Abschied von Wiebke Waltersdorf

Jülich: Eine Pfarrerin der "Herzen" verlässt Jülich
Von Arne Schenk [13.02.2009, 16.09 Uhr]

Auf der Kanzel wirkte Wiebke Waltersdorf auch bei ihrer Abschiedspredigt so volksnah wie stets.

Auf der Kanzel wirkte Wiebke Waltersdorf auch bei ihrer Abschiedspredigt so volksnah wie stets.

„Sie gehören nicht an den Schreibtisch, sie gehören auf die Kanzel“, erklärte Joachim Brockob vom Offenen Seniorentreff der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich, als Pfarrerin Wiebke Waltersdorf am Sonntag verabschiedet wurde. Dann schob er noch ein „Wir werden Sie vermissen“ hinterher, womit er sicherlich allen Gästen im vollen Dietrich-Bonhoeffer-Haus aus dem Herzen sprach.

Wie viele „Fans“ Wiebke Waltersdorf in der Herzogstadt über die vergangenen drei Jahre gewonnen hat, zeigte sich bereits zuvor im Abschiedsgottesdienst. Kein Platz blieb unbesetzt, als Kirchen- wie Posaunenchor und natürlich die beiden Pfarrer Karin Latour und Dr. Thomas Kressner es sich nicht nehmen ließen, ihrer Kollegin alles Gute mit auf den Weg zu geben.

„Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt“ erfüllte die Christuskirche und „In the bulb there is a flower; in the seed, an apple tree“ als amerikanisches Liedgut. Die Tradition aus dem Land über dem großen Teich brachte Waltersdorf den Jülichern quer durch alle Alterschichten näher, zelebrierte Gottesdienst nach Art der Neuen Welt und Fund-Raising.

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Immer mittendrin: Eine „Pfarrerin zum Anfassen“ ist Wiebke Waltersdorf während ihrer Zeit in der evangelischen Gemeinde von Jülich immer gewesen.

Immer mittendrin: Eine „Pfarrerin zum Anfassen“ ist Wiebke Waltersdorf während ihrer Zeit in der evangelischen Gemeinde von Jülich immer gewesen.

Schwerpunkt Familie: Auch bei den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist sie äußerst beliebt; während die Kleineren sie ständig auf der Feier im Bonhoeffer-Haus umlagerten, erwiesen die Größeren ihre Referenz, indem sie liebevoll die Stärken und Schwächen der scheidenden Pfarrerin in einem improvisierten Sketch mitsamt Jugendleiterin Steffi Arndt aufführten.

„Die Wiebke geht nach Düsseldorf, in Jülich findet man das doof“, sang Pfarrer Kressner alleine, mit der Belegschaft zusammen mit hochgezogenen Hosenbeinen und darunter Ringelsocken „Hey Wiebke Waltersdorf, die Zeit mit Dir war schön“ frei nach Pippi Langstrumpf, der Gospelchor intonierte: „Geh mit Gottes Segen.“ Schier unendlich schienen die Segenswünsche und Geschenke. Das große Fachwissen und die Spiritualität der Pfarrerin pries Elke Bennetreu, Leiterin der evangelischen Erwachsenenbildung (EEB) im Kirchenkreis Jülich, und: „Du hast Menschlichkeit und Natürlichkeit.“

Von dem großen Zuspruch zeigte sich auch Superintendent Jens Sannig beeindruckt: „Ich habe im Gottesdienst bereits gesehen, welche Lücke Du hinterlässt.“ Als Wiebke Waltersdorf im April 2006 ihre Stelle als Pfarrerin zur Anstellung antrat, war bereits klar gewesen, dass sie nach drei Jahren Jülich wieder verlassen würde. Auf die ausgeschriebene Stelle als Nachfolgerin für Dr. Thomas Kressner, der Ende März in den Ruhestand tritt, konnte Sie sich aus verwaltungsrechtlichen Gründen nicht bewerben.

Ihre fachliche Kompetenz und Motivationsfähigkeit erfahren dennoch offenbar auch an anderer wichtiger Stelle ihre Würdigung, schließlich führt ihre neue Aufgabe sie in das Landeskirchenamt, wo sie künftig als persönliche theologische Referentin von Vizepräses Petra Bosse-Huber tätig ist. „Diese beiden Arbeitsbereiche gehören zusammen“, erklärte sie zu ihrem neuen Tätigkeitsbereich und das Wirken in der Gemeinde, ließ dadurch wissen, dass sie immer im Auge behielte, was in Jülich passiert. „Wir sind ein kleines bisschen neidisch auf die Landeskirche“, bezeugte abschließend Pfarrerin Latour und scherzte wehmütig: „Wehe, sie behandeln Dich nicht gut!“


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