Ausstellung "Jagd auf die Moderne. Verbotene Künste im Dritten Reich."

"Verboten und verfolgt" in Mülheim
Von Redaktion [25.03.2012, 09.29 Uhr]

Die polnische Kuratorin Dr. Monika Rydiger (links) und Judith Schönwiesner, LVR-Kuratorin für das Projekt "Jagd auf die Moderne". Fotos: Lothar Kornblum / LVR

Die polnische Kuratorin Dr. Monika Rydiger (links) und Judith Schönwiesner, LVR-Kuratorin für das Projekt "Jagd auf die Moderne". Fotos: Lothar Kornblum / LVR

Eine einzigartige Zusammenstellung von 180 Werken zeigt nun die Ausstellung "Jagd auf die Moderne". Verbotene Künste im Dritten Reich", die der Landschaftsverband Rheinland (LVR), das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr und das International Cultural Center (ICC), Krakau heute vorgestellt hat. Werke bildender Kunst, Literatur und Musik verweisen auf das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte, welches mit der Machtergreifung Hitlers 1933 begann. Die Exponate in ihrer Vielfalt verbindet, dass sie aufgrund ihrer modernen Ausdrucksformen und die Künstler wegen ihrer ethnischen Herkunft oder politischen Gesinnung nicht dem ästhetischen und ideologischen Bild der Nationalsozialisten entsprachen. Die Künste galten als "entartet" - ihre kreativen Erschaffer indes wurden öffentlich diffamiert, gejagt, vertrieben und ermordet, darunter Emil Nolde, Rudolf Belling, Anna Seghers, Otto Freundlich und Lion Feuchtwanger.

Doch nicht nur Werke deutscher Kunstschaffender wurden nach nationalsozialistischen Maßstäben selektiert. Während der Okkupation wiederfuhr auch polnischen Künstlern dieses Schicksal - auch ihre Werke zeigt die Ausstellung, die bis vor wenigen Wochen noch im ICC zu sehen war. Sie verdeutlicht mithin die Struktur der nationalsozialistischen Kulturpolitik und ihrer verheerenden Auswirkungen auf die Kultur beiden Länder sowie die Lebensläufe der präsentierten Künstlerinnen und Künstler.

"Der LVR versteht die ,Jagd auf die Moderne' als aktiven Beitrag zum Polen-NRW-Jahr", erklärte Milena Karabaic, LVR-Dezernentin Kultur und Umwelt. "Eine Ausstellung, welche dieses Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte zum Thema hat, und die in Zusammenarbeit mit einem polnischen Partner entstanden ist, kann nie nur eine Ausstellung über die Situation allein in Deutschland sein. Sie muss immer die Situation in Polen und in Europa einbeziehen und ist somit höchst aktuell. Ich bin sicher, dass sie dazu beiträgt, Geschichte im Dialog aufzuarbeiten, Verantwortung zu übernehmen und den zukünftigen Diskurs gemeinsam zu gestalten".

Werbung

Dr. Beate, Reese, Direktorin des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr, Prof. Jacek Purchla, Direktor des International Cultural Centre, Krakau, und Milena Karabaic, LVR-Dezernentin Kultur und Umwelt  (v.l.) eröffneten die Ausstellung.

Dr. Beate, Reese, Direktorin des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr, Prof. Jacek Purchla, Direktor des International Cultural Centre, Krakau, und Milena Karabaic, LVR-Dezernentin Kultur und Umwelt (v.l.) eröffneten die Ausstellung.

Nach der Präsentation im ICC in Polen ist die "Jagd auf die Moderne" nun im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr zu sehen. "Das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr mit seiner bedeutenden Sammlung zur Klassischen Moderne ist die einzige deutsche Station dieser interdisziplinär ausgerichteten Ausstellung", so Dr. Beate Reese, Direktorin des Museums. "Wir sehen es als besondere Aufgabe und Herausforderung an, diese Ausstellung mit Leihgaben auch aus polnischen Museen anschaulich einer jüngeren Generation zu vermitteln. Das Interesse an der Ausstellung und unserem Zeitzeugenprojekt ist bereits jetzt sehr groß."

Das Zeitzeugenprojekt ist ein generationenübergreifendes Bildungs- und Vermittlungsangebot insbesondere für weiterführende Schulen. Es besteht aus den Modulen Ausstellungsrundgang, Gespräch mit einem Zeitzeugen, einer Zeitzeugin sowie einem praktischen Workshop.

