Aachener Bischof vergibt Prädikat „ausgezeichnet“ an Unternehmen „Smurfit“

Ein Jülicher Konzept, das Hoffnung gibt
Von Redaktion [28.01.2010, 20.34 Uhr]

Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff bei der Preisverleihung „ausgezeichnet 2009“ an smurfit-Geschäftsführer Klaus Burckhardt.

Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff bei der Preisverleihung „ausgezeichnet 2009“ an smurfit-Geschäftsführer Klaus Burckhardt.

Ganz in den Sinn der Enzyklika „Caritas in veritate“ von Papst Benedikt XVI. – „das zu schützende Kapital ist der Mensch“ – stellte Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff die Preisverleihung „ausgezeichnet 2009“. Für ihre Initiative, gering qualifizierte Angestellte bis zum Facharbeiterbrief fortzubilden, erhielt das Jülicher Unternehmen „Smurfit“ diese Auszeichnung, die zum vierten Mal vergeben wurde.

Gerade Menschen mit einer geringen Qualifikation seien am ehesten von Entlassungen in Krisenfällen betroffen, so der Bischof in der Feierstunde in Jülich. Und das, obwohl sie oft lange Jahre in den Firmen gute Arbeit geleistet hätten. In die Arbeitslosigkeit geworfen gelten sie als schwer vermittelbar. „Das Konzept von Smurfit bietet Zukunft und gibt Menschen Hoffnung gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten,“ betonte Bischof Mussinghoff.

Auf Anregung eines Kölner Berufsschullehrers hat sich 2006 das Unternehmen entschieden, zunächst für die eigenen Mitarbeiter eine Qualifizierung anzubieten. Geschäftsführer Klaus Burckhardt war vom Ergebnis so überzeugt, dass er auch andere Firmen dafür begeistern konnte. Inzwischen ist das Konzept weiterentwickelt worden. In Wochenend-Lehrgängen, die sich über vier Jahre erstrecken, können sich bei Smurfit die Facharbeiter zu Meistern ausbilden lassen. „Das ist natürlich nicht ganz selbstlos“, räumt Burckhardt ein. Die Anforderungen in der Industrie würden größer, die Maschinen schneller, die Arbeitsvorgänge komplexer. Eine Qualifizierung der Mitarbeiter kommt so auch dem Unternehmen zugute. Klaus Burck-hardt dankte für die Auszeichnung und versicherte für sein Unternehmen „Smurfit“, dem so-zialen Engagement auch künftig verpflichtet zu bleiben

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Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff überreicht die Urkunde an KfZ-Meister Roman Grawinkel.

Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff überreicht die Urkunde an KfZ-Meister Roman Grawinkel.

Neben der Urkunde überreichte der Bischof ein Gemälde von Pater Bonifatius und eine Einladung in das Zisterzienserkloster Bochum-Stiepel für sechs Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen, die dort „Zeit zum Abschalten, Austausch oder zur Entwicklung neuer Ideen“ fänden.

Einen Sonderpreis erhielt der Aachener KfZ-Meister Roman Grawinkel, der Schulabgängern mit schlechten Zeugnissen in seiner Werkstatt eine Ausbildung ermöglicht. „Sie haben in ihrem Leben oft erfahren, dass man scheitert und Hilfe für den nächsten Schritt braucht“, erläuterte Bischof Mussinghoff in seiner Laudatio. „Ich habe es für selbstverständlich gehal-ten, Menschen mit Defiziten eine Chance zu geben“, zeigte sich der Unternehmer erfreut und gleichzeitig überrascht von der Auszeichnung. Er selbst habe einen schwierigen Berufsstart gehabt, erklärte der inzwischen gestandene KfZ-Mechaniker. „Ich hatte Glück – ich hatte einen Ausbilder mit viel Geduld.“ Diese Erfahrungen gibt er nun in seinem Betrieb weiter.

„Ich weiß, dass Sie Wert auf eine gute betriebliche Gemeinschaft legen und mehrmals im Jahr gemeinsam etwas unternehmen“, so Bischof Mussinghoff bei der Übergabe der Urkun-de. Daher lud er den Preisträger und seine Belegschaft zu einer besonderen Domführung mit dem ehemaligen Dompropst Dr. Herbert Hammans ein.

Die Auswahl der Preisträger wurde durch den „Großen Runde Tisch“ getroffen. Die Initiative des Bischofs von Aachen mit der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer, der Vereinigung der Unternehmerverbände im Aachener Industriegebiet, den Evangelischen Kirchenkreisen Aachen und Jülich, dem DGB Region NRW Süd-West und der Agentur für Arbeit entschied sich nach dem Besuch aller Bewerber im November für die Preisträger.


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