LVR-Denkmalpfleger ergründeten weiter Bauplan der Pfalzkapelle

Aachen: Die perfekte Geometrie der Pfalzkapelle Karls des Großen
Von Redaktion [17.06.2012, 10.04 Uhr]

1200 Jahre nach der Errichtung der Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen hat das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland nun das Rätsel des Bauplans weiter ergründet, das in der Vergangenheit bereits viele Deutungen erfahren hat. Dabei stützten sich die Forscher des Landschaftsverbandes Rheinland auf die Ergebnisse einer neuen, exakten Vermessung. Der Pfalzkapelle liegt ein vollkommener geometrischer Plan zugrunde. Der Entwurf und das Maßsystem sind ebenso einfach wie genial. Streng geometrisch aufgebaut basieren sie auf Kreis und Quadrat, sind mit Zirkel und Lineal leicht zu konstruieren und umfassen das gesamte Bauwerk mit einheitlichen Maßverhältnissen. Die geometrische Konzeption des Entwurfs ist unmittelbar einleuchtend, von großer Klarheit, Schönheit und logischer Konsequenz.

Dem Bau der Pfalzkapelle liegt ein Fußmaß von 32,24 Zentimeter zugrunde. Dieses entspricht recht genau dem sogenannten französischen oder Pariser Königsfuß (32,48 Zentimeter), der sich vor der Einführung des metrischen Systems als anerkanntes Vergleichsmaß durchsetzte. Die neuen Erkenntnisse lassen vermuten, dass der Königsfuß seinen Ursprung in Aachen hatte und auf Karl den Großen zurückgeht. Die Maße der Pfalzkapelle gehören dem im Mittelalter gebräuchlichen Duodezimalsystem (Zwölfersystem) an und sind aufeinander bezogen: Das Maß des zentralen Oktogons beträgt 48 Fuß, Höhe und Breite der Kirche entsprechen dem zweifachen Maß des Oktogons (96 Fuß), die Länge dem dreifachen Maß des Oktogons (144 Fuß). Grundlegend ist ein Bauraster von 6 Fuß, das heißt alle wichtigen Baumaße sind teilbar durch 6.

Werbung

Die Zahl 6 gilt seit der Antike als vollkommene Zahl, denn sie entspricht der Summe ihrer Teiler (1+2+3=6) und als einzige Zahl auch deren Produkt (1x2x3=6). Auch die karolingische Bauinschrift im Innern des Oktogons bezieht sich auf die Maßverhältnisse: "Und wenn in gleichen Abmaßen alles zusammenstimmt, pranget das Werk des Bauherrn, der das ganze Kirchengebäude errichtet" (Inque pares numeros omnia conveniunt, claret opus domini, totam qui construit aulam). Es ist mehr als nur ein gelehrtes Spiel mit Zahlen und Figuren. In der Vollkommenheit der Geometrie und in der Harmonie der Maße liegt die Kernidee der Aachener Pfalzkapelle, die als Tempel Salomos in Aachen begriffen wurde.

Die Forschungsergebnisse zur Geometrie der Aachener Pfalzkapelle sind zusammen mit anderen Beiträgen bald detailliert nachzulesen in einer umfangreichen Publikation, die anlässlich der abgeschlossenen Restaurierung des karolingischen Bauwerks im August 2012 erscheint: Ulrike Heckner, Der Tempel Salomos in Aachen: Datierung und geometrischer Entwurf der karolingischen Pfalzkapelle.

In: Die karolingische Pfalzkapelle in Aachen. Bauforschung - Bautechnik - Restaurierung (=Arbeitsheft der Rheinischen Denkmalpflege, 78). Werner-Verlag, Worms.


Dies ist mir was wert:    |   Artikel veschicken >>  |  Leserbrief zu diesem Artikel >>

NewsletterSchlagzeilen per RSS

© Copyright 2017 Presse- und KulturBüro Schenk + Schenk | Datenschutz

Das Brenzlicht

Mehr Zivilcourage
Es gehört Zivilcourage dazu, Kritik zu üben an einer Preisverleihung, die Zivilcourage auszeichnet und sich gegen das Vergessen der Greueltaten der Nazis positioniert. Toleranz – so die Namensergänzung der veranstaltenden Jülicher Gesellschaft – gehört dazu, um auszuhalten, wenn von vier zu Ehrenden drei als Nebenprodukt behandelt werden und der einzige, durchaus nicht unumstrittene Ausgezeichnete vom Laudator eine Würdigung erfährt, die nicht nur einige Menschen befremden dürfte.  [01.03.2017, 07.54 Uhr]  >>

Alle Brenzlichter >>

Top-Thema

Freiflug über die "Sophie"
Der Barmener Olaf Kiel ist begeisterter Pilot von Multi- und Quadrokoptern, landläufig auch als Drohnen bekannt. Zwei bis dreimal in der Woche startet er in die Jülicher Börde mit seinem großen Koffer im Gepäck. Gut geschützt liegt darin die in Einzelteile zerlegte Flugmaschine, denn erst vor Ort werden die Rotoren angeschraubt und die Kamera in die Lagerung, die so genannte Gimbal, eingehängt.  [08.04.2017, 07.42 Uhr]  >>

Stadtteile

Kita „Die kleinen Strolche“: Jubiläumsfeier eine Woche lang
„Was wollen wir trinken sieben Tage lang?“, heißt ein ziemlich bekanntes Fest- und Feierlied. Da so ein 50-jähriges Jubiläum bei der Kita „Die kleinen Strolche“ in erster Linie ein Fest für die Kinder ist, hat sich das Team der Einrichtung überlegt, mit den Kindern, die sie im Moment besuchen, kräftig und sieben Tage lang zu feiern. Es geht los mit dem Dasda Theater, das am Donnerstag, 27. April, das Stück Petterson und Findus im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Düsseldorfer Straße 30, für die Kita-Kinder aufführen wird.  [26.04.2017, 13.58 Uhr]  >>
Im Heckfeld Geschmack am Glauben finden
Einen Ruhepol im Alltag finden. Innehalten, dem eigenen Getriebensein im Leben regelmäßig einen Ort des Atemholens zu geben, dazu dienen Exerzitien im Alltag. Seit fast 20 Jahren wird in St. Rochus Jülich diese Tradition in der Fastenzeit gepflegt. [09.04.2017, 14.12 Uhr]  >>

Vereine

Lebendiges Geschichtsgedächtnis [09.04.2017, 14.51 Uhr]  >>
Bestehen unter des Meisters Augen [09.04.2017, 13.19 Uhr]  >>

Immer auf dem Laufenden



Newsletter >>

JüLicht auf Ihrer Site

Sie können unsere aktuellen Schlagzeilen auf Ihrer Website präsentieren - hier steht, wie >>.

Kontakt

Welches Anliegen Sie auch immer bewegt, über unser Kontaktformular >> können Sie mit uns in Verbindung treten.

Werbung