Ringen um Neubau der Jülicher KGS
Von tee [10.02.2010, 21.27 Uhr]

Wo noch der Blick ins Grüne geht werden künftig KGS und Mehrzweckhalle ihren Platz finden.

Wo noch der Blick ins Grüne geht werden künftig KGS und Mehrzweckhalle ihren Platz finden.

"Der Schulentwicklungsplan gibt vor“, argumentierte Dezernent Andreas Prömpers bei der Vorstellung der Neubaupläne für die Katholische Grundschule, dass künftig nur zehn Klassenräume benötigt würden und nicht zwölf. Stoff für reichlich Diskussionen im jüngsten Planungs- und Bauausschuss. Denn die Frage, ob eine Prognose Grundlage für perspektivische Planung sein darf, bewegte die Gemüter im Jülicher Rathaus.

Grundsätzlich sind die Weichen gestellt: Der Neubau der Katholischen Grundschule (KGS) am Schulzentrum Linnicher Straße ist beschlossene Sache. Zum Schuljahr 2012/13 soll er bezugsfertig sein. Seit Weihnachten sitzen die Vertreter von Verwaltung und dem Hagener Planungsbüros PASD Architekten?Feldmeier-Wrede mit der Schulleitung an einem Tisch, um die beste Variante abzustimmen. Vorgestellt wurden drei ausgewählte von ursprünglich 15 Vorschlägen im jüngsten Planungs- und Bauausschuss. Eingeladen waren auch die Mitglieder des Schulausschusses, da zu deren Sitzung drei Tage zuvor die Pläne noch nicht vorlagen.

Helmut Feldmeier freute sich hörbar über die „gewachsene Qualität des Planungsraums“ und den Reiz der „Schule im Park“. Zusätzlich sei die, so betonte der Architekt mehrfach, durchdachte pädagogische Ausrichtung zu berücksichtigen gewesen. Planungskonstante war daneben die Mehrzweckhalle, die übrigens aus Kosten- und optischen Gründen in den Boden eingegraben werden wird. Sie ist der KGS angegliedert, soll aber vornehmlich von den anderen Schulen als Sporthalle und der Allgemeinheit als Veranstaltungsraum genutzt werden. Um dieses „Anhängsel“ gestaltet sich das Hauptgebäude. Ob vorgelagerte Halle, nebenliegende Halle oder in das Schulgebäude integriert war eigentlich weniger die Frage unter den Anwesenden. Die Planergemeinschaft hatte sich ausdrücklich für Variante 3 ausgesprochen – Eingang vom Schulzentrum aus, Schulhof in Richtung Baugebiet rückliegend und angebaut die Mehrzweckhalle.

Den Stein des Diskussions-Anstoßes gab nach der Vorstellung des „städteplanerischen Entwurfes“, über den die Verwaltung an diesem Abend abstimmen lassen wollte, die inhaltliche Aussage von Lambert Schmitz (CDU): „Wir gehen davon aus, dass sie zwölf Klassen planen, wie es in der Ausschreibung vorgesehen ist.“ Das führte beim Architekten zu sichtbaren Irritationen: „Mit den Dezernenten (Andreas Prömpers und Martin Schulz Anm.d.Red.) habe ich einvernehmlich über zehn Klassen gesprochen. Heute höre ich zwölf…“ Er forderte die Ausschussmitglieder zu einem klaren Beschluss auf: „Wenn heute keine Entscheidung fällt, dann ist der Zeitplan nicht einzuhalten.“

Dezernent Prömpers Aussage, es habe nie einen Beschluss des Schulausschusses über zwölf Klassenräume gegeben, widersprachen die anwesenden Mitglieder des besagten Gremiums. Außerdem, so Prömpers, sei zu jedem Klassenraum je ein Gruppenraum geplant, die so zueinander lägen, dass eine Faltwand weggenommen werden könne und ein zusätzlicher Klassenraum zur Verfügung stünde. Damit seien flexible Lösungen gegeben, denn der Schulentwicklungsplan gebe vor, dass 2012/13 nur noch zehn Klassen benötigt würden. Diese Aussage brachte Jürgen Laufs (Grüne) in Rage: Ein Schulentwicklungsplan prognostiziere und unterstütze die Planung, könne sie aber nicht vorgeben. Im Schulausschuss sei versäumt worden, die Pläne vorzustellen. Die Verwaltung solle „informieren statt in eine Richtung zu weisen.“

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Am Schulzentrum wird bis zum Jahr 2012 gebaut.

Am Schulzentrum wird bis zum Jahr 2012 gebaut.

„Schon in diesem Jahr hat die KGS 20 Prozent mehr Anmeldungen als der Schulentwicklungsplan vorsieht“, ereiferte sich auch Lambert Schmitz (CDU) und erhielt unversehens Schützenhilfe von Schulleiter Fred Reinartz: „Der Schulentwicklungsplan für die KGS stimmte in den letzten Jahren selten.“ Im ersten Vorgespräch hätte man noch von zwölf Klassen gesprochen, so Reinartz, „dann hat man uns eingebremst auf zehn Klassen wegen des Schulentwicklungsplans. Man hat uns gesagt ,mehr geht nicht’.“ Der KGS-Leiter gab zu bedenken, dass mit dem Wegfall der Gruppenräume vom pädagogischen Konzept der Schule viel verloren ginge. In die Zukunft blickend stellte er außerdem die Frage, was passiere, wenn die Grundschulzeit verlängert würde? Neue Konzepte greifen würden? Eine Perspektive, die bei der Zehn-Klassen-Planung verschlossen bliebe.

Matthias Hoven (JÜL) monierte, dass keine Kalkulation zu den drei Varianten vorgelegt würde und erst eine Stunde vor der Sitzung die Unterlagen zugestellt worden wären. Nicht glaubwürdig fand Hoven die Aussage von Helmut Feldmeier, dass alle drei Varianten für einen Preis zu haben seien. „Wir werden nie erfahren, welche Variante die günstigste ist.“ Feldmeier verwahrte sich gegen solche Vorwürfe und betonte, dass es unüblich sei, in einem so frühen Stadium die Politik einzubeziehen. Nicht nur zu früh für eine Rechnung war es, sondern auch für eine detaillierte Darstellung ökologischer Bauweisen, die Anke Talarek (Grüne) einforderte.

Peter Hüvelmann (CDU) brachte die Diskussion letztlich in die entscheidende Richtung, indem er auf die Fakten zurückkam: Einigkeit herrsche darin, dass der Ausschuss dem Wunsch der Schulleitung Variante 3 betreffend folgen werde. Ziel müsse es sein, dass Schulkonzept auf zwölf Klassenräume plus Gruppenräume zu erweitern, denn „wenn man eine Schule neu baut dann so, dass sie auch in die Zukunft gerichtet ist.“ Um diese Grundlagen im Raumprogramm formaliter zu schaffen wurde mit den anwesenden Schulausschuss-Mitgliedern eine Sondersitzung für Aschermittwoch, 17. Februar, anberaumt.


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