Informationsabend „Ambulantes Betreutes Wohnen“

Jülich: Der Auszug in terrakottarot und sonnengelb
Von tee [16.09.2008, 11.43 Uhr]

Karim (l) hat gern Besuch in seinen eigenen vier Wänden.

Karim (l) hat gern Besuch in seinen eigenen vier Wänden.

Wenn Karim Besuch von Marlies Groß bekommt, dann macht er erst einmal Capuccino. „Das gehört sich schließlich so“, schmunzelt er. Der geistig behinderte Rollstuhlfahrer ist einer von drei Männern in der Region, die mit Hilfe des HPH-Netzes Mittelrhein-West vom Landschaftsverband Rheinland in die eigenen vier Wände umgezogen sind. Beim Informationsabend „Ambulantes Betreutes Wohnen“ am Mittwoch, 17. September, im Heilpädagogischen Zentrum in Jülich, Schulzentrum 9, wird Karim die „Geschichte seines Auszuges“ erzählen.

„Ich habe irgenwann erkannt, dass ich da nicht wirklich hin gehöre“, erinnert er sich. Verschiedene Stationen hatte Karim bereits absolviert: Das Heim, Leben im Appartement-Haus in Dürwiss… dann kam der Wunsch vollständig selbstbestimmt zu sein. In Abstimmung mit der Regionalleitung in Jülich, namentlich Christian Bradl, kam das „Ok“. Der erste Schritt ist dann, die Selbständigkeit zu trainieren, etwa die Waschmaschine zu bedienen.

„Man muss aber nicht alles können, wenn man auszieht“, betont Bradl. Schließlich erhalten die Behinderten weiterhin Unterstützung in so genannten „Fachleistungsstunden“, die sie beim LVR „buchen“. Ein individueller Hilfesplan wird entwickelt, der von Handreichungen im Haushalt bis zur Körperpflege alles abdecken kann. „Aller Regel nach ist es eine persönliche Assistenz“, umschreibt Marlies Groß ihre Aufgabe im Projekt „Ambulantes Betreutes Wohnen“.

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Karim (r) erhält im Projekt "Betreutes Wohnen" Unterstützung durch Marlies Groß.

Karim (r) erhält im Projekt "Betreutes Wohnen" Unterstützung durch Marlies Groß.

Während sich Karim auf den Auszug vorbereitete, wurde in Eschweiler eine Wohung gesucht. Gar nicht so einfach, schließlich mussten die eigenen vier Wände barrierefrei sein und Vorbehalte gegenüber Behinderten, wie Christian Bradl aus eigener Erfahrung weiß, darf der Vermieter nicht haben. Dann können durch das so genannte Wohnungsraum-Anpassungsprogramm, das durch Pflegekassen und die Sozialämter finanziert wird, Umbaumaßnahmen vorgenommen werden. Für Miete, Nebenkosten und den persönlichen Bedarf wird ein Grundsicherungsantrag bei der Stadt gestellt. Dazu kommt das Gehalt, das etwa wie bei Karim durch die Arbeit in den Eschweiler Behindertenwerkstätten kommt.

Natürlich ist der Landschaftsverband Rheinland – bei wem sie denn möglich ist – nicht nur uneigennützig an einer Verselbständigung der Behinderten interessiert. Das räumt auch Christian Bradl vom HPH Mittelrhein ein. Es ist in die Zukunft gedacht eine Kostenfrage. Eine Starthilfe von 2000 Euro setzt daher der Landschaftsverband Rheinland als Anreiz und Starthilfe aus.

Genutzt hat sie Karim, um sich Schränke und ein blaues Sofa zu kaufen und die Wände nach seinen Vorstellungen streichen zu lassen – „terrakottarot und die andere Seite sonnig gelb“, wie er nicht ohne Besitzerstolz beschreibt. Und was ist sein persönlich größter Gewinn? „Die Zeit für Gespräche – das war im Heim nicht so möglich.“

Der Informationsabend zum Thema „Betreutes Wohnen“ ist kostenlos und beginnt um 19 Uhr.


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