Zu "einer der zehn wichtigsten Ausstellungen 2011" zählte die polnische Zeitschrift "Polityka" - vergleichbar mit dem "Spiegel" - die "Jagd auf die Moderne". "Mehr als 10.500 Besucherinnen und Besucher kamen in unser Haus", so Prof. Dr. Jacek Purchla, Direktor des ICC. "Wir konnten dem polnischen Publikum nicht nur die Errungenschaften deutscher Kunst des 20. Jahrhunderts näherbringen, sondern zugleich auch das tragische Kapitel der Kulturgeschichte beider Länder unter den Nationalsozialisten aufzeigen."

Judith Schönwiesner, LVR-Kuratorin des Projektes: "Über die Aufarbeitung unserer Geschichte hinaus, darf nicht vergessen werden, dass auch im 21. Jahrhundert noch immer Künstler um ihr Leben fürchten müssen, weil ihre Arbeiten nicht dem gewünschten staatlichen Ideal entsprechen. Es wäre wünschenswert, wenn die Ausstellung es schafft, den Blick zu schärfen für die Unterdrückungsmechanismen totalitärer Systeme, so dass ein Weiterdenken provoziert und das Recht auf den freien Ausdruck im Bewusstsein gehalten wird. Nur so wird es möglich sein, aus der Vergangenheit zu lernen, heutige Strömungen diktatorischer Politik zu erkennen und die Stimme für die Opfer dieser Systeme zu erheben".

Die Ausstellung ist vom 18. März bis 28. Mai 2012 im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr zu sehen. Der Eintritt kostet 4 Euro, ermäßigt 2 Euro. Zur Ausstellung ist ein dreisprachiger Katalog erschienen.

Weitere Infos unter www.jagdaufdiemoderne.lvr.de


Dies ist mir was wert:    |   Artikel veschicken >>  |  Leserbrief zu diesem Artikel >>

NewsletterSchlagzeilen per RSS

© Copyright 2017 Presse- und KulturBüro Schenk + Schenk | Datenschutz

Das Brenzlicht

Mehr Zivilcourage
Es gehört Zivilcourage dazu, Kritik zu üben an einer Preisverleihung, die Zivilcourage auszeichnet und sich gegen das Vergessen der Greueltaten der Nazis positioniert. Toleranz – so die Namensergänzung der veranstaltenden Jülicher Gesellschaft – gehört dazu, um auszuhalten, wenn von vier zu Ehrenden drei als Nebenprodukt behandelt werden und der einzige, durchaus nicht unumstrittene Ausgezeichnete vom Laudator eine Würdigung erfährt, die nicht nur einige Menschen befremden dürfte.  [01.03.2017, 07.54 Uhr]  >>

Alle Brenzlichter >>

Top-Thema

Freiflug über die "Sophie"
Der Barmener Olaf Kiel ist begeisterter Pilot von Multi- und Quadrokoptern, landläufig auch als Drohnen bekannt. Zwei bis dreimal in der Woche startet er in die Jülicher Börde mit seinem großen Koffer im Gepäck. Gut geschützt liegt darin die in Einzelteile zerlegte Flugmaschine, denn erst vor Ort werden die Rotoren angeschraubt und die Kamera in die Lagerung, die so genannte Gimbal, eingehängt.  [08.04.2017, 07.42 Uhr]  >>

Stadtteile

Kita „Die kleinen Strolche“: Jubiläumsfeier eine Woche lang
„Was wollen wir trinken sieben Tage lang?“, heißt ein ziemlich bekanntes Fest- und Feierlied. Da so ein 50-jähriges Jubiläum bei der Kita „Die kleinen Strolche“ in erster Linie ein Fest für die Kinder ist, hat sich das Team der Einrichtung überlegt, mit den Kindern, die sie im Moment besuchen, kräftig und sieben Tage lang zu feiern. Es geht los mit dem Dasda Theater, das am Donnerstag, 27. April, das Stück Petterson und Findus im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Düsseldorfer Straße 30, für die Kita-Kinder aufführen wird.  [26.04.2017, 13.58 Uhr]  >>
Im Heckfeld Geschmack am Glauben finden
Einen Ruhepol im Alltag finden. Innehalten, dem eigenen Getriebensein im Leben regelmäßig einen Ort des Atemholens zu geben, dazu dienen Exerzitien im Alltag. Seit fast 20 Jahren wird in St. Rochus Jülich diese Tradition in der Fastenzeit gepflegt. [09.04.2017, 14.12 Uhr]  >>

Vereine

Lebendiges Geschichtsgedächtnis [09.04.2017, 14.51 Uhr]  >>
Bestehen unter des Meisters Augen [09.04.2017, 13.19 Uhr]  >>

Immer auf dem Laufenden



Newsletter >>

JüLicht auf Ihrer Site

Sie können unsere aktuellen Schlagzeilen auf Ihrer Website präsentieren - hier steht, wie >>.

Kontakt

Welches Anliegen Sie auch immer bewegt, über unser Kontaktformular >> können Sie mit uns in Verbindung treten.

Werbung