Pfarrvikar Jürgen Frisch am Werk im rheinischen Fastelovend

Linnich: Von Kanzel und Bütt
Von silja [20.02.2012, 13.32 Uhr]

„Ejal, ob du am fleeje bis oder jenoch has vun all dem Driss, nimm d'r e Hätz und sing Halleluja“, so heißt es in dem Lied „Halleluja“ von Brings. „Dieses Stück hat christ- lich sogar Tiefe und zeigt die Ursprünge des Karnevals aus der christlichen Religion “, sagt Pfarrvikar Jürgen Frisch.

Als Feldkaplan mit seiner Funkengarde der Erkelenzer Karnevalsgesellschaft 1832 beim Prinzenbiwak in Hückelhoven – wenige Stunden zuvor zelebrierte Pastor Jürgen Frisch noch die Sonntagsmesse in Linnich.	Foto: silja

Als Feldkaplan mit seiner Funkengarde der Erkelenzer Karnevalsgesellschaft 1832 beim Prinzenbiwak in Hückelhoven – wenige Stunden zuvor zelebrierte Pastor Jürgen Frisch noch die Sonntagsmesse in Linnich. Foto: silja

Frisch, der derzeit den erkrankten Pfarrer Stefan Bäuerle in den Linnicher Gemeinden vertritt und seinen Dienst am Altar hingebungsvoll und gerne feierlich verrichtet, sieht im Karneval einerseits „Ausdruck der Lebensfreude schlechthin“, zum anderen „Entmachtung von allem, was niederdrückt und zerstört“, also „Ausdruck einer größeren Freiheit, die uns als Glaubende auszeichnet“.

Karnevalistische Erfahrungen sammelte der in Dremmen im Kreis Heinsberg aufgewachsene Priester bereits im pfarreigenen „Messdienerkarneval“ und setzte sein Büttenredner- Talent als Diakon im Pfarrkarneval in „Heilig Kreuz“ Aachen sowie als Kaplan in St. Lambertus Erkelenz und in Geilenkirchen ein. An jedem Tulpensonntag feierte er als Kaplan von Erkelenz eine große Karnevalsmesse mit der gesamten Erkelenzer Karnevalsgesellschaft (EKG).

Von der Traditionellen Funkengarde Erkelenz als Feldkaplan aufgenommen, versucht Frisch seitdem, an den Garde-Auftritten teilzunehmen, soweit es sein Dienstplan erlaubt. „Leider klappt’s nicht so oft, wie ich möchte“, be- dauert er. Zu seiner karnevalistischen Aktivität als Büttenredner meint er: „Man sollte natürlich nicht in der Bütt als Priester in billige Zoten abrutschen, wie es andere Redner gerne machen. Ich merke, das nervt viele Karnevalisten auch. Es gibt soviel anderes, über das man herzhaft lachen kann“, das ist für Frisch keine Frage.

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Wichtig findet er, „als Priester bei den Menschen zu sein“. Bei traurigen wie frohen Anlässen und auch im Karneval. „Dann ist die Chance viel größer, dass man sie erreicht.“

Wie reagieren die Leute, wenn ein Priester mit Herz und Seele Karneval feiert? „Ich habe da sehr positive Erfahrungen gemacht.“ Gleichzeitig räumt er ein: „Ein paar Leute sehen das natürlich auch schon ‘was skeptisch“. Der 43-jährige Kirchenmann spricht von der Entstehung der Karnevalsgarden als Parodie auf die Militärgruppen und Besatzungen der Obrigkeiten. „Gewehre mit Blümchen und tanzende Gardisten – und wenn geschossen wird, dann höchstens mit Konfetti oder Kamelle.“ Das diene eher dem Frieden als der Gewalt. Viele Katholiken betrachten den Karneval als Gelegenheit, „vor dem Verzicht nochmal richtig zuzulangen und zu feiern“.

Zum anderen „führt der Weg in der Fastenzeit auf den Tod zu (Jesu am Karfreitag) und erinnert uns an die eigene Sterblichkeit“. Das Aschenkreuz wird mit den Worten gespendet: „Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück. Aber nach dem Karfreitag kommt ja Ostern, die Auferstehung. Für glaubende Menschen führt ja das Leben in die Erlösung und das ewige Leben mit Gott. Darum ist auch der Karneval bereits ein Zeichen der Vorfreude.“


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