben Angst, schämen sich, sind traumatisiert und möchten nicht noch einmal mit dem Erlebten konfrontiert werden oder können sich gar nicht mehr an die Tatumstände erinnern. Aber nach einer Spurensicherung, die im Kreis Düren in anonymisierter Form angeboten wird, können Betroffene sich Zeit lassen mit einer Anzeige. Leider sind die Informationen darüber noch ungenügend bekannt, wie ein konkreter Fall gezeigt hat.

Eine junge Frau erhielt nach einer Vergewaltigung die Fehlinformation, dass eine Spurensicherung nur mit Einschalten der Polizei möglich ist. Außerdem wurden ihr in Aussicht gestellt, alle Kosten einer entsprechenden Untersuchung selbst zahlen zu müssen. Beide Informationen sind falsch.

Diese Frau hat durch die Fehlinformation der Ärztin wertvolle Zeit versäumt, denn wenn innerhalb von 72 Stunden Spuren oder Verletzungen in jedem Fall dokumentiert worden wären, hätte die Betroffene Zeit gehabt, sich psychisch zu stabilisieren, Unterstützung zu suchen, ihre häusliche Situation zu regeln und erst dann Anzeige zu erstatten. Wichtig zu wissen: Bei den „klassischen“ K.O.-Tropfen ist ein Nachweis im Blut nach sechs Stunden und im Urin nach zwölf Stunden seit der Aufnahme unwahrscheinlich.

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Im Kreis Düren können Betroffene nach einem sexuellen Übergriff derzeit in einem der drei beteiligten Krankenhäuser anonym Spuren sichern lassen und haben anschließend zwei Jahre Zeit zur Anzeige. Folgende Krankenhäuser können dazu aufgesucht werden: das Krankenhaus Düren, das St. Marien-Hospital (Frauenklinik und Kinderklinik) in Birkesdorf oder das St. Elisabeth-Krankenhaus in Jülich.

Der Verein HObAS - Hilfe für Opfer bei Anonymer Spurensicherung - gewährleistet die Organisation und Überführung der Spuren und Proben an die Rechtsmedizin Köln, in der sie zwei Jahre anonym unter einer Chiffre gelagert werden. Innerhalb dieser zwei Jahre können die Spuren dort nach einer Anzeige untersucht und für ein Verfahren verwendet werden. Die Kosten für die Untersuchung und Behandlung trägt dabei die Krankenkasse, die Kosten für die Überführung trägt der Verein HObAS, die Kosten für die Untersuchung im Rechtsmedizinischen Institut im Falle einer Anzeige werden ebenfalls übernommen. Für die Betroffene entstehen keine Kosten. Beim Verdacht auf eine Sexualstraftat unter Einwirkung von sogenannten K.O.-Tropfen sollten zunächst Informationen beim Verein HObAS eingeholt werden .

Nicole Savelsberg, Ärztin im Gesundheitsamt, weist in diesem Zusammenhang auch auf die Notwendigkeit hin, innerhalb der ersten Woche nach einer Vergewaltigung im Gesundheitsamt die Möglichkeit eines anonymen HIV-Testes in Anspruch zu nehmen. Dieser Test ist notwendig für die Beweisführung, falls es zu einer HIV-Infektion durch den Täter gekommen ist.

Weitere Informationen zum Thema "Anonyme Spurensicherung" gibt es bei Sigrid Bergsch unter der Rufnummer 015789300665.


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