Resolution für Schienennetz ohne Lücke in der Region Düren
Von Redaktion [21.09.2010, 11.33 Uhr]

Schhulterschluss in der Region zwischen Verkehrsanbietern, Wirtschaft und Verwaltung

Schhulterschluss in der Region zwischen Verkehrsanbietern, Wirtschaft und Verwaltung

Eine Region macht Dampf: Rund 100 Politiker und Verkehrsexperten folgten am Montag der Einladung von Landrat Wolfgang Spelthahn ins Kreishaus Düren und sandten ein kraftvolles Signal für den Ausbau des Schienenverkehrs in der Region nach Düsseldorf, Berlin und Brüssel. Einstimmig verabschiedete die 1. Regionale Schienenverkehrskonferenz eine Resolution, in der unter anderem der Bau eines voll elektrifizierten dritten Gleises zwischen Aachen und Düren aus EU-Mitteln gefordert wird.

„Wenn nicht jetzt, wann dann ...“, nahm Gastgeber Landrat Wolfgang Spelthahn Anleihen bei einem Höhner-Song und spielte auf die Großinvestitionen an, mit denen der Konjunktur derzeit auf die Beine geholfen wird. Seit 20 Jahren, so erinnerte sich Geschäftsführerin Monika Frohn, fordere die Industrie- und Handelskammer Aachen, das Nadelöhr auf der wichtigen Verkehrsachse aufzuweiten – vergeblich. Im Schulterschluss soll das nun gelingen. Und dabei geht es um weit mehr als um freie Fahrt für Hochgeschwindigkeitszüge. Auf dem Spiel steht die Zukunft der Region.

Für das Containerterminal zum Beispiel, das die Rurtalbahn im Kreis Düren bauen will, sind optimale Verkehrswege unabdingbar, berichtete deren Geschäftsführer Hans-Peter Nießen, als er das Multi-Millionen-Euro-Projekt vorstellte. Hunderte Jobs – vor allem für Geringqualifizierte – könnten im Umfeld des Terminals entstehen, „denn aus Sicht der Logistik ist der Kreis Düren der Mittelpunkt Europas“. Und die Logistikbranche - die umsatzstärkste in NRW – boomt dauerhaft. Davon könnte die Region sehr stark profitieren, bestätigte Ulrich Schirowski, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsagentur AGIT. Allein: Die beiden Gleise zwischen Aachen und Düren sind längst ausgelastet. Mit einem dritten Gleis ließen sich die verschieden schnellen Züge entmischen und die Situation deutlich entspannen.

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Die EU wird dem internationalen Güterverkehr ohnehin Vorrang einräumen. Horst Becker, Parlamentarischer Staatssekretär im NRW-Verkehrsministerium, berichtete von einer entsprechenden EU-Verordnung. Für den landesweit exakt aufeinander abgestimmten Taktfahrplan der Personenzüge bedeutet das sicher nichts Gutes. Da scheint der Verdruss der Reisenden programmiert. „NRW ist Bahnland Nummer 1, doch leider behandelt uns die Deutsche Bahn nicht so“, sprach Becker von einem „ganz erheblichen Ausbaubedarf“ an Rhein und Ruhr.

„Die Leistungsfähigkeit des Schienennetzes ist in keiner Weise auf den wachsenden Güterverkehr ausgerichtet“, bestätigte auch Hans Joachim Sistenich, Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes (AVV) und des Nahverkehrs Rheinland (NVR). Schon im Bestandsnetz gebe es massive Engpässe, „und die Fahrgäste stapeln sich jetzt schon in manchen Zügen“. Aber Finanzausstattung und Ausbaubedarf klafften weit auseinander, berichtete er. Angesichts dessen müssten Ausbaumaßnahmen Vorrang vor Großprojekten wie Stuttgart 21 haben.

Zu diesen Ausbaumaßnahmen zählen auch die Lückenschlüsse der Rurtalbahn über die Kreisgrenzen hinweg. Während die Bördebahn-Strecke von Düren über Zülpich nach Euskirchen „nur“ reaktiviert werden muss, fehlen zwischen Linnich und Baal (oder Lindern im Kreis Heinsberg) einige Kilometer Gleis. Diese Strecken haben nicht nur lokale Bedeutung, sondern ermöglichen überregional kürzere Wege. So könnte Zeit gespart und manche Staustrecke entlastet werden. Folgerichtig fordert die Region den Ringschluss der Rurtalbahn und überdies den Ausbau der Relation Heinsberg-Lindern und Veränderungen auf der Oleftalbahn. Den hohen Nutzwert der täglichen Eisenbahn vor der Haustür veranschaulichte IG Rurtalbahn-Vorsitzender Sebastian Petermann aus Bürgersicht eindrucksvoll.

Ein Entweder-Oder zwischen dem dritten Gleis und den kleineren Lückenschlüsse sieht man nicht. „Bei uns gibt es dringenden Handlungsbedarf“, unterstrich Städteregionsrat Helmut Etschenberg den Wert der Einigkeit in der Region. Und um den „Druck im Kessel“ weiter zu erhöhen, wird die nächste Regionalkonferenz im Haus der Städteregion stattfinden. Dass sich schon bald etwas ändern muss, bekräftigte Landrat Spelthahn mit Verweis auf die Landesgartenschau in Zülpich. 2014 werden dort wahre Besucherströme erwartet.


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